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Kritik an der Stadt: Novemberpogrom: Gedenken an einem unwürdigen Ort

Von Zum 79. Mal jährte sich der Tag, an dem die Nazis in Deutschland die Synagogen anzündeten – auch in Höchst. Die überparteiliche AG Geschichte und Erinnerung bezog gestern Abend Position – und kritisierte die Stadt, weil sie dem Gedenken keinen würdigen Ort bietet.
Die Höchster Synagoge, die 1938 in der Pogromnacht in Flammen aufging, entsteht jedes Jahr am 9. November in Form einer Dia-Projektion wieder. Sie stand auf dem Platz vor dem Bunker, den die Nazis bauen ließen und der inzwischen unter Denkmalschutz steht. Der Platz hingegen, obwohl Ort des Gedenkens, ist ziemlich vernachlässigt. Foto: Maik Reuß Die Höchster Synagoge, die 1938 in der Pogromnacht in Flammen aufging, entsteht jedes Jahr am 9. November in Form einer Dia-Projektion wieder. Sie stand auf dem Platz vor dem Bunker, den die Nazis bauen ließen und der inzwischen unter Denkmalschutz steht. Der Platz hingegen, obwohl Ort des Gedenkens, ist ziemlich vernachlässigt.
Höchst. 

Spätestens seit der Bundestagswahl im September ist klar: Die Republik rückt nach rechts. Es wird abgewertet und ausgegrenzt, es werden Angst geschürt und Radikalität. Die AG Geschichte und Erinnerung, in der in Höchst verschiedene politische Parteien, Institutionen und Kirchengemeinden zusammenarbeiten, lässt das gerade zum Gedenken an das Novemberpogrom nicht unbeeinflusst: Im gesamten damaligen Deutschen Reich wurden am 9. November 1938 zahllose jüdische Gotteshäuser geschändet, verwüstet oder niedergebrannt; zehntausende jüdische Mitbürger wurden misshandelt, ihres Besitzes beraubt und in Lager verschleppt. Deutsche und jüdische Geschichte sind durch den 9. November untrennbar miteinander verbunden.

Seit 25 Jahren hingehalten

Auf dem Ettinghausenplatz in Höchst trafen sich gestern Abend wieder rund hundert Menschen im Gedenken an die Verfolgungen und Morde der Nazizeit. Hier, an dem kleinen Platz neben dem Höchster Markt, stand die Höchster Synagoge; der Platz ist auf Betreiben der AG Geschichte und Erinnerung nach einer verdienten jüdischen Familie benannt. Und was die AG besonders ärgert: Der Platz ist ungepflegt, oft mit Sperrmüll vollgestellt, kein Ort des Gedenkens.

Waltraud Beck von der AG schilderte den 25-jährigen Kampf der AG mit der Stadt, den Platz endlich in einen würdigen Zustand zu versetzen. Seit 1992 werde man vertröstet und hingehalten. Zwar habe die AG seit 2007 immer wieder Vorstöße unternommen, auch mit Unterstützung des Ortsbeirats, doch werde man immer wieder damit vertröstet, dass das Stadtplanungsamt kein Personal dafür stellen könne. Zuletzt habe die AG im August Oberbürgermeister Peter Feldmann angeschrieben – und warte noch immer auf eine Antwort. Derzeit sei nach vielen verstrichenen Terminen die Rede von einem Umgestaltungsbeginn ab 2021.

Grundsatzrede

Die Erinnerung wach zu halten sei wichtig – gerade in Zeiten, in denen Ausgrenzung wieder salonfähig wird. Das betonte Petra Scharf von der AG in einer Grundsatzrede. Vorgestellt wurde auch ein Projekt der Leibnizschule, das von Lehrerin Andrea Mihm betreut wird: Die Schüler recherchieren die Viten jüdischer Mitschüler aus der NS-Zeit, um sie „ein Stück in unsere Mitte zurückzuholen“.

Das Pogrom-Gedenken begann bereits am Mittwoch im Filmforum Höchst mit dem Film-Drama „Nebel im August“ und wird mit einem Vortrag in Zeilsheim fortgesetzt (wir berichteten). Zum Abschluss soll ein weiterer Stolperstein in Höchst verlegt werden – vor dem Glockenspielhaus.

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