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Stadt möchte Untermieter im Hotel Herrnberg werden: Obdachlose statt Flüchtlinge

Erster Stadtrat Sven Heß räumt ein, dass es die Verwaltung in den letzten Jahren versäumt hat, frei werdende Liegenschaften zu erwerben, um dort Obdachlose unterzubringen.
Einige Zimmer im ehemaligen Hotel Herrnberg würde die Stadt gerne als Unterkünfte für Obdachlose nutzen. Foto: Knapp Einige Zimmer im ehemaligen Hotel Herrnberg würde die Stadt gerne als Unterkünfte für Obdachlose nutzen.
Flörsheim. 

Flörsheim wächst. Trotz des Fluglärms entstehen neue Wohnungen und Häuser in der Mainstadt. Gleichzeitig laufen aber immer mehr Menschen Gefahr, kein Dach über dem Kopf zu haben. Die Zahl der Personen, die sich eine Wohnung zum üblichen Mietpreis nicht leisten können, steigt. Das Thema Wohnungslosigkeit werde politisch immer brisanter, warnt Erster Stadtrat Sven Heß (Galf). Im September soll ein Bericht seines Dezernats im Ausschuss präsentiert werden.

Alleine in diesem Jahr habe die Stadt 50 Fälle abgewickelt, in denen Personen von Obdachlosigkeit bedroht waren, berichtet Heß. Ihm sei außerdem bekannt, dass durch Räumungen weitere Fälle bevorstehen. Die Betroffenen befinden sich oft „am untersten Ende der sozialen Skala“, betont der Sozialdezernent. Meist bilde eine Mischung aus Drogen, Alkohol, Arbeitslosigkeit und Familienproblemen den Auslöser. Heß spricht von einer permanenten Schwankung bei den Wohnungslosenzahlen. Fest steht aus seiner Sicht jedoch, dass es mehr Bedarf für Unterbringung gibt als Plätze.

Weniger Unterkünfte

Ein weiterer Faktor sind Flüchtlinge, die nicht ewig in den Unterkünften für Asylbewerber leben können. Sven Heß weist darauf hin, dass anerkannte Asylanten auf den Wohnungsmarkt drängen. Derzeit gebe es einige, die trotz der Bestätigung ihres Asylantrags weiterhin in Quartieren des Main-Taunus-Kreises wohnen. Dies werde sich bald ändern, weil der Kreis seine Unterkünfte beschränken wolle, sagt Heß. Die Zahl der Wohnungslosen werde dann „drastisch steigen“, erklärt der Flörsheimer Sozialdezernent.

Der steigenden Nachfrage steht ein sinkendes Wohnungsangebot gegenüber. Sven Heß erklärt, dass sich die Anzahl der Sozialwohnungen in den vergangenen Jahren halbiert habe. Er weiß von Zeiten, als es über 600 öffentlich geförderte Wohnungen in Flörsheim gab. Derzeit liege die Zahl noch bei 293. Davon fallen in den nächsten zwei Jahren weitere 60 Wohnungen weg – zehn neue kommen indes in der Elisabeth-Jakobi-Straße hinzu. Unter dem Strich könne die Stadt im Jahr 2019 also mit rund 240 öffentlich geförderten Wohnungen rechnen, erläutert der Erste Stadtrat.

Neben günstigem Wohnraum fehlen ausreichende Unterkünfte für Obdachlose: Die bisher genutzten Räume am Wickerbach fallen der Erweiterung der benachbarten Kläranlage zum Opfer. Sven Heß stellt fest, dass es die Stadt in der Vergangenheit versäumt habe, freie Objekte zu kaufen, die jetzt als Obdachlosenunterkunft dienen könnten. „Das wäre über die Jahre sicherlich sinnvoll gewesen“, meint der Sozialdezernent.

Um Obdachlose unterzubringen, nutzt die Stadt die Flüchtlingsunterkunft in der Liebigstraße. Flörsheim habe ein Drittel der Räume vom Kreis angemietet, erklärt Heß. Damit stehen 16 Plätze für Einzelpersonen zur Verfügung. Darüber hinaus gebe es zwei weitere Objekte, die die Stadt für die Unterbringung von Familien zurückhalte. Erleichterung könnte das ehemalige Hotel Herrnberg verschaffen.

Erste Gespräche geführt

Die Stadt habe bereits ein Gespräch mit dem Main-Taunus-Kreis geführt, erzählt Heß. Der Kreis nutzt den Gebäudekomplex als Flüchtlingsquartier, er plant jedoch, einige der Asylbewerber in die Hattersheimer Unterkunft im Kastengrund zu verlegen. Die Stadt Flörsheim interessiert sich für die frei werdenden Räume. Nach der Sommerpause solle es weitere Gespräche geben, sagt Heß. Dabei werde es darum gehen, unter welchen Bedingungen die Stadt das Gebäude als Untermieter nutzen kann.

(sas)
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