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Kreisstadtlauf: "Papa, da kommt die Nummer eins"

Von Ja, ich gebe es zu: Mit dieser Nummer auf meinem Trikot fühle ich mich vor dem Start des Kreisstadt-Laufs auf dem Platz am Untertor in Hofheim inmitten der Läufermassen wie ein kleiner König – und selbst der Gang zum Dixiklo hat etwas Erhabenes.
Michael Forst.	Foto: mi Michael Forst. Foto: mi
Hofheim. 

Es ist die Startnummer "1", mit glücklichem Timing und blitzschneller Online-Anmeldung ergattert, die auf meiner Brust prangt und nun, Minuten vor dem Start, etliche neugierige Blicke und freundliche Fragen auf sich lenkt. Nein, ich bin nicht der Vorjahressieger, stelle ich klar, während ich zum Beweis auf mein Pläutzchen deute. Und, ja, es ist schon etwas Besonderes, mit dieser Nummer zu laufen. Durchgereicht oder gar Letzter zu werden, wäre damit ein besonderes Desaster. Schlimmer noch: eine echte Lachnummer.

Entsprechend ambitioniert reihe ich mich beim Start im vorderen Drittel des Teilnehmerfeldes ein – und pflege schon auf der langgezogenen Elisabethenstraße ein in bisherigen Volksläufen erprobtes Ritual: Mitläufer auf ähnlichem Leistungslevel ausgucken und an ihnen dranbleiben. Die Blondbezopfte von den "Laufmädels"? Etwas zu langsam vielleicht. Der Typ mit dem rhythmisch scheppernden Schlüsselbund in der Hosentasche? Auf Dauer etwas nervig. Ein junger Mann mit riesigen Kopfhörern und "Didier -Drogba"-Trikot scheint kompatibel. Doch fünf Minuten später ist Drogba nur noch ein kleiner, orangefarbener Fleck vor mir am Horizont – dumm gelaufen.

Wir verlassen Hofheim. Linker Hand krönt ein Kumulus-Wölkchen eine sanft geschwungene Taunuskuppe, doch ich habe nur Augen und Ohren für das Spektakel vor mir: Auf der berühmten Brücke feuern Kreisstadt-Lauf-Schlachtenbummler die Läufer mit Jubel, Ratschen und Transparenten an. Ich ertappe mich dabei, die Schrittfrequenz zu erhöhen – der Ehrgeiz läuft mit.

Zeilsheim empfängt uns stimmungsvoll. An improvisierten Tischen auf dem Bürgersteig verfolgen Nachbarn den Lauf beim Äppler. Ein kleiner Junge sichtet mich, zupft seinen Vater am Ärmel: "Guck mal, Papa, da ist die Nummer eins!" Papa zückt den Fotoapparat, die Nummer eins landet lächelnd im Familienalbum. Im Industriepark kündigt sich ein Krampf im Oberschenkel an – vorsorglich versuche ich, mit drei DRK-Mitarbeitern auf Fahrrädern Schritt zu halten. Das Finale ist ein Traum: Den verschlafen fließenden Main zur Rechten, die malerische Höchster Altstadt zur Linken, sprinte ich durch ein Spalier jubelnder Menschen, dann links durch das Maintor die letzten Meter auf Kopfsteinpflaster hoch. Im Ziel auf dem Schlossplatz bleibe ich unter 50 Minuten – persönliche Bestzeit! Es muss an dieser Nummer liegen.

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