E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 24°C

Baugebiet in Liederbach: Parteien wollen sich dem Votum der Bürger beugen

Einige der Parteien im Liederbacher Parlament haben ihre Meinung zur umstrittenen Weiterentwicklung des Baugebiets„Nördlich Weingärten“ inzwischen überdacht.
Viele Komponenten müssen bei der Entscheidung um die Zukunft des Baugebiets „Nördlich Weingärten“ bedacht werden. Foto: Hans Nietner Viele Komponenten müssen bei der Entscheidung um die Zukunft des Baugebiets „Nördlich Weingärten“ bedacht werden.

Die Gemeindevertretung hat das Vertreterbegehren zum Baugebiet „Nördlich Weingärten“ einstimmig auf den Weg gebracht. Kurz darauf hat sich die Bürgerinitiative „Contra Nördlich Weingärten – Pro Natur“ (BI) wieder formiert. Sie bekräftigt ihr „Nein“ beim zweiten Bürgerentscheid am 24. September. Die Gemeinde wiederum hat bekannt gegeben, dass es eine Bürgerversammlung geben soll. Zudem betont Bürgermeisterin Eva Söllner, dass die Gemeindevertretung „dieses Baugebiet mehrheitlich entwickeln möchte“. Doch wie genau die Stimmenverteilung aussehen würde, ist offen. Wie ist die Lage in den fünf Fraktionen im Parlament? Wir haben nachgefragt.

Weiter hinter dem Projekt steht die CDU, die vor sieben Jahren noch allein auf weiter Flur war. Sorgen der BI, wie den Verlust einer Frischluftschneise oder die Bewältigung von Wassermassen bei Starkregen, werden von ihr nicht geteilt. CDU-Fraktionschef Joachim Lehner betont, es seien in dem Gebiet „bereits alle notwendigen naturschutzrechtlichen Maßnahmen erfüllt“ worden. Auch zum Verkehr gebe es Untersuchungen, die das zusätzliche Aufkommen „deutlich relativieren“. Zum Thema Frischluft sagt er: Das neue „Quartier Mixte“ liege ja auch in der Schneise. Lehner sieht noch viele weitere Vorteile wie zusätzliches Angebot an Wohnraum, günstige Wohnungen im Eigentum der Gemeinde sowie sichere Mieteinnahmen aus den Gemeinde-Häusern.

„Wir stehen hier wie vor sieben Jahren dagegen“, stellt SPD-Fraktionschef Julio Martinez de Una klar: „Wir lassen uns nicht das Baurecht kaufen.“ Der Genosse überlegt, ob das großzügige Angebot des Grundstückseigentümers „rechtlich sauber“ ist. „Für uns hat sich nichts geändert.“ Nach wie vor sei die Grünfläche wertvoll. Mit bis zu 120 Wohnungen erhöhe sich der Verkehr noch stärker. Und eine Entwässerung in Richtung „Quartier Mixte“ könnte dort neue Probleme aufwerfen. Für ihn ist das Veto klar, mit einer Ausnahme: „Wenn die Bürger das wollen, werden wir uns fügen und es nicht in Frage stellen.“

„Für uns ist der Bürgerentscheid von 2010 nach wie vor bindend“, macht Grünen-Fraktionschef Andreas Müller deutlich. Die Fraktion lehnt das Baugebiet weiterhin ab und strebt an, die Fläche wieder in den Regionalen Grünzug einzugliedern. Die Grünen wollen daher die BI erneut unterstützen. Müller: „Ich sehe keinen Grund, warum der Bürgerwille von damals jetzt ein anderer sein sollte. Und wir glauben, dass sich die Mehrheit wieder dagegen aussprechen wird.“

Die Fraktion befürchtet eine Zunahme des Verkehrs um mehr als 300 Fahrzeugen täglich, sieht eine weitere Versiegelung von Flächen mit einer höheren Überflutungsgefahr kritisch und hält das Areal insgesamt für „ökologisch wertvoll“. Die nötigen Sozialwohnungen könnten auch im „Quartier Mixte“ realisiert werden. Bis zu 30 Prozent bezahlbarer Wohnraum sei machbar.

„Was gibt es Besseres, als die Bürger entscheiden zu lassen?“, fragt FWG-Fraktionschef Thomas Kandziorowsky, der die Liederbacher „nicht bevormunden“ möchte. Da er Vor- und Nachteile des Projektes sieht, hat er für die FWG die „Abstimmung freigegeben“. Jeder sollte hier „seinem Gewissen verpflichtet sein, eine ganz schwierige Sache“.

Da er Vor- und Nachteile des Projektes sieht, hat er für die FWG die „Abstimmung freigegeben“. Jeder sollte hier „seinem Gewissen verpflichtet sein“.

War die FDP vor knapp zehn Jahren noch gegen „Nördlich Weingärten“, so spricht sie sich nun für das neue Konzept aus. „Das ist nicht vergleichbar, eine andere Planung und Bebauung, viel freundlicher“, sagt Fraktionschef Hans-Jürgen Jung. „So ein gutes Angebot wie dieses werden wir nicht noch einmal kriegen“, verweist der FDP-Mann auf die Möglichkeit, sozialen Wohnraum in kommunalen Besitz zu bekommen. Zudem übernehme der Bauträger die komplette Entwässerung. Daher seien die Liberalen mit ihrer inzwischen veränderten Truppe „einhellig“ dafür, in „Nördlich Weingärten“ zu bauen. Doch Jung hält es für richtig, zuvor die Bürger erneut zu befragen.

(wein)
Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen