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Die Feuerwehr probt den Ernstfall: Personenrettung nach Drehbuch

Aus einem Firmengebäude raucht es, draußen stehen verzweifelte Mütter: das Szenario einer Übung der Feuerwehr Bremthal.
Realistisches Szenario: Eine Mutter, gespielt von Cordula Brandt (Mitte), deren Kind von der Feuerwehr aus einem verqualmten Raum gerettet wurde, wird von einer Notfallseelsorgerin betreut. Realistisches Szenario: Eine Mutter, gespielt von Cordula Brandt (Mitte), deren Kind von der Feuerwehr aus einem verqualmten Raum gerettet wurde, wird von einer Notfallseelsorgerin betreut.
Bremthal. 

„Ich war schon öfter mal Statistin“, erzählt Maya munter – trotz blutverschmierten Gesichts und verbranntem Arm. Mit Latexmilch, Klopapierfetzen und roter Farbe hatte die Vierzehnjährige experimentiert, auch Lippenstift und ein Spülschwamm mussten herhalten, um die Verletzungen möglichst echt aussehen zu lassen. Selbst „geschrien wie am Spieß“, erzählt sie. Da wurden die Feuerwehrleute schon ein wenig nervös.

Dieser Einsatz war kein Ernstfall, sondern exakt nach Drehbuch und mit Laiendarstellern durchgespielt. „Einmal jährlich führen wir eine solche Übung nach Feuerwehrdienstvorschrift 3 durch“, erklärt Sascha Lemberg von der Freiwilligen Feuerwehr Bremthal. Als Übungsleiter ist er für die Vorbereitung und den Ablauf zuständig, stellt damit sicher, dass alle Segmente, die trainiert werden sollen, auch wirklich durchgeführt werden.

Verzweifelte Mutter

Von den insgesamt fünf Stadtteilfeuerwehren Eppsteins sind auch Niederjosbach und Vockenhausen involviert, die sieben beziehungsweise zwei Kollegen samt Fahrzeugen zur Unterstützung entsenden, aus Bremthal sind schließlich 17 Feuerwehrkräfte mit dabei. Dazu steht ein kompletter Löschzug bereit – inklusive Tanklöschfahrzeug, Geräte- und Mannschaftstransportwagen sowie Drehleiterkorb, der bei zwölf Metern Ausdehnung in einer Höhe von 23 Metern löschen und retten kann.

Das Szenario: Aus dem gekippten Fenster einer Werkstatt im Gewerbegebiet qualmt es leicht, eine zufällig vorbeikommende Rettungswagenbesatzung des DRK Kelkheim trifft auf eine Frau, die gegen die verschlossene Tür tritt und aufgeregt schreit, dass ihr Kind irgendwo dort drinnen sei. Während das erste Feuerwehrfahrzeug ausrückt, soll sich der Rettungsdienst um die „eskalierenden“ Personen kümmern und zur Entlastung ein Kriseninterventionsteam der Psychosozialen Notfallversorgung alarmieren. Unklar ist noch, wie viele Kinder sich in dem Gebäude befinden.

Ein Detail, das Lemberg kurz vor Übungsbeginn selber nicht genau kennt: „Wir haben eigentlich vier Mädchen, die mitspielen wollen, aber es kann immer sein, dass eines kurzfristig Angst bekommt und abbricht.“ Immerhin sorgt die Nebelmaschine dafür, dass man in der Werkstatt kaum die Hand vor Augen sieht. Aber alle halten tapfer durch, bis sie „gerettet“ werden, und haben ihren Spaß dabei.

Die Personensuche steht immer an oberster Stelle, wie Thomas Morgenstern, Wehrführer der Feuerwehr Bremthal erklärt. „Priorität hat das Retten von Personen und Tieren, wobei da die Verhältnismäßigkeit eine Rolle spielt, denn für Kleintiere würde man keine Menschenleben riskieren.“ Um größeren Sachschaden zu vermeiden, soll schließlich zügig der Brand bekämpft werden. Aufgabe des Einsatzführers ist es daher, sich innerhalb kürzester Zeit über den sogenannten Regelkreis so viele Informationen zu verschaffen, dass er zielgerichtet agieren kann. „Er muss also abklären, wie viele Personen im Haus sind, ob Erwachsene oder Kinder und wo genau es brennt.“ Zur Ausrüstung gehört eine Wärmebildkamera, die Morgenstern stolz vorführt: „Die misst Temperaturunterschiede von 0,01 Grad, und so lassen sich Personen schneller finden.“

Wie Einbrecher

Um schnell in ein Gebäude zu gelangen, gehen Feuerwehrleute normalerweise nicht gerade zimperlich vor. „Wir können Türen und Fenster öffnen wie ,Einbrecher-Anfänger’“, lacht Lemberg.

Guido Ernst, Firmenchef von Wevo-tech, hat dann auch ein waches Auge, was die Kameraden da in seiner Halle so treiben: „Ich bin immer dafür, dass die Feuerwehr auch dort übt, wo es wirklich mal brennen kann, damit sie weiß, wo sie im Ernstfall hin muss.“ Ähnlich geht es auch Cordula Brandt, die gemeinsam mit ihrer Tochter hier „schauspielerisch“ tätig war: „Ich sollte ja eine hysterische Mutter spielen, die unbedingt in das Gebäude rein will, um ihr Kind zu suchen. Rettungsdienst und die Notfallseelsorger haben mir eindringlich klar gemacht, dass ich Ruhe bewahren muss oder sonst vom Gelände ,entfernt‘ werden würde.“

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