Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 8°C

Thielsch-Prozess: „Plötzlich war sie verschwunden“

Von Für die Angehörigen war der gestrige Tag im Prozess um den Tod von Silke Thielsch, die vor zwei Jahren von einem Mercedes-Fahrer angefahren und mitgeschleift wurde, besonders schwer zu ertragen. Die Zeugen schilderten detailliert den Unfallhergang.
Das Medien-Interesse im Prozess um den Tod von Silke Thielsch ist immens. Der Angeklagte versteckt sein Gesicht hinter einer Akte. Foto: Maik Reuß Das Medien-Interesse im Prozess um den Tod von Silke Thielsch ist immens. Der Angeklagte versteckt sein Gesicht hinter einer Akte.
Kriftel/Frankfurt. 

Irgendetwas kommt der 40-Jährigen seltsam vor, als sie von Hattersheim kommend in der Nacht vom 5. auf den 6. September 2015 den silbernen Mercedes vor der Krifteler Unterführung im Rückspiegel sieht. „Ich sah, dass dort noch etwas lag“, beschreibt sie die gespenstische Szenerie im Dunkeln. Instinktiv habe sie gewendet und erlebt, was man nicht so schnell vergisst: die zuckenden Beine der verunglückten Silke Thielsch, die unter dem Radlager des Wagens hervorragen.

Zwei Termine ausgefallen

Wie sich der Unfall zugetragen hat und wie viel Schuld der Fahrer trägt, der sie meterweit mitgeschleift hat und wegen Totschlags angeklagt ist, soll das laufende Verfahren am Frankfurter Landgericht klären. Zwei Termine waren ausgefallen, weil sich der Angeklagte einer Therapie unterziehen musste. Dass er mit Attesten den Prozess in die Länge ziehen könnte, hat sich allerdings nicht bestätigt. Recht blass und eigentlich noch krankgeschrieben sitzt der 27-Jährige zwischen seinen beiden Anwälten. „Wir hatten ihm eigentlich geraten, sich noch eine Woche zu schonen“, sagen die. Aber es sei sein ausdrücklicher Wunsch, dem Nebenkläger durch eine zu große Pause eine erneute Aussage zu ersparen. Zu seiner Erkrankung habe auch psychischer Stress geführt. Man bitte bei dieser Gelegenheit, von Vorverurteilung und verbalen Attacken mit Tönen wie „Häng dich doch auf“ am Rande des Prozesses Abstand zu nehmen. Damit wolle man natürlich nicht das Leid der Trauernden in Frage stellen.

Die 40-Jährige im Zeugenstand beschreibt ihn nach der Todesfahrt als panisch. „Ich habe eine Frau unter meinem Auto, ich weiß nicht, wo ich bin“, habe er ins Telefon des Notrufs gerufen und dann nur noch „Oh Gott, oh Gott!“ Als Ortskundige habe sie dann das Telefonat übernommen und erklärt, wo man sei. Für Angehörige und Freunde ist es nicht einfach den Schilderungen zuzuhören, denn ganz genau soll die Zeugin beschreiben, in welcher Lage sie sich an die eingeklemmte Frau erinnert. Wichtige Informationen für den Sachverständigen.

Das Entsetzen kurze Zeit vor dieser Szene beschreiben neun Zeugen, die sich auf dem Rückweg vom Hoffest am Kreisel aufgehalten hatten, den der Angeklagte passiert hatte, nachdem er das küssende Paar angefahren hatte. Als sie den Mercedes mit der Frau auf dem Kühler herannahen sah, habe sie erst noch an einen Scherz geglaubt, erzählt eine Zeugin. „Wie eine Gallionsfigur saß sie da, die Hände nach hinten.“ „Was machen die bloß für einen Scheiß!“, habe sie noch zu ihrer Freundin gesagt. Erst dann habe sie die Schreie von Silke Thielsch hörte, die sich mühsam am Wagen festklammert.

An Unfug denken auch die meisten anderen. Einige sehen, wie sie wegrutscht, übereinstimmend schildern sie den Schock, dass die Frau plötzlich einfach weg gewesen sei. „Eben saß sie noch da, dann war sie verschwunden!“ Überall habe man gesucht. Eine Zeugin will noch die Beine unter dem Auto gesehen haben, eine anderer wie die Räder des Wagens sie überrollten. Einige erinnern sich an schlimme Geräusche und die wippende Bewegung des Autos. Immer wieder fragt der Richter nach der Geschwindigkeit. Beim Reinfahren in den Kreisel mit der Frau auf der Motorhaube sei es noch langsam gewesen, so der Tenor der Aussagen. Nach ihrem Abrutschen sei er schneller gefahren. „Als ich hörte, dass er beschleunigte, bin ich so schnell ich konnte hinterhergelaufen“, erzählt ein Zeuge. Kurz vor der Unterführung sieht auch er den Wagen mit den herausragenden Beinen der eingeklemmten 41-Jährigen. „Der Fahrer steht da hinten“, habe ihm jemand gesagt. Dann sei schon ein Mann herbeigelaufen mit dem verzweifelten Ruf: „Wo ist meine Frau?“

Heute sollen ab 9.30 Uhr weitere Zeugen zu Wort kommen, am Donnerstag die Gutachter.

Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse