E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 17°C

Polizei schnappt mutmaßlichen Schleuser

Der beschuldigte Mann ist Mitarbeiter des Frankfurter Flughafens. Das gibt dem Fall eine gewisse Brisanz.
Keine Seltenheit: Fluggäste kommen gerade aus der Maschine, die Bundespolizei kontrolliert.	Symbolfoto: dpa Keine Seltenheit: Fluggäste kommen gerade aus der Maschine, die Bundespolizei kontrolliert. Symbolfoto: dpa
Frankfurt/Hattersheim. 

Er sah sie, und sie sah ihn. Es fehlten nur noch ein paar Schritte, und ihr Plan hätte funktioniert. Wenn nicht die plötzliche Passkontrolle direkt nach dem Verlassen der Fluggastbrücke gewesen wäre. Die beiden hatten die Rechnung ohne die Bundespolizei gemacht. Jetzt droht der Mann aus Hattersheim, der die 27-jährige Somalierin nach Deutschland eingeschleust haben soll, nicht nur seinen Job am Flughafen zu verlieren. Es ist auch davon auszugehen, dass die ermittelnde Staatsanwaltschaft Frankfurt einen Strafbefehl stellt.

Das untere Strafmaß für den mutmaßlichen Schleuser sind eine saftige Geldstrafe und/oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Die Afrikanerin befindet sich weiterhin auf deutschem Boden. Sie stellte einen Asylantrag, der noch bearbeitet wird.

Für die Bundespolizei hat sich der Verdacht erhärtet, dass es sich bei dem Hattersheimer, ein junger Erwachsener, und dessen somalischer Ehefrau um einen Fall von Schleusungskriminalität handelt. Am Mittwoch durchsuchte sie die Wohnung der Eheleute und den Spind des Flughafen-Mitarbeiters. Die Beamten beschlagnahmten umfangreiches Beweismaterial und nahmen Fingerabdrücke des beschuldigten Ehepaars. Seitdem verdächtigen die Ermittler die Eheleute, die 27-jährige Somalierin nach Deutschland eingeschleust zu haben. Sie sollen ihr dafür den somalischen Reisepass der Ehefrau mit deutscher Aufenthaltserlaubnis überlassen haben, um aus Dubai nach Frankfurt eineisen zu können. Für die mutmaßliche Schleusung soll die 27-Jährige im gegenzug ein Grundstück im Wert von 12 000 bis 13 000 US-Dollar übereignet haben.

Wie Christian Altenhofen von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit der Bundespolizeidirektion am Flughafen dem Kreisblatt sagt, habe es sich um eine normale Kontrolle im Sicherheitsbereich des Airports gehandelt. Den Beamten sei der Mann in Arbeitskleidung gleich spanisch vorgekommen, da er per Zeichensprache versucht habe, zu der gerade aus dem Flieger kommenden Afrikanerin Kontakt aufzunehmen. Die Polizei stellte dann fest, dass auf dem Foto ihres Passes nicht die Flugreisende abgebildet ist. Daraufhin wollte der Hattersheimer schnell verschwinden, wurde von den Bundespolizisten aber aufgehalten.

Was dem Fall eine gewisse Brisanz gebe, sei die Tatsache, dass es sich bei dem mutmaßlichen Schleuser um einen Mitarbeiter des Flughafens handele, sagt Altenhofen. Üblicherweise betreut der Mann Besuchergruppen am Airport. Er habe sich für den Tag, an dem der Flieger aus Dubai ankam, krank gemeldet, sich jedoch seine Arbeitskleidung angezogen und in den Sicherheitsbereich begeben. Die Zutrittserlaubnis bekam er inzwischen von der Polizei entzogen. Wie sein Arbeitgeber reagiert hat, ist nicht bekannt.

848 geschleuste Personen

Dass Schleuser zum Flughafen-Personal gehörten, sei die absolute Ausnahme, erzählt Altenhofen. In der aktuellsten Statistik (aus dem Jahr 2010) sind 848 geschleuste Personen vermerkt und insgesamt 28 Fälle von Schleusungen. Insgesamt gab es 2010 am Flughafen rund 18 500 Straftaten. "Die Zahl der Schleusungen hat sich erheblich verringert", sagt Altenhofen. Der Grund dafür sei die sogenannte Vorverlagerungsstrategie. Die Bundespolizei arbeitet mit Verbindungsbeamten im Ausland zusammen, die Fluggesellschaften in Sachen Einreisedokumente beraten. So checken die Airlines vor dem Abflug Visa und Pässe, so dass viele Opfer von Schleusern erst gar nicht die Reise antreten. Das ist im Interesse der Fluggesellschaften. Die müssten den Rückflug nämlich organisieren. rem

Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen