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Bürgerinitiative: Protest gegen die steigenden Belastungen durch den Flughafen

Von Nach sieben Jahren sind die Demonstrationen am Flughafen zwar nicht mehr so gut besucht wie anfangs. Doch angesichts von außerplanmäßigen Landungen nach 23 Uhr und Wirbelschleppen, die Ziegel vom Dach fegen, will die Bürgerinitiative die Menschen zum Weiterkämpfen motivieren,
Fast ein Alltagsbild in Flörsheim: Dachdecker klammern Dächer. So soll verhindert werden, dass Wirbelschleppen Ziegel von den Dächern reißen. Doch erst kürzlich zeigte sich, dass diese Konzept nicht immer aufgeht. Unser Archiv-Bild ist 2013 entstanden. Foto: Hans Nietner (Hans Nietner) Fast ein Alltagsbild in Flörsheim: Dachdecker klammern Dächer. So soll verhindert werden, dass Wirbelschleppen Ziegel von den Dächern reißen. Doch erst kürzlich zeigte sich, dass diese Konzept nicht immer aufgeht. Unser Archiv-Bild ist 2013 entstanden.
Flörsheim. 

„Wir müssen wieder was tun“, stellt Yvonne Hoffmann mit ernster Miene fest. Die Flörsheimerin hat sich in den vergangenen Jahren etwas vom Protest gegen den Flughafenausbau zurückgezogen. Zuletzt sei sie nicht mehr bei den Demos am Flughafen gewesen, sagt die Mitstreiterin der Bürgerinitiative gegen den Fluglärm (BI). Jetzt ist die Flörsheimerin allerdings wieder kampflustiger. Yvonne Hoffmann ärgert sich über die steigenden Belastungen durch den Flughafen: Viele Überflüge bei Ostwetterlage, außerplanmäßige Landungen nach 23 Uhr und eine Wirbelschleppe, die Ziegel von einem geklammerten Dach riss. „Gerade überspannen sie den Bogen“, findet auch BI-Aktivistin Cäcilia Steube.

Unterstützer der BI trafen sich in dieser Woche zu einer Gesprächsrunde, an der auch Janine Wissler, Fraktionsvorsitzende der Linken im Hessischen Landtag, teilnahm (siehe Extra). In kleiner Runde beratschlagten die Flörsheimer Fluglärmgegner und machten ihrem Ärger Luft. Angesichts des jüngsten Wirbelschleppenvorfalls in der Rheinallee sprach Yvonne Hoffmann von Lebensgefahr. Die Ziegel, die sich trotz bestehender Dachsicherung lösten, verfehlten nur knapp eine Frau im Nachbargarten.

Schreckmomente

Yvonne Hoffmann kennt solche Schreckmomente nur zu gut: Im Mai 2015 beschädigte eine Wirbelschleppe das Dach ihres Hauses in der Austraße 8. Ihr Freund, der sich kurz zuvor im Garten aufhielt, habe Glück gehabt, dass er nicht getroffen wurde. Nach dem Vorfall ließ Yvonne Hoffmann ihr Dach sichern. „Ich habe mich genötigt gefühlt, das zu machen“, so die Flörsheimerin. Erst danach habe sie sich wieder entspannt gefühlt. Dadurch, dass nun sogar Ziegel von einem geklammerten Dach flogen, kommen alle Sorgen erneut hoch. Jetzt sitze sie wieder mit gemischten Gefühlen im Garten.

Julia Wolf (links) von der BI Flörsheim-Hochheim hört zu, wie sich die Landtagsabgeordnete Janine Wissler zur Wirbelschleppen-Problematik äußert.
Linken-Fraktionschefin rät: Weiter Druck aufbauen

„Man denkt, es ist ein Zug“, beschreibt Janine Wissler das bedrohliche Rauschen einer Wirbelschleppe. Die Fraktionschefin der Linken im Landtag war schon häufiger in Flörsheim zu Gast und hat Luftwirbel,

clearing

Man solle sich mal vorstellen, was passiert, wenn Ziegel vom eigenen Dach ein Kind auf der Straße treffen, ergänzt Cäcilia Steube: Sandra Olivari ist empört. Wenn Fraport von fehlerhaften Dachsicherungen wisse, sei es fahrlässig, den Bewohnern nichts mitzuteilen. Die Köpfe der BI wollen Gewissheit: Sie fordern alle Flörsheimer mit geklammerten Dächern auf, bei Fraport eine Bestätigung einzuholen, dass ihre Ziegel korrekt gesichert wurden.

Späte Landungen

Ein weiteres Thema der BI-Runde waren die zunehmenden Landungen nach 23 Uhr, die das Nachtflugverbot aushöhlen. „Ich beklage mich jede Nacht“, erzählt Cäcilia Steube. Yvonne Hoffmann bezeichnet die späten Landungen als Katastrophe. „Man hört es jetzt erst recht, weil die Fenster nachts offen sind“, erklärt die Flörsheimerin.

Die BI ruft die Menschen zum weiterkämpfen auf. Mitstreiterin Carola Gottas räumt ein, dass die Demos nach fast sieben Jahren nicht mehr so gut besucht seien wie am Anfang. Es gebe aber immer wieder Zuwachs von Fluglärmgegnern im Internet. Viele Aktivisten der ersten Stunde seien alt geworden, sagt Cäcilia Steube, die mit ihrem Mann Heinrich noch immer regelmäßig am Flughafen demonstriert. Das Paar erinnert sich an die erste Demo am Flörsheimer Mammutbaum in der Werner-von-Siemens-Straße. Seither fahren sie montags an den Flughafen. „Es ist eine Gemeinschaft und Freundschaft entstanden“, erklärt Heinrich Steube. Seine Frau treibt die Hoffnung an, doch noch gehört zu werden. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, betont Cäcilia Steube. Auch Yvonne Hoffmann will am Montag zur 250. Demo an den Flughafen zurückkehren.

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