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Römische Geschichte zum Anfassen

Von Ziegelscherben, die 2012 bei Ausgrabungen in Nied gefunden wurden, zieren jetzt eine Sitzgruppe im Hof des Heimatmuseums in der Beunestraße. Der Entwurf ist von Spomenka Aleckovic, gestern wurde das Kunstwerk eingeweiht.
Die Künstlerin Spomenka Aleckovic hat den Entwurf für die Sitzgruppe angefertigt. Die verarbeiteten Ziegel sind Bruch, der bei der Ausgrabung 2012 in der Holzlachstraße gefunden worden war. Bilder > Foto: Maik Reuß Die Künstlerin Spomenka Aleckovic hat den Entwurf für die Sitzgruppe angefertigt. Die verarbeiteten Ziegel sind Bruch, der bei der Ausgrabung 2012 in der Holzlachstraße gefunden worden war.
Nied. 

Die Römer haben in Nied ihre Spuren hinterlassen: „In der Zeit zwischen 60 und 260 nach Christus gab es hier eine große römische Ziegelei“, erklärt Wolfgang Lampe, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Nied. Die 14. und 22. römische Legion sei hier einst vor Ort gewesen. „Die Ziegel, die in Nied gebrannt wurden, verwendete die Römer für Bauwerke des Militärs“, weiß Lampe.

Ausgrabungsfunde

Bei einer Ausgrabung vor gut drei Jahren auf dem Gelände Holzlachstraße 12 fand man Überreste einer römischen Ziegelei, darunter noch gut erhaltene Ziegel, aber auch Scherbenbruch. Während die gut erhaltenen Exemplare ans Archäologische Museum gingen, interessierte sich der Heimat- und Geschichtsverein für den Scherbenbruch und stellte einen Antrag beim Denkmalamt. Doch was macht man mit rund 2000 Jahre alten römischen Ziegelscherben?

Für alle Nieder Bürger

Die Verantwortlichen des Heimat- und Geschichtsvereins Nied hatten eine zündende Idee. „Wir haben einen Teil der Ziegelscherben zu einer Sitzgruppe nach einem Entwurf der Künstlerin Spomenka Aleckovic verarbeiten lassen“, sagt der Vereinsvorsitzende. Gestern wurde die Sitzgruppe, die im Innenhof des Heimatmuseums in der Beunestraße 9 aufgestellt wurde, offiziell eingeweiht.

Die Sitzgruppe umfasst zwei Bänke, die aus den römischen Bruchziegeln und sibirischem Lärchenholz gefertigt wurden, sowie aus einem Tisch. „Wir haben einen Wettbewerb ausgeschrieben, sechs Künstler haben sich daran beteiligt und ihre Entwürfe eingereicht“, sagt Lampe. „Der Entwurf von Spomenka Aleckovic hat uns am besten gefallen. Er ist praktisch, und man kann die Sitzgruppe zum Entspannen, Unterhalten oder auch zum Hausaufgaben machen nutzen“, begründet der Vereinsvorsitzende die Entscheidung.

Die Sitzgruppe soll künftig nicht nur Bewohnern des Vorderhauses und Besuchern des Heimatmuseums, sondern allen Nieder Bürgern zu Verfügung stehen. Dass der Entwurf von Aleckovic, die auch den Verein Westkunst Nied leitet, überhaupt realisiert werden konnte, ist der Unterstützung des Ortsbeirats 6 (Frankfurter Westen) zu verdanken. „Er hat die Kosten von 3 500 Euro finanziert“, sagt Lampe.

Auf einer Stele, für die ebenfalls römische Ziegelscherben verarbeitet wurde, ist ein Informationsblatt aufgebracht, das über die römische Ziegelei in Nied informiert. Finanziert wurde die Stele, die rund 750 Euro gekostet hat, über die diesjährige Spendenrunde von Infraserv.

„Neben rund vier bis fünf Tonnen Ziegelbruch wurden bei dem Ausgrabungen 1200 gut erhaltene, gestempelte Ziegel gefunden, die jetzt im Archäologischen Museum sind“, erzählt Rolf Skrypzak, Grabungstechniker beim Denkmalamt Frankfurt. Diese Exemplare seien bereits fotografiert und archiviert. Nun müsse festgehalten werden, in welchem Zustand sich jede hiervon befinde. Die Befundaufnahme werde noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

„Wir wussten schon seit langer Zeit, dass auf dem Gelände mal ein Teil einer römischen Ziegelei existierte“, sagt Skrypzak. Nachdem dieses neu bebaut werden sollte, sei es schließlich möglich gewesen, Ausgrabungen vorzunehmen. „Die Idee des Heimat- und Geschichtsvereins, einen Teil dieses Bruches, der ansonsten keine Verwendung findet, zu einer Sitzgruppe zu verarbeiten, finde ich sehr gut“, sagt Skrypzak.

Passend zur Einweihung der Sitzgruppe gibt es einen römischen Snack. Brigitte Vollert vom Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins hat einen besonderen Käse-Kräuter-Aufstrich zubereitet, nach einem Rezept, das sie einem alten Gedicht entnommen hat. „Es soll von Vergil verfasst worden sein, zumindest aus dessen Umkreis stammen“, erzählt sie. Geschrieben worden sei es etwa um Christi Geburt. „Es beschreibt den Tagesbeginn des Bauern Simulus und seiner Magd Cybale“, schildert Vollert. Der Bauer bereite hierin einen Brotaufstrich zum Frühstück zu mit Kräutern aus seinem Garten. „Da man früher keinen Käse aus Kuhmilch produzierte, muss es sich um Schafskäse oder Ziegenkäse mit Kräutern wie Knoblauch und Koriander handeln“, so Vollert. Den Geschmack der Gäste, die zur Einweihung gekommen sind, trifft sie mit ihrem Römer-Snack jedenfalls.

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