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Schleichweg statt Hauptstraße?

Von Auf 6,5 Kilometer vielbefahrener Hauptstraßen wird in einem Modellversuch von 22 bis 6 Uhr Tempo 30 verordnet. Ziel ist es, die Lärmbelastung der Anwohner zu halbieren. Das Projekt kostet rund 280 000 Euro.
Gehört zum Tempo-30-Testgebiet: Die Eschersheimer Landstraße.	Fotos (5): Bernd Kammerer Bilder > Gehört zum Tempo-30-Testgebiet: Die Eschersheimer Landstraße. Fotos (5): Bernd Kammerer
Frankfurt. 

In so viele Mikrofone müssenUmweltdezernentin Manuela Rottmann und Verkehrsdezernent Stefan Majer (beide Grüne) selten sprechen. Majer freute sich gestern sichtlich über das "breite Interesse", als er das jüngste Projekt der schwarz-grünen Koalition im Römer vorstellte. Auf der Nibelungenallee, der Höhenstraße, der Eschersheimer Landstraße, der Lange Straße sowie dem Mainkai/Untermainkai wird Tempo 30 zur Lärmreduzierung getestet. Bereits am 11. Juni geht‘s los. Dann wird zwei Wochen lang bis 24. Juni die Ausgangslage gemessen. Nach den Sommerferien, von 20. August bis 2. September,. überwacht die Stadtpolizei mit zwei Radarfahrzeugen die Einhaltung von Tempo 30 auf den fünf Streckenabschnitten. Von 3. bis 30. September wird dann dort der Schleichverkehr Einzug halten. Zunächst noch ohne Kontrollen. Von 1. bis 14. Oktober wird es ernst, dann schnappen auch die Radarfallen zu.

Bei 61 km/h ist der Lappen weg

Für Verkehrssünder kann das empfindliche Strafen zur Folge haben. Laut aktuellem Bußgeldkatalog werden ab einer Überschreitung von 31 Kilometern pro Stunde 160 Euro fällig, drei Punkte in der Verkehrssünderkartei in Flensburg und ein Monat Fahrverbot. Sprich: Wer mit mehr als 61 km/h nachts auf der vierspurigen Nibelungen-Allee geblitzt wird, ist den Führerschein los. "Mein politisches Ziel ist der Lärmschutz", erklärte Verkehrsdezernent Majer. Der Versuch soll nun klären, ob ein nächtliches Tempolimit vom 30 km/h den Anwohnern eine Entlastung bringt. "Der Versuch macht klug", betonte Gesundheitsdezernentin Rottmann. Angestrebt wird eine Lärmreduzierung von drei Dezibel, das bedeutet eine Halbierung der Geräuschkulisse.

Im Lärmaktionsplan, den das Regierungspräsidium in Darmstadt mit der Stadt Frankfurt erstellt hat, wurde bereits ein Straßennetz ausgewiesen, das für eine Temporeduzierung auf 30 km/h in Frage kommt. Voraussetzung dafür ist, dass in einem Wohngebiet nachts ein Lärmpegel von 60 Dezibel überschritten wird und keine anderen Maßnahmen zur Lärmminderung möglich sind. Die Temporeduzierungen auf den Hauptverkehrsachen von 30 km/h in der Nacht muss das Regierungspräsidium anordnen.

Nachts seien fast 69 000 Frankfurter einem Lärmpegel von über 55 Dezibel ausgesetzt, sagte Rottmann. Mehr als 25 Prozent der Frankfurter könnten nachts nicht bei offenem Fenster schlafen. Alle Experten seien sich einig, dass die Störung der Nachtruhe erhebliche Gesundheitsprobleme verursache.

In dem Versuch, der auf eine Vereinbarung des Koalitionsvertrages zwischen CDU und Grünen zurückgeht, werden die Verkehrsmengen und gefahrenen Geschwindigkeiten als sowie der Lärm gemessen. Die ausgewählten Abschnitte berücksichtigen die unterschiedlichen Typen städtischer Straßenräume. Die Höhenstraße beispielsweise hat einen Schluchtcharakter. An der Lange Straße liegen ein Krankenhaus und ein Altenheim.

Darmstadt ist schon weiter

Nach dem Testlauf werden die Anwohner und die Verkehrsteilnehmer befragt, um die Ergebnisse mit den Erfahrungen Bürger zu vergleichen. Verkehrsdezernent Majer ist sich schon jetzt sicher: "Es wird kein Schwarz-Weiß-Ergebnis sein."

Andere Städte experimentieren bereits mit der Tempoverringerung; beispielsweise Berlin, Wiesbaden und Darmstadt. In Darmstadt ist das Pilotprojekt "Tempo 30 nachts in der Heinrichstraße" am 1. März 2011 in seine zweite Phase eingetreten: Seitdem ist auf der Heinrichstraße zwischen Breslauer Platz und Heidelberger Straße zwischen 22 Uhr abends bis 6 Uhr am Morgen für alle Verkehrsteilnehmer verbindlich Tempo 30 festgesetzt. Zu Beginn der zweiten Phase lagen Bauarbeiten: Damit die beidseitigen Baumreihen mehr Platz bekommen, wurde die Fahrbahn um einen Meter insgesamt verengt. Danach wurde ein Flüsterasphalt aufgetragen. Das Projekt wird von der Hochschule Darmstadt wissenschaftlich begleitet.tre

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