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Schnuppern, finden, bellen

Von Für Einsätze in Katastrophengebieten müssen Rettungsteams geschult und geprüft werden. Elf Hunde und 22 Hundeführer aus Deutschland und Frankreich haben sich der anspruchsvollen Prüfung "Trümmer 3" unter nachgestellten Katastrophenbedingungen unterzogen.
Lebensrettende Seilschaft: Jérôme Larda und sein Schäferhund Carlife. Die Drehleiter ersetzt den Hubschrauber. Foto: Nietner Lebensrettende Seilschaft: Jérôme Larda und sein Schäferhund Carlife. Die Drehleiter ersetzt den Hubschrauber. Foto: Nietner
Bad Soden. 

Ruhig hängt Carlife am Seil und blickt aus 15 Metern Höhe in die Tiefe. Der Belgische Schäferhund wirkt vollkommen gelassen, ebenso der gleichfalls am Seil hängende Feuerwehrmann Jérôme Larda von der Berufsfeuerwehr Paris. Es ist zwar kein Hubschrauber, sondern nur die Drehleiter der Feuerwehr, an der Hund und Herrchen hängen, und es ist auch kein Einsatz im Katastrophengebiet, sondern "nur" eine aufwendige Prüfung, doch die Bedingungen für einen Rettungseinsatz aus luftiger Höhe sind vergleichbar.

"Das Vertrauensverhältnis zwischen Hund und Mensch ist entscheidend", erklärt der Bad Sodener Stadtbrandinspektor Nick-Oliver Kromer. Wenn der Mensch ruhig ist, bleibt auch der Hund gelassen – so wie Carlife. Er macht seine Sache gut – lässt sich unaufgeregt abseilen, bis Tier und Mensch wieder festen Boden unter den Füßen haben. Ruhig bleibt Carlife stehen, während ihm Jérôme Larda das Geschirr abnimmt. Dann schickt der französische Feuerwehrmann seinen Rettungshund los.

Auf dem Gelände der Feuerwache in der Hunsrückstraße muss der Vierbeiner jetzt eine verschüttete Person aufspüren. Der Schäferhund trabt schwanzwedelnd los und es dauert nur wenige Sekunden, bis er vor einer Holzkiste stehenbleibt. Er schnuppert, bellt laut – und hat seine Aufgabe vorbildlich gemeistert. Hundeführer Larda lobt seinen vierbeinigen Helfer und belohnt ihn mit einer Spielzeugwurst.

Etwas abseits steht Marc Böllinger vom Prüfungskomitee der Feuerwehr Bad Soden. Zufrieden beobachtet er den Einsatz des französischen Teams und notiert für Carlife und Hundeführer Larda ein gutes Ergebnis. "Die Hunde dürfen trotz der ungewöhnlichen Situation in der Luft keinen Stress zeigen und müssen ihrer Aufgabe nachkommen", erklärt Böllinger. In diesem Falle lautete die Aufgabe: Nach einer nachgestellten Abseilaktion vom Hubschrauber müssen die Hunde im gedachten Katastrophengebiet verschüttete Personen aufspüren.

Zelt statt Zimmer

Fünf Teams aus Deutschland und weitere drei Teams der Pariser Berufsfeuerwehr haben sich in Bad Soden der sogenannten Rettungshundeprüfung "Trümmer 3" unterzogen. Mehr als 36 Stunden lang galt es inszenierte Stresssituationen – Einsätze wie nach einem Flugzeugabsturz oder einem Erdbeben – zu bewältigen und sich so für den Katastropheneinsatz zu qualifizieren. Und da die Bedingungen so realistisch wie möglich sein sollen, mussten die Prüfungsteams während ihres Aufenthalts auf eine komfortable Unterbringung verzichten und statt dessen bei herbstlichen Temperaturen ihre Zelte in einem Basislager aufschlagen.

Flugzeugabsturz

"Natürlich würden wir auch gerne eine bequeme Unterbringung in Bad Soden anbieten", erklärt Kromer. Doch zu einer realistischen Katastrophenübung gehört die Selbstverpflegung in Notunterkünften ebenso dazu wie ein nächtlicher Einsatz im schwierigen Trümmergelände. Nur so können die Prüfer die physische und psychische Belastbarkeit der Teams ermitteln.

Die Prüfungssituation: Über Bad Soden ist ein Flugzeug abgestürzt. Die Einheiten beziehen am ersten Tag ihr Basislager – auf dem Gelände des städtischen Bauhofs. Auf einem Trümmergelände in Wiesbaden (Fort Biehler) müssen sie am nächsten Morgen verschüttete Personen suchen. Zurück in Bad Soden, stellt die Feuerwehr eine Abseilaktion mit Mensch und Hund vom Hubschrauber nach.

Nicht jedes Tier meistert seine Aufgabe so souverän wie Schäferhund Carlife. Buddy etwa, ein sechsjähriger Australian Shepherd, lässt sich zwar ohne Anzeichen von Stress abseilen, doch beim Aufspüren der Person ist der Hund abgelenkt. Statt zur Kiste rennt Buddy freudig auf zuschauende Kinder zu. Schließlich aber findet er die richtige Person, bellt etwas zu verhalten und bekommt von Prüfer Böllinger ein "Befriedigend" in den Prüfungsbogen eingetragen.

Kaum Zeit zum Ausruhen bleibt den Prüflingen, am Abend steht noch ein Orientierungslauf in Eschborn an. "Sie bekommen einen Kompass, eine Karte und haben ihr GPS", so Kromer. Sieben Kilometer misst die Strecke, wenn sie ohne Umwege gemeistert wird. "Wir hatten in der Vergangenheit auch Teams, die waren 20 Kilometer unterwegs, bis sie am Einsatzort angekommen waren", sagt Kromer mit einem Lächeln.

Beste Bedingungen

Für die Feuerwehr Bad Soden war es die fünfte Rettungshundeprüfung, die die Kameraden ausgerichtet haben. Rund 30 Kräfte waren im Einsatz, um die Organisation für die Prüfung für elf Hunde und 22 Hundeführer abzuwickeln. Aus Aschheim (Bayern), Iserlohn und Hamm (beide Nordrhein-Westfalen) sowie aus Paris waren die Einheiten angereist.

Warum ausgerechnet nach Bad Soden? "Es gibt nicht viele Areale, die sich für diese Übungen eignen", erklärt Stadtbrandinspektor Kromer. Mit den Suchgebieten im Fort Biehler in Wiesbaden, dem ehemaligen Militärflughafen in Eschborn und mit der vor zwei Jahren gegründeten Rettungshundeeinheit in Bad Soden stehen den zwei- und vierbeinigen Rettern gute Übungsbedingungen zur Verfügung.

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