So laut ist es im Westen

Ein Mikrofon und ein bisschen Elektronik, die den gemessenen Schallpegel umrechnet und die Werte auf dem Display anzeigt – viel mehr ist das Schallpegelmessgerät nicht, das Wolfgang Stillger sich ausgeliehen hat.
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Frankfurter Westen. 

Ein Mikrofon und ein bisschen Elektronik, die den gemessenen Schallpegel umrechnet und die Werte auf dem Display anzeigt – viel mehr ist das Schallpegelmessgerät nicht, das Wolfgang Stillger sich ausgeliehen hat. Und doch zeigt es mehr, als nur bloße Zahlen. "Ich wollte einfach mal sehen, wie hoch die Lärmwerte wirklich sind, die hier von den Menschen empfunden werden", sagt Stillger. Gerichtlich verwertbar seien die Daten wohl nicht. "Aber es geht ja auch nur darum, mal auf dem Display ablesen zu können, worüber man spricht", sagt Stillger.

An vier Stellen packt der Unterliederbacher das Messgerät aus. Die erste ist fast vor seiner Haustür an der Königsteiner Straße. Die zweite liegt direkt neben dem neu entstehenden Wohngebiet "Parkstadt" an der Hunsrückstraße in Unterliederbach. Hier zeigen Lärmkarten hohe Werte an. Klagen von Anwohnern hört man auch immer wieder aus der Bolongarostraße und aus der Emmerich-Josef-Straße in Höchst. Das kleine Stück Straße zwischen der Kasino- und Zuckschwerdtstraße gilt als eine der lautesten Ecken im Frankfurter Westen.

An Messpunkt eins

Messpunkt eins, die Königsteiner Straße von Unterliederbach nach Höchst ist eine der meistbefahrenen Hauptverkehrsadern des Frankfurter Westens. Die Autobahn samt dazugehöriger Abfahrt liegt gleich um die Ecke, seit Ende Februar haben 2,5 Millionen Fahrzeuge die Königsteiner Straße befahren.

Der Anwohner zückt das Messgerät. Ist die nahe Ampel rot und kein Auto bewegt sich, zeigt das Display rund 65 bis 70 Dezibel an – das ist vergleichbar mit einem Staubsauger in einem Meter Entfernung. Springt die Ampel um und die Autos fahren an, steigt der Wert auf 75 bis 80 Dezibel an. Und wenn ein Motorradfahrer vorbei kommt, geht der Wert sogar kurzzeitig auf 96 Dezibel hoch. In einer Disco herrscht ganz nah am Lautsprecher auch nicht viel mehr Lärm.

Werte, die Wolfgang Stillger bestätigen. "Man kann natürlich als Anwohner schlecht bestimmen, wo der Lärm herkommt, welche Anteile von der ungeschützten Autobahnabfahrt und der Autobahn, und welche von der Königsteiner Straße stammen", sagt Stillger. Für die Anwohner sei dies aber auch zweitrangig. "Diese Frage spielt für die Behörden und deren Berechnungen eine Rolle. Als Anwohner nimmt man ja nur den Lärm wahr, egal von wo er kommt", sagt Stillger, ehe er das Schallpegelmessgerät verstaut und der nächste Messpunkt am Neubaugebiet Parkstadt an der Hunsrückstraße angefahren wird.

Angekommen wird schon ohne Messung deutlich: Hier ist es deutlich leiser. "Laut Lärmkarte sollte es hier eigentlich lauter sein", meint Stillger. Fährt grade kein Auto, zeigt das Messgerät 55 Dezibel an. Bei einzelnen Fahrzeugen klettert der Wert schnell auf 70 Dezibel, Motorräder sind rund zehn Dezibel lauter als Autos. Die Käufer der Reihenhäuser, die derzeit in der Parkstadt entstehen, können sich also so wie es aussieht auf ein recht ruhiges Wohnumfeld freuen.

Davon träumen die Nachbarn an der Bolongarostraße in der Höchster Altstadt auch. Fährt kein Auto, ist es mit 45 Dezibel auch wirklich leise in der eng bebauten Straße, in der Tempo 30 gilt. Halten sich die Autofahrer dran und fahren langsam, zeigt das Display des Messgeräts rund 65 Dezibel. Einzelne, schnellere Autos lassen die Werte aber auch bis auf 70 Dezibel ansteigen. Busse und Laster belasten die Nachbarn mit rund 72 Dezibel.

Raser sind deutlich lauter

Und wie sieht es in der Emmerich-Josef-Straße zwischen Zuckschwerdt- und Kasinostraße aus? Das kleine Straßenstück ist eng, der Schall wird von den Hauswänden zurückgeworfen, hier dröhnt jedes Auto gleich noch ein bisschen stärker, trotz Tempo 30. Ohne Autoverkehr misst das Mikrofon 52 Dezibel, bei ruhig fließendem Verkehr kommt es auf 68 Dezibel. Einzelne Autos, die schneller fahren, treiben die Werte auf bis zu 73 Dezibel. "Ich wusste, dass die Geschwindigkeit viel ausmacht, aber das der Unterschied so groß ist, hätte ich auch nicht erwartet. Sobald ein schnelleres Auto kommt, geht die Anzeige nach oben", sagt Stillger. Nach einer Studie aus Jena kann der Unterschied zwischen Tempo 30 und Tempo 50 bis zu zehn Dezibel ausmachen. "Das habe ich gelesen und war mir da selbst etwas unsicher. Aber die Messungen zeigen ja klar, dass der Unterschied größer ist, als ich es gedacht hätte", sagt Stillger.

Umso drängender erscheint für ihn die Frage, was mit dem angekündigten Verkehrsversuch vor seiner Haustür ist. Auf der Königsteiner Straße soll ausprobiert werden, wie sich Tempo 30 auf die Lärmwerte auswirkt. Der entsprechende Versuch hätte bereits vor Wochen beginnen sollen. "Wir haben bislang keine verwertbaren Daten von der Stadt Frankfurt bekommen", sagt dazu Manfred Pühler vom Regierungspräsidium Darmstadt (RP), das den Versuch genehmigen muss. Die entsprechenden Lärmberechnungen lägen im RP noch immer nicht vor. Heiko Kleinsteuber vom Verkehrsdezernat kann das aufklären: "Wir haben die Daten nach Darmstadt geschickt, aber das RP hat sich eine andere Darstellungsform gewünscht." Deshalb werde aktuell gemeinsam mit dem TÜV an einem neuen Antrag gearbeitet. "Die Daten werden in allernächster Zeit wunschgemäß vorgelegt", verspricht Kleinsteuber. göc

(Robin Göckes)
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