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"Enkeltrick" und Co.: So tricksen Betrüger Senioren aus

Bevor ein Krimineller per Enkeltrick oder als falscher Polizeibeamter Geld ergaunern kann, gibt es mehrere Schnittstellen, an denen dies verhindert werden kann. Der Präventionsarbeit gilt daher das Augenmerk.
Der Enkeltrick: Senioren werden so lange am Telefon bearbeitet, bis sie sogar an Unbekannte an der Haustür größere Geldbeträge herausgeben. Foto: (96433013) Der Enkeltrick: Senioren werden so lange am Telefon bearbeitet, bis sie sogar an Unbekannte an der Haustür größere Geldbeträge herausgeben.
Main-Taunus. 

Kaum ein Tag vergeht, dass in den Polizeimeldungen nicht von Betrugsversuchen zum Nachteil von Senioren die Rede ist. Gerade gestern teilte Polizeisprecher Johannes Neumann mit, dass in den vergangenen Tagen wieder Betrüger sechs Senioren aus Eschborn angerufen und versucht haben, sie hinters Licht zu führen. „Sie stellten sich als Polizeibeamte vor und erzählten die üblichen Märchen von festgenommenen Einbrechern und korrupten Bankmitarbeitern“, so Neumann. Sie Angerufenen taten das einzig Richtige: Sie legten auf.

Das war in den vergangenen Wochen nicht immer so: Die Täter zeigen großes hinterhältiges Talent, telefonisch Vertrauen aufzubauen, üben gleichzeitig enormen Druck aus und verstehen es, gezielt zu manipulieren. Von einer „geschickten Gesprächsführung“ spricht Neumann. „Da wird Hektik vermittelt, oder es geht um Leben und Tod, und so werden die älteren Leute überrumpelt, können gar nicht richtig nachdenken.“ Die oft hochbetagten und einsamen Opfer, die kaum Argwohn verspüren und helfen wollen, haben dieser Taktik häufig genug nichts entgegenzusetzen und lassen sich dazu überreden, hohe Geldbeträge oder Wertgegenstände auszuhändigen. „Die Betrüger werden leider immer kreativer und bilden sich auch rhetorisch weiter, sprechen astreines Deutsch und kennen teilweise sogar polizeitaktische Begriffe, die gerade bei Senioren fruchten und deren Gutgläubigkeit auf niederträchtigste Art ausnutzen. Insgesamt werden die Täter immer dreister und raffinierter und die Methoden immer perfider.“ Nicht selten verlieren die so Bestohlenen ihre gesamten Ersparnisse.

Mehr als 100 Fälle

In den vergangenen beiden Jahren wurden jeweils zwei Fälle mit einem Schaden in fünfstelliger Höhe bekannt, insgesamt 64 (2016) beziehungsweise 47 Versuche (2015) zur Anzeige gebracht. Die Dunkelziffer sowohl bei den Versuchen als auch bei den erfolgreichen Betrügereien sei mit Sicherheit um ein Vielfaches höher, so Neumann. Bei der Masse an betrügerischen Anrufen – zumeist über Call-Center im Ausland, so dass an die Hinterleute nur schwer ranzukommen sei – würde es bei irgendwem eben immer klappen, und das sei ein äußerst frustrierendes und trauriges Thema.

„Die Opfer schämen sich, einem Kriminellen auf den Leim gegangen zu sein, und wollen sich nicht offenbaren, auch nicht gegenüber Angehörigen. Darüber hinaus gibt es die Mehrfachopfer, die unbelehrbar sind und immer wieder reinfallen. Da kann man schon von Gehirnwäsche reden, so sehr wurden die manipuliert.“ Trotz allem seien die Senioren insgesamt nicht leichtgläubiger geworden, sondern eher mehr sensibilisiert. „Denn sie haben davon gelesen, kennen vielleicht ein Opfer oder haben selber bereits einen Betrugsversuch erlebt.“ Auch dank einer breit angelegten Präventionskampagne „Sicher im Alter?!“ haben mittlerweile viele von den kriminellen Tricks gehört. So fand zuletzt Ende März in 35 Bankfilialen im Bereich des Polizeipräsidiums Westhessen ein Aktionstag statt, um insbesondere ältere Menschen aufzuklären.

Sensibilisiert werden soll allerdings gerade auch die jüngere Generation, wie Neumann betont: „Uns ist es ein großes Anliegen, dass mit den älteren Angehörigen, ob auch offen über Kontovollmachten gesprochen und die Vermögensverwaltung in andere Hände gelegt wird, denn wer keinen Zugriff mehr auf sein Geld hat, bei dem ist auch nichts zu holen.“ Ähnlich sieht das Jürgen Moog vom Präventionsrat, der unter anderem eine Idee der Jugendberatung Hofheim unterstützt: „Bei diesem Projekt, das mit der Main-Taunus-Schule durchgeführt wird, werden Jugendliche motiviert, ihre Großeltern auf das Thema anzusprechen.“ Gut gefällt ihm zudem, dass das Thema inzwischen sogar musikalisch umgesetzt wurde: 2015 hat die „Antilopen Gang“ den Rap „Enkeltrick“ veröffentlicht. „Besonders wichtig ist uns natürlich das Projekt ,Sicherheitsberater für Senioren’. Diese ehrenamtlichen Kräfte fungieren als kompetente Ansprechpartner und helfen dabei, Senioren zu schützen.“

Per Taxi zur Bank

Doch es gibt noch weitere Zielgruppen, wie Moog erläutert: „Wenn die Opfer sich haben überreden lassen, sofort Geld abzuheben, fahren sie mitunter per Taxi zu einer Bankfiliale in der Umgebung. Daher sensibilisieren wir auch die Taxifahrer für solche Fälle, zumal häufig die Täter die Fahrer direkt kontaktieren, um sich rückzuversichern, dass das Geld wirklich geholt wird.“ Seine Präventionsarbeit basiert darauf, die Abläufe eines solchen Betrugs zu analysieren und an den diversen Schnittstellen einzuschreiten.

Dazu gehört auch, dass die Polizei die Banken und Sparkassen vorwarnt, wenn gerade wieder eine „Anrufwelle“ durch die Region schwappt. „Wir raten den dortigen Mitarbeitern, insistierend nachzufragen, wenn hohe Beträge abgehoben werden sollen. In fragwürdigen Fällen sollten sie uns direkt benachrichtigen“, empfiehlt Neumann. Immerhin konnten aufmerksame Angestellte schon Schäden im fast sechsstelligen Bereich abwenden.

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