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Wenig Chancen für junge Leute: So viel Haus gibt es für so viel Geld im MTK und im Vogelsberg

Von Wer im Grünen in Großstadt-Nähe leben möchte, muss tief in die Tasche greifen. Das teuerste Pflaster für Immobilienkäufer ist Bad Soden, dicht danach folgt Hofheim. Die Mieten sind hoch; Häuser können sich viele Familien gar nicht mehr leisten. Es fehlt auch an staatlicher Unterstützung.
<b>Links:</b> Sanierungsbedürftiges Fachwerkhaus, Baujahr 1790, 180 qm Wohnfläche, Grundstück 300 qm. <b>Rechts:</b> Helles Einfamilienhaus, gehobene Ausstattung, Erstbezug, 146 qm Wohnfläche, Grundstück 744 qm. Links: Sanierungsbedürftiges Fachwerkhaus, Baujahr 1790, 180 qm Wohnfläche, Grundstück 300 qm. Rechts: Helles Einfamilienhaus, gehobene Ausstattung, Erstbezug, 146 qm Wohnfläche, Grundstück 744 qm.
Main-Taunus. 

Jeder hier kennt das. Die eigenen Kinder wohnen vielfach länger, als es ihnen selbst lieb ist, weiter in ihrem Kinderzimmer in der Familien-WG, weil schon eine Mietwohnung im Rhein-Main-Gebiet kaum bezahlbar für Auszubildende oder Studenten ist. Immer mehr Studenten pendeln zu den Unis, für Menschen mit durchschnittlichen Einkommen oft die einzige Möglichkeit, ihren Kindern ein Studium ohne Kreditaufnahme zu ermöglichen. Und auch nach Ausbildung oder Studium ist es für die jungen Menschen im Main-Taunus-Kreis nicht leicht, als Berufsanfänger eine Wohnung in dem Ort, in dem sie aufgewachsen sind, zu bezahlen.

Saftig sind mittlerweile die Mieten, Spitzenreiter sind Bad Soden und Hofheim. Das belegen aktuelle Beispiele aus dem Netz. Die 40 Quadratmeter große Ein-Zimmer-Wohnung in Bad Soden kostet 500 Euro kalt, eine eineinhalb-Zimmer-Wohnung unterm Dach in Kelkheim (55 Quadratmeter) ist für 485 Euro kalt zu haben. Zwei Zimmer (60 Quadratmeter) in Hattersheim werden für 650 Euro kalt angeboten. Ein Folgeproblem, wenn etwa Erzieherinnen oder Verwaltungsmitarbeiter schon mehr als die Hälfte des Einkommens fürs Wohnen ausgeben müssen: Es bleibt kaum etwas, was sich für den späteren Kauf einer Immobilie sparen ließe.

Galoppierende Preise

Ein Thema für die Initiative Wohn-Perspektive Eigentum, das ist ein Bündnis der Bau-, Immobilien- und Architekten-Branche. In seinem Auftrag hat das Pestel-Institut sich jetzt mal angesehen, wie die Wohneigentums-Quote im MTK aussieht. Die sogenannte Wohneigentumsquote, der Prozentsatz eigen genutzter Wohnungen, liegt demnach bei rund 51 Prozent. Das ist mehr als im Bundesdurchschnitt.

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Wer nicht im Lotto gewonnen, reichlich geerbt hat oder auf dem Grundstück seiner Eltern bauen kann, der hat als Normalverdiener kaum noch eine Chance, sich zwischen Main und Taunus Wohneigentum anzuschaffen.

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Dennoch: Als Verlierer sieht das Institut derzeit die 25- bis 40-Jährigen, denn sie können wegen der galoppierenden Immobilienpreise kaum noch den Kauf einer selbst genutzten Wohnung oder eines Reihenhauses finanzieren.

Kaum Eigenkapital

25- bis 40-Jährige stehen in einer wichtigen Lebensphase. Sie sind Familiengründer und häufig auch Jobstarter. Das macht es nicht leicht, das nötige Eigenkapital anzusparen, dass bei derart hohen Quadratmeterpreisen nötig ist. Bis zu 4900 Euro pro Quadratmeter kostete 2016 eine Eigentumswohnung laut dem neuesten Wohnungsmarktbericht der IHK Frankfurt. Spitze ist dabei Bad Soden, dicht gefolgt von Hofheim. Der Preis-Schwerpunkt liegt dort bei rund 3000 Euro. In Orten wie Flörsheim (Schwerpunkt 1700 Euro) oder Eppstein (1500 Euro) ist es vergleichsweise günstiger. Reihenhäuser und Doppelhaushälften liegen überwiegend bei rund 400 000 Euro im Schwerpunkt.

Häufig nur Zeitverträge

Das Pestel-Institut stellt angesichts solcher Preise fest, die Chance auf Wohneigentum sei für die 25- bis 40-Jährigen „stark gesunken“. Die Eigentumsquote sei innerhalb von zwölf Jahren in dieser Gruppe um 14 Prozent zurückgegangen, liest der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther, aus den Zahlen des neuesten Mikrozensus.

Dabei stellen die 25- bis 40-Jährigen im MTK eine starke Bevölkerungsgruppe. Rund 40 800 Bürger im Kreis gehören dazu, die meisten davon, mit 6500, leben in der größten Stadt im Kreis, in Hofheim. „Die eigenen vier Wände rangieren zwar ganz oben auf der Wunschliste, Aber es hapert oft an guten Bedingungen für eine solide Finanzierung,“ so Günther. Schuld ist daran nach seiner Einschätzung auch, dass gerade jungen Arbeitnehmern immer häufiger nur Zeitverträge angeboten würden. Vor allem fehle es aber an staatlicher Unterstützung. Die Eigenheimzulage gebe es bereits seit elf Jahren nicht mehr. Für das Pestel-Institut keine gute Entwicklung, da Wohneigentum nach wie vor als besonders wichtiger Baustein für die Altersversorgung gilt.“

Das sieht man auch in der Bauwirtschaft so. Hier verweist man aber auch auf andere Probleme, die den Wohnungsmarkt in der Region so eng machen. „Wir könnten an vielen Stellen viel öfter und mehr bauen, wenn die Genehmigungsverfahren schneller gingen“, sagt Gernot Lippert, Verkaufsleiter der Firma Dietmar Bücher in Idstein, einem der großen Unternehmen im Wohnungsbau auch im MTK.

Für ihn ist klar: Der Druck im Markt sei auch Folge des zu geringen Angebots. Teil des Problems seien zudem die hohen Kosten, die durch immer mehr Vorschriften etwa zu den Energie-Standards entstünden, sagt Lippert.

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