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Karl Thumser: Statthalter auf Zeit

Von Der Bürgermeister ist nun weg. Ein Nachfolger für Norbert Altenkamp wird erst am 21. Januar gewählt. Ist bis dahin Stillstand in der Stadtverwaltung zu befürchten?
Karl Thumser (69) ist politisch engagiert, aber auch dem Heimatgeschichtsverein und dem OGV in Neuenhain verbunden. Foto: Maik Reuß Karl Thumser (69) ist politisch engagiert, aber auch dem Heimatgeschichtsverein und dem OGV in Neuenhain verbunden.

Dieser Mann kann von Schicksalsschlägen berichten, er kann im Schlaf erzählen, wie sich Bad Soden und sein Heimatort Neuenhain in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben, er kennt die Stadtverwaltung und deren Arbeitsabläufe aus dem Effeff. Er hat Lebenserfahrung, und er hat im Sodener Rathaus an der Königsteiner Straße 73 viele Gesichter kommen und gehen sehen. Politisch hat er in einem für seine Partei schwierigen Umfeld so manche Schlacht geschlagen.

„Wesensverwandt“

Der ehrenamtlich tätige Erste Stadtrat Karl Thumser (SPD) ist seit einigen Tagen formell die Nummer 1 in der Sodener Stadtverwaltung, weil der CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Altenkamp sich auf seine neue Aufgabe in Berlin konzentrieren und sein Amt als Rathauschef ruhen lassen muss (wir berichteten ausführlich).

Altenkamp ist nicht bange um die Übergangszeit, in der bis zum 1. März 2018 kein Bürgermeister in Amt und Würden ist und die Stadt rein ehrenamtlich regiert wird. Klar, in der ungewohnten Lage ohne den führenden Kopf müsse sich erst „noch einiges einwackeln“. Aber die Stadt, sagt Altenkamp, habe eine selbstbewusste Verwaltung die eigenständig arbeite. Ist in Soden bis zur Bürgermeister-Direktwahl am 21. Januar 2018 Stillstand zu befürchten? Altenkamp verneint ausdrücklich: „Die Dinge bleiben im Fluss.“ Er habe Vertrauen in den ihm „wesensverwandten“ Karl Thumser, der schon seit Jahren die Arbeitsgebiete Planen und Bauen im Magistrat betreut. Altenkamp: „Es gibt nichts, was ich weiß, was Karl Thumser nicht weiß.“ Stillstand? Auch Thumser antwortet auf die Frage in einem ähnlichen Tenor wie Norbert Altenkamp. Es sei sein Ziel, „die Verwaltung am Laufen zu halten“ und sich so stark einzubringen, wie es seine persönliche Lage zulasse. Thumser will die „Zeit aber auch nicht nutzen, um Bad Soden auf den Kopf zu stellen“. Er sieht sich als „Statthalter“, der bis zur Einführung eines neuen Bürgermeisters die Stellung hält.

44,1 Prozent gewählt

Politisch habe er sich Zurückhaltung und „eine gewisse Neutralität“ auferlegt, sagt Thumser im Gespräch mit dem Kreisblatt. Bewusst habe er neulich nicht an dem Pressegespräch teilgenommen, bei dem seine Partei den SPD-Fraktionschef Jan Willemsen als Bürgermeister-Kandidaten vorgestellt hatte. Als Erster Stadtrat und „Bürgermeister auf Zeit“ sei er „kein Parteimensch“, sondern ein Verwaltungsmann, der, so gut es geht, die Beschlüsse der Stadtverordneten umsetzt und vorantreibt. Meist sei er morgens in seinem Büro in der Neuenhainer Verwaltungsstelle, erzählt Thumser, der 1997 nicht so weit davon entfernt war, zum Bürgermeister gewählt zu werden. Im Zweikampf mit Kurt E. Bender (CDU) holte er 44,1 Prozent. Sieger aber war der Christdemokrat, der es auf 55,9 Prozent brachte. Bei späteren Wahlen schickte die Sodener SPD keinen Kandidaten ins Rennen (2009, 2015), oder der SPD-Bewerber landete Schiffbruch – 2003 erzielte Hans-Joachim Dietrich in einem vierköpfigen Bewerberfeld bescheidene 16,5 Prozent.

Der Vorteil „alter Besen“

Der Pensionär Karl Thumser, Ministerialrat a. D., scheute sich fast nie, als Spitzenkandidat vorneweg zu gehen, auch wenn der Main-Taunus-Kreis in großen Teilen konservativ-bürgerlich geprägt ist und es um die Siegchancen für sich und seine Partei oft schlecht stand. Der heute 69 Jahre alte Genosse kandidierte 1999 für den Posten des Landrats, zog aber gegen Berthold Gall (CDU) den Kürzeren. 32,6 Prozent standen unterm Strich, während Gall haushoch siegte (64,7 Prozent).

Als Thumser den Ruhestand erreichte, war es für den einstigen Staatsdiener klar, sich fortan „nicht daheim hinzusetzen, die Füße hochzulegen und Fernsehen zu gucken“. Er nahm sich vor, sich weiter politisch zu engagieren. Dabei, so ist Thumser überzeugt, sei es wichtig, dass Alt und Jung gemeinsame Sachen machen. Der Nachwuchs bringt neue Ideen rein. Aber ohne Erfahrung geht es nach Ansicht des Ersten Stadtrats auch nicht. Die Redensart „Neue Besen kehren gut“ ergänzt er keck: „Aber alte Besen wissen, wo der Dreck liegt.“

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