Stillstand an der Oeserstraße

Die Bedenken sind groß. Gestern stellten Deutsche Bahn und Stadt die Pläne für die Beseitigung des Bahnübergangs Oeserstraße in Nied vor. Darauf warten die Nieder zwar seit langem, auf die Planer wartet dennoch noch jede Menge Arbeit.
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Nied. 

Domenico Maragliamo müsste für die südliche Verschwenkung der Oesertraße auf einige Meter Grundstück verzichten und zudem über längere Zeit Baulärm ertragen. Ebenso wie andere Anwohner in der Nähe des Bahnübergangs Oeserstraße, die ebenfalls neue Lärmimmissionen oder Umwege zur SG Nied in Kauf nehmen oder gar ihre geliebten Kleingärten aufgeben müssten. Oder auch Grundwasserprobleme befürchten. "Warum hat man sich nicht für eine Variante entschieden, in der die Eisenbahn statt die Straße abgesenkt wird?", wollte Maragliamo von der Deutschen Bahn und dem zuständigen Ingenieurbüro Schüßler-Plan wissen, als die Pläne im Saalbau Nied vorgestellt wurden.

Andere Varianten zu teuer

Die Antwort war eindeutig: Eine vergleichbare Absenkung der Schiene sei bau- und kostentechnisch ebenso wenig machbar wie die anderen Planungsvarianten, die in den vergangenen Jahren wieder verworfen wurden. Doch die Zeit drängt, denn die Lärm- und Gefahrenquelle am Bahnübergang Oeserstraße wird für die Bahn zum Sanierungsfall. Immer wieder kommt es zu brenzligen Situationen im Straßenverkehr aufgrund der Schranke, der inzwischen auch deutlich die Spuren der Zeit anzusehen sind: "Statt eine Schrankenanlage an einem Übergang zu erneuern, den man heute in einem verkehrsreichen Gebiet nicht mehr bauen würde, sollten wir das Geld besser gleich für eine gut durchdachte Unterführung in die Hand nehmen", ermutigte Stefanie Doffing, Leiterin der Produktionsdurchführung der Deutschen Bahn in Frankfurt, das Plenum im Bürgerhaus Nied. "Sie sollten sich deshalb schnell einig werden, wenn die Gespräche mit den Anliegern anstehen." Andernfalls, so bestätigte auch der Prokurist von Schüßler Plan André Winkler, blieben Rückstauungen und Unfallgefahren, die bei 8300 Fahrzeugen und 250 Zugverkehren pro Tag bei einem schienengleichen Übergang unvermeidbar sind, weiterhin an der Tagesordnung.

Winkler nannte weitere Details der technischen Planung und des Zeitrahmens: So soll der Trog mit der anschließenden Unterführung unter der Schiene und der Einmündung in den Kreisverkehr rund 120 Meter lang werden. An der Ostseite der Fahrbahn mit Fahrstreifenbreiten von 2 mal 3,25 Metern wird ein Geh- und Radweg für den Zweirichtungsverkehr eingerichtet. Das Tunnelbauwerk berücksichtigt den nötigen Verkehrsraum für den optionalen Regionalbahnhalt Nied-Ost - ob der allerdings jemals realisiert werden kann, wird derzeit noch untersucht. Eine zweite Unterführung aus der Birminghamstraße verbindet Radfahrer und Fußgänger mit den nördlich der Bahnstrecke gelegenen Sportanlagen der SG Nied. Das Verbindungsstück der Oeserstraße zwischen der Straßenunterführung und dem heutigen Bahnübergang wird als Sackgasse mit Wendemöglichkeit eingerichtet. Einige Arbeitsschritte liegen noch vor den Planern, bevor endlich freie Fahrt auf der Oeserstraße herrscht. "Nach der jetzigen Vorplanung für die beiden Ingenieurbauwerke kommt das Planfeststellungsverfahren mit Bürgerbeteiligung, dann werden die Gewerke ausgeschrieben. Umwege durch die Unterführung und der Verlust von Kleingärten südlich der Oeserstraße werden sich nicht ganz vermeiden lassen", warb Winkler um Verständnis.

Möglicher Beginn 2016

Je nach Dauer des Verfahrens könnte der früheste Baubeginn nach vergleichbaren Erfahrungswerten der Experten im Frühjahr 2016 liegen, wenn die nötigen 11,8 Millionen Euro in den Haushalt eingestellt werden.

Mehrere Bürger betonten, eine zügige Durchführung der Planung sei nötig, bevor sich die Kosten weiter erhöhen und der ebenerdige Schrankenübergang weitere Verkehrsteilnehmer zu leichtsinnigem und unfallträchtigem Fehlverhalten verführt. Georg Diehl von der FDP im Ortsbeirat 6 wies als Landwirt auf die Probleme des Grundwassers hin, die sich schon beim Bau der nahe gelegenen Panoramaschule gezeigt hätten. Winklers Zusicherung, nach Grundwasserproben eine entsprechende ausreichende Ableitung südlich der Oeserstraße einzurichten, konnte ihn nicht überzeugen. "Das wird wegen der Nidda mit ihren vielen Zu- und Abflüssen nicht ausreichen", befürchtet Diehl. "Wir werden als Politiker im Planfeststellungsverfahren vermittelnd für einen Ausgleich der Interessen sorgen", versprach Grünen-Sprecher Thomas Schlimme. Erst dann, so Winkler, könne man auch genaue Angaben machen, wie viele Meter von einzelnen Grundstücken für die Straßenunterführung abgetreten werden müssten.

(Gernot Gottwals)
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