E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 24°C

Straußwirtschafts-Pioniere

Von Die Immenhof-Betreiber kennen sich in Sachen Apfelwein bestens aus und haben für ihre Produkte schon begehrte Preise eingeheimst.
Stolz präsentiert Kathrin Henrich den

„Pomme d’Or“ für den „Apfeltanz“. Bilder > Stolz präsentiert Kathrin Henrich den „Pomme d’Or“ für den „Apfeltanz“.
Neuenhain. 

Reinhold Henrich hat alle Hände voll zu tun. Bis zur Neuenhainer Kerb Anfang August sind es nur noch wenige Wochen. Höchste Zeit für den Immenhof-Betreiber, den selbstgekelterten Apfelwein aus dem Tank im Gewölbekeller abzufüllen. Muße für ein Gespräch? Das dauert einen Moment.

Doch auch seine Frau Kathrin kennt sich bestens aus. Rund um das Thema Apfelwein bewege sich endlich etwas, berichtet sie. Jahrelang sei die „Marketing-Geschichte“ um die hessischen Streuobstwiesen vernachlässigt worden. Aber am 6. April gab es die Internationale Apfelweinmesse im Palmengarten. Am Tag davor wurde der Pomme d’Or im Grandhotel Hessischer Hof verliehen.

Extra: Immenhof statt Kfz-Werkstatt

Eigentlich sollte sein beruflicher Werdegang ein ganz anderer werden. Nach der Schule absolvierte Reinhold Henrich eine Lehre als Kfz-Schlosser.

clearing

Reinhold Henrich hat zudem Anfang Mai am Fachseminar der Apfelwein-Akademie in Frankfurt teilgenommen. Der 56 Jahre alte Neuenhainer war einer von 14 Teilnehmern – unter ihnen Gastronome, Unternehmensgründer, Hobby-Kelterer und Streuobstwiesenbesitzer. Er ist nun der erste zertifizierter Apfelweinwirt in Bad Soden.

 

Behörde sagt „Nein!“

 

Ein langer und steiniger Weg sei das gewesen, betont Kathrin Henrich. Fast wäre ihr gemeinsamer Traum, der in einer Straußwirtschaft in Wicker entstand, wie eine Seifenblase zerplatzt. Die Pläne des Architekten lagen auf dem Tisch, das Honorar war ausgehandelt. Mit dem städtischen Bauamt war alles klar. Die Henrichs hatten vor, in der ehemaligen, verfallenen Hofreite eine Straußwirtschaft zu etablieren, aber mit Apfelwein.

Der ehemalige Kuh- und Pferdestall sollte zum Gastraum umgebaut werden. Die Renovierungsarbeiten an der großen Scheune sollten beginnen. Bis ihnen plötzlich ein Anruf der Behörde einen Strich durch die Rechnung machte. Eine Apfelwein-Straußwirtschaft, das sehe das hessische Gaststättenrecht nicht vor, hieß es. Straußwirtschaften dürften nur in Bundesländern betrieben werden, wo es Weinwirtschaft gebe. Und das ausgerechnet in Hessen, wo der Apfelwein als Nationalgetränk zählt?

Damit wollten sich Reinhold und Kathrin Henrich nicht abfinden. Sie wurden zu Vorreitern. Schrieben zahlreiche Briefe, darunter auch an den damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch. Erfolgreich waren sie schließlich mit Hilfe einer Petition im hessischen Landtag. Das Gaststättengesetz, das noch aus den 1950er Jahren stammte, stand zur Novellierung an. Und Henrichs Aktion tat dazu ein Übriges. Im Dezember 2007 hielten die Neuenhainer das langersehnte Schreiben in der Hand, das ihnen erlaubte, als erste Hessen ihren Hof während vier Monaten im Jahr – also an 120 Tagen – als Straußwirtschaft zu öffnen.

 

Handkäs’-Bratwurst

 

Natürlich gab es strenge Auflagen, so mussten eigene Obstgrundstücke vorhanden sein und der Apfelwein sollte in Neuenhain gekeltert werden. Im Mai 2008 war es dann soweit – im idyllischen Hof in der Borngasse 8 wurde in der „Immenhof-Manufaktur“ der erste eigene Apfelwein ausgeschenkt. Die ersten kleinen Gerichte kamen auf den Tisch.

Heute sind die beiden Henrichs ausgemachte Fachleute. Sie haben in den vergangenen sechs Jahren ausreichend praktische Erfahrung gesammelt und Reinhold Henrich sein Wissen auf verschiedenen Gebieten im Fachseminar vertieft. Beide sind äußerst kreative Menschen. So hat die 47-jährige Kathrin Henrich, die vor vier Jahren das Zepter in der Profi-Küche übernommen hat, ihr eigenes Rezept für hausgemachten Handkäs’ entwickelt. Auf der Speisekarte steht so etwas Bodenständiges wie Handkäs’-Bratwurst mit Kartoffelsalat.

 

Tipps von Sterneköchen

 

Aber es gibt auch Schmorbraten mit Apfelwein oder Taunusforelle mit Apfelweinfarce. Ausschließlich auf Gerichte mit Apfelwein wollen sich die Immenhof-Wirte aber nicht festlegen.

Von dem üblichen Essen, das in Straußwirtschaften serviert werde, seien sie weit entfernt, betont Reinhold Henrich. Kathrin Henrich hat sich mit der Zeit ein Netzwerk aufgebaut und lässt sich von Sterneköchen beraten. Eine Speisekarte Richtung Landgasthof ist ihr Wunsch. Ähnliches trifft auf die Qualität der Getränke zu. Für ihren Apfelwein-Hausschoppen wurden die Henrichs jetzt bei der Apfelweinmesse mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Für ihren „Apfeltanz“ – eine Kreation aus Apfelwein und weißem oder rotem Rieslingsekt – wurde ihnen 2013 der „Pomme d’Or“ verliehen.

 

Alte Apfelsorten

 

Auf den eigenen Obstwiesen in Neuenhain und Mammolshain gedeihen traditionelle Apfelsorten, die noch von den Altvorderen stammen; zum Beispiel Kaiser Wilhelm, Schafsnase, Trierer Weinapfel, Graf Oldenburg und Rheinischer Bohnapfel. Sie bilden die Basis für die rund 15 000 Liter, die Henrich in seiner Feldscheune am Wilhelmsweg keltert.

„Vom Acker bis zum Endprodukt“ lautet seine Devise. Wobei seiner Fantasie bei den „veredelten Getränken“ noch lange keine Grenzen gesetzt sind. Im „Hofladen“ in der Borngasse – einem Schrank voller alkoholischer Köstlichkeiten – können sich interessierte Kunden freitags von 16 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 12 Uhr mit Nachschub versorgen. Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.immenhof-neuenhain.de.

Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen