Trauerhallen sind Trauerfälle

An den kommenden Sonntagen werden auf den Friedhöfen im Frankfurter Westen vergleichsweise viele Besucher zu verzeichnen sein. Nicht alles, was diese zu sehen bekommen, passt zu der würdigen Atmosphäre eines Friedhofs.
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Frankfurter Westen. 

Es ist ein Tag des stillen Gedenkens, der Rückbesinnung und des Erinnerns. An Mahnmalen und auf Friedhöfen werden überall in der Stadt an diesem Sonntag zum Volkstrauertag wieder Kränze niedergelegt, um Kriegstoten und den Opfern von Gewaltherrschaft zu gedenken. Viele Familien nutzen diesen oder den Totensonntag eine Woche später, um das Grab eines lieben Verwandten oder Freundes zu besuchen. Der Zustand, in dem sich mancher Friedhof im Frankfurter Westen befindet, lädt dazu aber kaum ein. Lose Steinplatten, kaum zugängliche Toiletten, Diebstähle von Gräbern und Orgeln, die ihre beste Zeit schon lange hinter sich haben, sind nur einige der Kritikpunkte, die immer wieder rund um diese Orte des stillen Gedenkens laut werden.

Im Frankfurter Westen sind es derzeit vor allem die Trauerhallen, die für Kopfschütteln sorgen. "Die Trauerhalle in Nied ist ein Trauerfall. Wenn es regnet, tropft es rein. Da braucht man einen Regenschirm", stellt Stadtbezirksvorsteher Friedrich Willems fest. Nicht nur der bauliche Zustand biete Anlass zur Kritik: "Die Halle ist auch einfach zu klein und die Leute müssen draußen stehen." Zudem seien die Lautsprecher nicht dafür geeignet, um Musik oder Trauerreden bis nach draußen zu übertragen. Ein weiterer Kritikpunkt sei die Toilette auf dem Friedhof. "Das ist ein uraltes Ding. Mit dem Rollstuhl kommt da niemand rein." Und auch der allgemeine Zustand des Friedhofs lasse zu wünschen übrig: "Da wird gespart", meint Willems.

Gefährliche Stolperfallen

Ganz ähnlich klingen die Klagen aus Griesheim. Dort macht vor allem der Vorplatz der Trauerhalle Probleme. Die Steinplatten, die dort verlegt sind, haben sich im Lauf der Jahre gehoben. Das macht nicht nur einen ungepflegten Eindruck, es ist auch gefährlich. "Diese Verwerfungen stellen eine Gefahr für Fußgänger und zudem eine Behinderung für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollatoren da", findet Markus Wagner, der für die CDU im Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) sitzt und einen Antrag gestellt hat, dass die Mängel behoben werden sollen.

Und es gibt weitere Kritikpunkte, etwa die Beleuchtung und den Anstrich der Trauerhalle. Wagner findet: "Die Trauerhalle erfüllt ihren Zweck. Aber ein neuer Anstrich oder ein neues Lichtkonzept sind Dinge, über die man Nachdenken kann." Auch die Griesheimerin Ursula Schmidt sieht Verbesserungsmöglichkeiten: "Ich verstehe schon, dass man da nicht unbedingt an einen teuren Neubau denkt. Aber schön ist die Halle nicht. Vielleicht ließe sich da mit einer anderen Beleuchtung oder anderen Vorhängen schon etwas machen." In der Diskussion sind zudem die elektrischen Orgeln in den Trauerhallen in Nied und Griesheim. "Die in Griesheim klingt schrecklich", sagt Schmidt. Die Anregung, das Harmonium zu ersetzen, stammt von einem Organisten. Der klagte über die alte Orgel, auf der die Gestaltung eines würdigen Rahmens für eine Trauerfeier kaum noch möglich sei.

Wilde Partys und Müll

Dass es auch anders geht, zeigen die Friedhöfe etwa in Sindlingen und Sossenheim. Gerade in Sossenheim hatten mehrere Bürger lange dafür gekämpft, dass sich am Zustand der Trauerhalle und des Friedhofs im Allgemeinen etwas tut. Nächtliche Partys, ein schlechter Allgemeinzustand, eine Kaninchenplage, wilde Müllablagerungen, kaputte Zäune und die ständigen Schmierereien an der Trauerhalle waren die Hauptkritikpunkte.

Ein Ortstermin mit der damaligen Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) machte den Bürgern Hoffnung. "Und es ist wirklich sehr viel besser geworden", berichtet nun Ingrid Kuske aus Sossenheim. Die Kaninchenplage wurde mit Frettchen bekämpft, die Fenster der Trauerhalle mit Folie gegen Schmierereien geschützt. "Ein weiterer Punkt war, dass niemand darauf achtete, dass das Tor verschlossen ist. Das ist inzwischen kein Problem mehr. So können jetzt auch Radfahrer nicht mehr einfach durch den Friedhof fahren, ohne abzusteigen", sagt Kuske. Das Ordnungsamt sei auf Streife gegangen um nächste Partys zu beenden, erfolgreich. "Und größere Behälter für den Müll wurden auch aufgestellt."

Es sei ein langer Weg gewesen, um die Verbesserungen auf dem Friedhof zu erreichen. "Aber es hat sich gelohnt. Viele Leute freuen sich darüber", sagt Kuske. Ähnlich ist es in Sindlingen. Dort hatten vergessene Baumstümpfe, lose herumliegende Gehwegplatten und wild wuchernde Brombeerhecken für Unmut gesorgt. "Das wurde alles beseitigt", freut sich Ortsbeirat Claus Lünzer (SPD). Luft nach oben sieht er aber weiter: "Einige Bänke wurden schon erneuert. Die noch nicht aufgearbeiteten Bänke könnten jetzt im Winter gemacht werden." Solche Probleme hätte man in Nied und Griesheim gerne. Aber vielleicht werden ja auch die dortigen Klagen schon bald erhört. göc

(Robin Göckes)
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Trauerhallen sind Trauerfälle
An den kommenden Sonntagen werden auf den Friedhöfen im Frankfurter Westen vergleichsweise viele Besucher zu verzeichnen sein. Nicht alles, was diese zu sehen bekommen, passt zu der würdigen Atmosphäre eines Friedhofs.
http://www.fnp.de/lokales/main-taunus-kreis/Trauerhallen-sind-Trauerfaelle;art676,223921
16.11.2012
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