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Über den Fraport-Dächern

Stellt die Fraport auch Anträge zur Dachsicherung? Könnte sie ja - schließlich gehören dem Unternehmen Häuser in der betroffenen Zone.
Der überwiegende Teil der Häuser auf dieser Aufnahme vom Baugebiet Nord gehört der Fraport, die im Rahmen des Casa-Programms die Gebäude den einstigen Eigentümern abgekauft und dann vermietet hat. 	Foto: Reuß Der überwiegende Teil der Häuser auf dieser Aufnahme vom Baugebiet Nord gehört der Fraport, die im Rahmen des Casa-Programms die Gebäude den einstigen Eigentümern abgekauft und dann vermietet hat. Foto: Reuß
Flörsheim. 

Es ist schon eine komische Sache mit den Wirbelschleppen. Obwohl die gewaltigen Luftströmungen ein allgemein anerkanntes Phänomen der modernen Luftfahrt sind, sollten sie beim Ausbau der Landebahn Nordwest anscheinend aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden. Die Luftwirbel, die sich hinter den Tragflächen von schweren Flugzeugen bilden, sind so präsent, dass sie die Einteilung von Sicherheitsabständen zwischen Flugzeugen beeinflussen. Im Planfeststellungsverfahren für den Bau der Nordwest-Landebahn wurde jedoch trotzdem davon ausgegangen, dass eine Wirbelschleppe nur einmal in zehn Millionen Jahren ein Gebäude im niedrig überflogenen Flörsheim treffen könnte.

Diese Leugnung der Gefahr hat sich seit der Eröffnung der Landebahn ins Gegenteil verkehrt. Es gibt Berichte von Ruderern auf dem Main und Besuchern des Neuen Friedhofes, die von Wirbelschleppen überrascht wurden. Die Zahl der Dächer, die beschädigt wurden, liegt inzwischen im zweistelligen Bereich und führte dazu, dass Flughafenbetreiber Fraport Gutachter durch Flörsheims Straßen schickte. Eine der Folgen der Schäden durch die Luftwirbel war eine Ergänzung der Planfeststellung, die Fraport verpflichtet, in einem festgeschriebenen Gebiet Dachziegel klammern zu lassen. Heute um 24 Uhr endet die mehrwöchige Einspruchsfrist, in deren Verlauf gegen den Inhalt der Planergänzung geklagt werden konnte. Kritiker gibt es nicht wenige. Denn einerseits ist die genaue Umsetzung der Dachsicherung selbst bei erfahrenen Dachdeckern strittig. Andererseits gibt es Zweifel an den Vorgaben des Beschlusses - unter anderem an der Größe des Gebietes, in dem Hausbesitzer eine Dachklammerung beim Flughafenbetreiber beantragen können.

200 Wohneinheiten

Die Planergänzung weckt aber eine weitere spannende Frage: Wie reagiert die Fraport AG in ihrer Rolle als Hauseigentümer auf die Wirbelschleppenproblematik? Zum Anspruchsgebiet für die Dachklammerung zählt nämlich unter anderem die Rheinallee im Flörsheimer Norden. Dort hat der Flughafenbetreiber seit Eröffnung der neuen Landebahn zahlreiche Häuser im Rahmen des Casa-Programmes aufgekauft - über 100 sollen es sein. Viele Flörsheimer in den betroffenen Gebieten konnten wegen des Fluglärms ihre Wohnräume an die Fraport verkaufen. Mittlerweile hat das Unternehmen rund 200 Wohneinheiten in der Mainstadt, teilt Fraport-Sprecher Mike Peter Schweitzer mit. Würde sich die Fraport nun bei seinen eigenen Immobilien gegen die Sicherung der Dächer entscheiden, zu der er an anderer Stelle verpflichtet ist, wäre dies mehr als kurios. „Dort, wo es einen entsprechenden Bedarf gibt, werden wir die Dachsicherung vornehmen“, erklärt Mike Peter Schweitzer.. Viele der Häuser aus dem Casa-Programm liegen in dem Gebiet, das Dachdecker im Auftrag der Fraport begutachteten, so der Flughafen-Sprecher. Auf einen Zeitplan und den konkreten Weg zur Umsetzung der Dachsicherung wollte er sich aber nicht festlegen. Teilweise seien nicht ganze Häuser, sondern nur einzelne Wohnungen aufgekauft worden. Mike Peter Schweitzer vermutet, dass in solchen Mehrfamilienhäusern von der Eigentümergemeinschaft beschlossen werde, ob man eine Dachklammerung beantragt. Wahrscheinlich führe der Weg dahin über die Hausverwaltungen. Im Falle von Häusern, die vollständig ins Eigentum der Fraport übergegangen sind, werde das Unternehmen die Sicherung selbst in die Wege leiten, deutet Schweitzer an. Wahrscheinlich werde man formell einen Antrag zur Dachsicherung stellen, so der Unternehmenssprecher. Man werde sicherlich innerhalb der Gesellschaft einen praktikablen Weg finden. Wie groß der Bedarf nach Dachklammerung im Häuserbestand von Fraport ist, wisse er nicht, so Schweitzer. Doch: „Dort, wo Bedarf besteht, wird es aber gemacht.“

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