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Hofheim: Umbauten in der Martin-Wohmann-Straße sorgen für Ärger

Von Der Ausbau eines alten Mehrfamilienhauses sorgt für Stress. Nicht nur bei dem Nachbarn, der jetzt aus seinem Fenster statt weit ins Rhein-Main-Gebiet direkt auf eine Wand schaut.
Das Mehrfamilienhaus ist wesentlich höher als andere Häuser in der Martin-Wohmann-Straße. Foto: Maik Reuß Das Mehrfamilienhaus ist wesentlich höher als andere Häuser in der Martin-Wohmann-Straße.
Hofheim. 

Wohnraum ist knapp in Hofheim, es wird mehr davon gebraucht. Das macht auch Nachverdichtung erwünscht. Nicht immer aber erfreut das, was aus Häusern gemacht wird, die Nachbarschaft. Einen Fall aus Marxheim hatte diese Zeitung vor einiger Zeit geschildert. Nun gibt es mindestens so großen Ärger am Steinberg.

In der Martin-Wohmann-Straße sorgt der Aus- und Umbau eines alten Mehrfamilienhauses für Stress. Bauherr ist die IRM Grundstücksgesellschaft von Makler Ralf Weber. Sie hat die Immobilie erworben und will hier mehr Wohnraum schaffen. Statt des flachen Satteldachs auf beiden Gebäudeteilen, die bislang nur durch ein Treppenhaus verbunden waren, wurden Staffelgeschosse aufgesetzt.

Doch nicht nur der direkte Nachbar oberhalb, der nun aus dem Schlafzimmerfenster im Dachgeschoss statt weit ins Rhein-Main-Gebiet direkt vor eine Wand schaut, ist damit nicht einverstanden. „Die ganze Nachbarschaft regt sich auf“, sagt Marc Andre Stupp. Dass das Kreisbauamt wie auch die Stadt Hofheim dieser Aufstockung zugestimmt hat, lässt die Menschen hier ungläubig die Köpfe schütteln. Dagegen sagt Bauherr Weber: „Es ist alles ganz legal.“

Kein Bebauungsplan

Einen Bebauungsplan für den Bereich gibt es nicht. Fehlt ein solcher, gilt laut Baugesetzbuch der Paragraph 34, nach dem sich ein Neubau in die Umgebung einzufügen hat. Das Mehrfamilienhaus auf dem Eckgrundstück zur Altenhainer Straße galt bisher als zweigeschossig. Wer die Martin-Wohmann-Straße hinauf fährt, hat mittlerweile allerdings den Eindruck, auf ein viergeschossiges Haus zu blicken. Denn durch das starke Gefälle wirkt das unterste Geschoss wie ein Vollgeschoss. „So wird es auch im Exposé beworben“, hat Nachbar Stupp nachgelesen. In der Baugenehmigung sei dagegen von einem Keller die Rede. Für die Nachbarn weit ärgerlicher: Das aufgesetzte Staffelgeschoss macht das Doppelgebäude in ihren Augen zu einem regelrechten „Klotz“, der mitnichten in die Umgebung passe, in der viele nur eineinhalbgeschossige Häuser stehen.

Was sich einpasst und was nicht, darüber urteilen beim Fehlen eines Bebauungsplanes die Genehmigungsbehörden. Und die orientieren sich in der möglichen Höhe eben an dem, was schon vorhanden ist. Das bislang höchste Gebäude im Kreuzungsbereich steht direkt nebenan in der Altenhainer Straße. Marc Andre Stupp ist allerdings der Ansicht, dass es als Maßstab nicht taugt. Denn genau dieses Haus sei höher als erlaubt gebaut worden, was das Verwaltungsgericht auch festgestellt habe.

Allerdings habe das Gericht damals keinen Rückbau verlangt, sondern lediglich verfügt, dass das Dachgeschoss nicht als Wohnraum genutzt werden dürfe. „Jetzt soll ausgerechnet dieses Haus rechtfertigen, dass auch nebenan so hoch gebaut werden darf“, schüttelt der Hofheimer den Kopf.

Eine Klage Stupps gegen die Baugenehmigung ist vom Gericht abgewiesen worden. Darauf verweist auch Ralf Weber. „Der Verwaltungsgerichtshof hat gesagt, alles ist rechtens.“ Stupp habe von „Vetternwirtschaft“ gesprochen, das aber sei „alles Quatsch“. Dass es hier möglicherweise „Seilschaften“ gebe, diesen Verdacht äußert Stupp auch gegenüber dem Kreisblatt. Schließlich habe sich CDU-Mitglied Weber als Architekten den früheren CDU-Vorsitzenden Frank Härder genommen. Die Baugenehmigung sei nach einem Gespräch mit CDU-Landrat Michael Cyriax erteilt worden.

Neuer Ansatzpunkt

Dagegen sagt Weber, Stupp versuche, ihm mit allen Mitteln das Leben schwer zu machen. „Er hat jetzt halt keinen Blick mehr. Aber Blick ist nichts, worauf man ein Anrecht hat.“

Mittlerweile ist das aus Holzbauteilen bestehende Staffelgeschoss aufgesetzt worden. Für Ingenieur Stupp ein neuer Ansatzpunkt, gegen den Bau vorzugehen. Er ist nämlich sicher, dass hier gesetzliche Vorgaben nicht eingehalten wurden. Das vorgebliche Staffelgeschoss sei in Wirklichkeit ein Vollgeschoss, hat er ausgemessen. Die zulässigen Höchstmaße seien bei beiden Gebäudeteilen klar überschritten. Zudem rage das Dachgeschoss auch noch mit den Terrassen über die unteren Geschosse hinaus. „Das geht gar nicht“, sagt Stupp.

Er hat in dieser Woche seinen Protest beim Kreisbauamt und der Stadt vorgetragen, um einen Baustopp und einen Rückbau zu erreichen. Bislang ist da aber noch nichts entschieden.

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