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Rhein-Main 1914: Verbotene Militärberichte vom 1. Weltkrieg

Von Nur wenig weiß man über die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf Kriftel. Archivar Wilfried Krementz hat vor einigen Jahren alle Erkenntnisse zusammengefasst.
In einer Feldküche in Frankreich: „Die ersten Kartoffeln! 24.9.1918“ schrieb Hermann Sauerbrey (links sitzend) aus Kriftel. Bilder > In einer Feldküche in Frankreich: „Die ersten Kartoffeln! 24.9.1918“ schrieb Hermann Sauerbrey (links sitzend) aus Kriftel.
Kriftel. 

Die ersten Krifteler erwischte es ausgesprochen früh. Der erste Mobilmachungstag war der 2. August, aber schon am Vorabend wurden 15 Männer aus Kriftel, die der Einsatzreserve angehörten, nach Mainz beordert. Sie mussten bei der Ausbesserung der Festungswerke in Mainz helfen und wurden außerdem bei der Herstellung von Munition in Budenheim eingesetzt.

Recherchiert hat dies Kriftels Archivar Wilfried Krementz. Das ist kein einfacher Job, denn die Quellenlage ist dünn. Krementz hat das Höchster Kreisblatt der Kriegsjahre ausgewertet und nur wenig über die Auswirkungen des Krieges gefunden. Immerhin, Kampfhandlungen gab es in der Region bis zum Schluss nicht, und detaillierte Berichte über militärische Dinge waren verboten.

 

Eisernes Kreuz

 

Also bleibt die Presseauswertung dürftig. Eine Spende der Spar- und Darlehenskasse für die Krifteler Kriegsteilnehmer in Höhe von 350 Mark, die Verleihung des Eisernen Kreuzes für Tapferkeit vor dem Feind an Karl Heil, eine Geldsammlung zu Gunsten des Roten Kreuzes anlässlich des Geburtstags des deutschen Kaisers – das war es auch schon. Als über Franz Schollmeyer, der ebenfalls das Eiserne Kreuz bekam, berichtet wurde, dass er als Besatzungsmitglied eines Torpedobootes an der Seeschlacht am Skagerrak teilgenommen hatte, war das schon viel.
 

Bilderstrecke Kriftel und der Erste Weltkrieg
Über die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf Kriftel wusste man bisher man nur wenig. Der städtische Archivar Wilfried Krementz hat nun alte Ausgaben des Höchster Kreisblattes ausgewertet und in alten Fotoalben gestöbert. Klicken Sie sich hier durch Zeugen der Zeitgeschichte!<br />&nbsp;<br />18 Jahre alt waren diese jungen Männer aus Kriftel, als sie 1916 zur Musterung bestellt wurden.Ausgehfein: Der Krifteler Ignaz Hauck in Paradeunifom.Karl Hasenbach aus Kriftel wurde noch kurz vor Kriegsende eingezogen.

Die Soldaten konnten auch auf den Feldpostkarten keine wirklichen Neuigkeiten berichten, auch das war verboten. Sie bedankten sich zumeist für Nahrungsmittelpakete aus der Heimat und verbreiteten eine gewisse Siegeszuversicht. Bekanntlich war die Kriegsbegeisterung anfangs in Deutschland ausgesprochen groß. Daran konnten eine Weile noch nicht einmal die Meldungen über die ersten deutschen Verluste etwas ändern.

Aus Kriftel waren Georg Schickling und Friedrich Westenberger Anfang September 1914 die ersten Opfer. „Vereint zogen die Daheimgebliebenen zur Kirche um für die Seelenruhe des allseits Geliebten zu beten“, heißt es in der Krifteler Schulchronik zum Tode von Friedrich Westenberger. „Bald mehrten sich die Sorgen, Kummer und damit auch das Gebet“, heißt es weiter. „Noch niemals ist in Kriftel so viel gebetet worden, wie in dieser Kriegszeit.“

 

55 Gefallene

 

55 Namen stehen auf einer Liste von Gefallenen, die Krementz vor einigen Jahren veröffentlicht hat, dazu kamen drei Vermisste. Auf dem Krifteler Friedhof sind einige der Soldatengräber aus diesem Krieg erhalten geblieben. Einer von ihnen ist Josef Reichwein, der im Alter von 31 Jahren im Höchster Krankenhaus starb. Er war dorthin gebracht worden, nachdem er in den Vogesen einen Lungenschuss bekam.

Aber auch unter den Rückkehrern gibt es bewegende Schicksale. August Heun beispielsweise war bei Kriegsausbruch als Marinesoldat auf einem deutschen Flottenstützpunkt an der chinesischen Küste, wo er schon 1914 in japanische Gefangenschaft geriet. Erst 1920 konnte er nach Deutschland zurückkehren – und aß, nachdem dies die tägliche Nahrung im Gefangenenlager gewesen war, Zeit seines Lebens keinen Reis mehr. Heftiger traf es sicher Josef Fink, der auf seine Art aber auch Glück hatte: Erst konnte er bei einem Giftgasangriff in den Vogesen gerade noch gerettet werden, dann sollte ihm nach einer Schussverletzung der Arm amputiert werden. Schließlich wurde der Arm in einem Krankenhaus noch gerettet – die Bewegungsfähigkeit allerdings blieb eingeschränkt.

 

Persönliche Schicksale

 

Insgesamt zeigen die Recherchen von Krementz: Über die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf kleine Orte wie Kriftel ist nicht viel bekannt. Ein paar Pressemeldungen, ein paar Feldpostkarten, ein paar Berichte über persönliche Schicksale – mehr gibt es nicht. Die Spuren in der Gemeinde sind rar – neben den Gräbern auf dem Friedhof gibt es noch in der Bonifatiuskapelle Tafeln mit den Gefallenen der beiden Weltkriege und in der katholischen Pfarrkirche zwei Buntglasfenster, die an den Ersten Weltkrieg erinnern.

 

 

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