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Verführerinnen führten Männer vor

Von Der Kelkheimer widmete seine gerade erschienene Porträtsammlung berühmten Frauen, die Männer bezirzten und teilweise handfeste Skandale auslösten.
Brachte die britische Monarchie ins Wanken: Wallis Simpson. Bilder > Brachte die britische Monarchie ins Wanken: Wallis Simpson.
Kelkheim. 

Nein, Schönheiten im klassischen Sinn waren sie fast alle nicht. Weder Kleopatra noch Frieda von Richthofen oder Christiane Vulpius. Dafür hatten sie das, was man das "gewisse Etwas" nennt. Und damit betörten sie die Männer und brachten sie um den Verstand, einen sogar um den Thron – doch davon später. "Verführerische Frauen" hat der Kelkheimer Autor Dieter Wunderlich in den Blickpunkt seines vor wenigen Tagen beim Piper-Verlag erschienenen Buchs gerückt. Und zwar in gründlich recherchierten und elegant formulierten Skizzen. Elf verführerische Frauen stellt er in den Porträts vor und lädt damit nicht nur zu einem spannenden literarischen Exkurs ein, sondern ebenso zu einer höchst unterhaltsamen Reise in die Geschichte ein.

Wer kennt schon die wahre Geschichte der Ptolemäer-Königin Kleopatra? Oder das tragische Schicksal der Augsburger Bürgertochter Agnes Bernauer, der Titelheldin des gleichnamigen Trauerspiels von Friedrich Hebbel? Wie Dieter Wunderlich auf die Idee kam, sich den verführerischen Frauen literarisch anzunehmen? "Frauen haben mich bereits in meinen vorigen Büchern beschäftigt, und das hat wiederum mit meinem ursprünglichen Beruf zu tun", antwortet der gelernte Psychologe, der lange Jahre als Manager eines großen Konzerns gearbeitet hat. Persönlichkeiten faszinieren ihn – vor allem solche, die Ungewöhnliches erreicht haben. Nicht ohne Grund hat der gebürtige Münchner, der seit 1989 in Kelkheim lebt, bereits wagemutigen, eigensinnigen und außerordentlichen Frauen ein literarisches Denkmal gesetzt.

"Beim aktuellen Schwerpunkt war es die Macht der Erotik, die mich gereizt hat. Und vor allem die Tatsache, dass all diese Frauen es geschafft haben, die Männer zu verführen und auch ein bisschen vorzuführen", antwortet er. "Zugleich finde ich es auch spannend, in die unterschiedlichen Epochen einzutauchen, in denen diese Frauen gelebt haben", ergänzt er. Das fängt eben bei Kleopatra an, die die beiden mächtigsten Römer ihrer Zeit – Julius Caesar und Marcus Antonius – mit weiblicher Verführungskunst um den Finger wickelte und ganz nebenbei geschickt ihre politischen Intrigen gesponnen hat. Am Ende der elf Kapitel steht wieder ein Skandal: Bill Clinton und seine Praktikantin Monica Lewinsky – eine Affäre, die ebenfalls ein politisches Erdbeben auslöste. "Wobei mich gerade beim der Clinton-Skandal weniger die schlüpfrige Geschichte interessiert hat, sondern vielmehr das, was die Medien daraus gemacht haben", merkt der Autor an.

Nach welchen Kriterien er seine "Verführerinnen" ausgewählt hat? "Das war gar nicht so einfach. Im Lauf der Recherchen habe ich mich so in das Thema hineingearbeitet, dass ich schließlich 30 Frauenporträts zusammen hatte. Es war aber nur Platz für ein Drittel und so habe ich aus jeder Epoche eine prägnante Persönlichkeit für dieses Anthologie herausgesucht. Es soll aber ein weiteres Buch geben", erzählt der Autor.

Daneben interessierte ihn auch, dass die Frauen unterschiedlichster Herkunft waren. Da ist zum Beispiel die Augsburger Bürgertochter Agnes Bernauer, die im 15. Jahrhundert dem bayerischen Herzog Albrecht III. den Kopf verdrehte. Eine Beziehung, die aus Sicht von Albrechts Vater nicht standesgemäß war, weshalb er Agnes Bernauer ermorden ließ.

Machen wir einen Sprung ins 20. Jahrhundert: Standesgemäß ist auch Wallis Simpson nicht, als sie Mitte der 30er Jahre den britischen Thronfolger kennenlernt. Doch Edward verfällt der hocheleganten Amerikanerin, die noch heute als Stil-Ikone verehrt wird. Als die Beziehung zwischen der damals noch verheirateten Wallis und Edward, der inzwischen König wurde, bekannt wird, löst dies in der britischen Monarchie einen nie dagewesenen Skandal aus. Edward entscheidet sich für seine Geliebte und dankt schließlich 1936 ab. Die Geschichte des schillernden Paares, das sich fortan dem Jet-Set-Leben widmet, stand im Mittelpunkt zahlreicher Bücher und wurde mehrfach verfilmt – zuletzt von Popp-Idol Madonna.

Das englische Königshaus lieferte dem Autor auch eine weitere Anregung. Der tragischen Geschichte der jungen Prinzessin Diana und ihrer Konkurrentin Camilla Parker-Bowles widmete Dieter Wunderlich ebenfalls ein Kapitel.

Spannend zu lesen sind auch die Porträts von Zelda Fitzgerald und Frieda von Richthofen. Beide waren die Ehefrauen zweier hochbegabter Schriftsteller – nämlich F. Scott Fitzgerald, Autor des "Großen Gatsby", und D.H. Lawrence, der "Lady Chatterley" schrieb. Dieter Wunderlich zeichnet die spannungsgeladenen, von Alkohol und Depressionen geprägten Beziehungen mit feinem psychologischen Gespür nach und fängt gleichzeitig die Stimmung und Mode jener "Goldenen 20er Jahre" ein, in denen die beiden Beziehungen beginnen. "Ich wollte eben auch zeigen, dass all dies Frauen ein Spiegel ihrer Zeit sind."

Das Buch "Verführerische Frauen" von Dieter Wunderlich, ISBN 978-3-492-272742, ist im Piper-Verlag erschienen. Das 285 Seiten starke Buch kostet 9,99 Euro und ist überall im Buchhandel erhältlich.

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