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BUND: Vögel sind zunehmend auf die Hilfe der Menschen angewiesen

Von Nicht für alle gefährdeten Tierarten kann der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) etwas tun. Aber die Mitglieder des Ortsverbandes investieren viele Stunden ihrer Freizeit.
Eisvogel Eisvogel
Flörsheim. 

Sie leben unter uns, über uns und neben uns. Ihr Zuhause sind Felder und Bäume an der Straße. Die Rede ist von den Tieren, die trotz Schnellstraßen, Industriegebieten und dem Flughafen ihre Nische in der Region gefunden haben. Den meisten Menschen fallen sie im Alltag nur selten auf. Die Mitglieder des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) befinden sich jedoch regelmäßig im Einsatz für Natur und Tierwelt. „Wir können nicht für alle etwas tun“, weiß der Weilbacher Bernd Zürn. Der BUND-Aktive kann aber einschätzen, wie es um die Fauna rund um Flörsheim bestellt ist.

Etwa 140 Meisenkästen habe das Team des BUND Flörsheim im Lauf der Jahre aufgehängt – die Mehrheit davon in Weilbach, erzählt Zürn. Die kleinen Vögel seien zunehmend auf Unterstützung von Menschenhand angewiesen. Früher habe den Meisen totes Holz von alten Bäumen oder der Dachgiebel alter Scheunen als Nistplatz gedient. Beides gebe es heute nicht mehr in ausreichender Menge, berichtet der BUND-Sprecher. Alternative Brutplätze sollen die Vögel in den Kästen der Naturschützer finden. Dasselbe gilt für Steinkäuze. Die kleine Eulenart ist, laut Bernd Zürn, in der Region heimisch. Der BUND habe Röhren für die Käuze aufgehängt, in der Hoffnung, den Bestand damit zu erhalten.

Schleiereule Bild-Zoom
Schleiereule

Bereits zu spät könnte es mittlerweile für eine andere, größere Eulenart sein: Die Schleiereule ist aus der Region verschwunden. Obwohl entsprechende Nistkästen existieren, habe er schon seit Jahren kein Exemplar mehr gesehen, berichtet Zürn. Die Kästen zeigten schon lange keine Spuren mehr, die auf die Eulen hinweisen. Woran das liegt? „Wir wissen es nicht“, erklärt der Weilbacher.

Wieder verstärkt anzutreffen ist hingegen der Eisvogel. Durch die Renaturierung des Mainufers hat der BUND dem Tier mit dem blau schimmernden Gefieder die Nahrungssuche erleichtert. Außerdem haben die Umweltschützer Gänge in die seitliche Uferböschung des Wickerbaches gebohrt. Der seltene Vogel bevorzuge solche Steilufer als Brutplatz, weiß Zürn.

Toter Turmfalke

Mancher Vogel findet sein Zuhause nicht im Feld oder Wald, sondern mitten im Flörsheimer Altstadtkern: Erst vor wenigen Tagen wurde Bernd Zürn von Küster Wilhelm Bachmann alarmiert. „Du musst unbedingt mal vorbeikommen“, habe ihm der Verantwortliche für die Kirche St. Gallus gesagt, so der BUND-Aktive. Der Grund für den Anruf des Küsters war ein toter Turmfalke, der ein Einschussloch im Körper zu haben schien. Zürn begutachtete das Jungtier, dessen Alter er auf gerade einmal zwei Wochen schätzte. Die vermeintliche Schussverletzung entpuppte sich als ein Loch, das Wespen nachträglich in den toten Vogelkörper gefressen haben. Warum der Vogel vom Turm stürzte, kann der Naturschützer trotzdem nicht eindeutig sagen. Vielleicht sei der Vogel aufgrund von fehlendem Futter von seiner Mutter verstoßen worden. Im Kirchturm von St. Gallus fand Bernd Zürn jedenfalls noch drei kleine Geschwister des Turmfalken. Sie haben einen geräumigen Kasten bezogen, den Zürn vor rund dreißig Jahren für diesen Zweck baute. Beim anschließenden Besuch in der Kirche St. Josef entdeckte der BUND-Mann sogar fünf junge Turmfalken.

Blaumeise Bild-Zoom Foto: imago stock&people (imago stock&people)
Blaumeise

Etwas aufwändiger als die Installation von Nistkästen ist die Ansiedlung von Störchen. Der BUND hat mehrere Masten aufgestellt, auf denen die majestätischen Vögel ihre Nester bauen können. Viele Störche bevorzugen jedoch immer noch die Strommasten. Bei der Beringung der Vögel auf der Wickerer Deponie und in der Grube Christ stießen die BUND-Aktiven auf zwei Nester mit jeweils drei Jungvögeln. In diesem Jahr zählte Bernd Zürn so viel Storchennachwuchs wie nie zuvor. Im westlichen Main-Taunus-Kreis gebe es bisher schon 33 Jungstörche.

Die Fledermaus

Eine andere Tierart, die sich die Gegend mit dem Menschen teilt, kann leicht mit Vögeln verwechselt werden, es handelt sich um die Fledermaus. Ihr unruhiges Flattern wirke manchmal wie ein besoffener Vogel, meint Zürn, der die fliegenden Säugetiere im Sommer rund um Flörsheim gesehen hat. „Fledermäuse haben wir genug“, erklärt der Naturschützer. Ein Winterquartier im Weilbacher Wasserwerkswald werde allerdings nicht angenommen. Während der kalten Jahreszeit ziehen sich die Tiere, laut Zürn, in Höhlen im Hintertaunus zurück.

Schließlich kümmert sich der BUND auch noch um winzige Vertreter des Tierreichs: Der Ortsverband habe ein neues „Insektenhotel“ in der Nähe der Autobahn A3 aufgebaut, berichtet Bernd Zürn. Kleine Röhrchen und Kammern sollen den Insekten am Rand einer blühenden Wiese als Brutstätte dienen.

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