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Jagdpächter appelliert an Hundehalter: Von Hunden gehetzt: Reh bricht sich Genick

Von Jahr für Jahr werden während der Brut- und Setzzeit Rehe und andere Wildtiere von jagenden Hunden gestört. Teilweise mit tödlichem Ausgang – wie der Bad Sodener Jagdpächter Robert Schneider schildert.
Jagdpächter Robert Schneider mit seinem Rauhaardackel, der selbstständlich immer angeleint ist, wenn er mit  seinem Herrchen in Wald und Flur unterwegs ist. 	 Foto : Maik Reuß Foto: Maik Reuß Jagdpächter Robert Schneider mit seinem Rauhaardackel, der selbstständlich immer angeleint ist, wenn er mit seinem Herrchen in Wald und Flur unterwegs ist. Foto : Maik Reuß
Bad Soden. 

Robert Schneider ist ein Hundeliebhaber. Er genießt es, mit seinem munteren Dackel durchs Gelände zu streifen. Wohlgemerkt: Der kleine Hund ist dabei stets angeleint. Auch andere Hundehalter sollten ihre Vierbeiner an die Leine nehmen. Diesen Appell wiederholt Schneider seit nahezu zwölf Jahren gebetsmühlenartig. So lange ist Schneider Jagdpächter in Bad Soden. „Jahr für Jahr das Gleiche: Hunde, die Rehe zu Tode hetzen oder reißen.“

Jüngster, besonders grausamer Fall: Am 30. März wurde Schneider wieder gerufen. Auf einem Feldweg wurden drei Rehe von einem Hund gehetzt. Zwei der Tiere schafften es, eine scharfe Kurve zu nehmen, ein junger Rehbock nicht – ihm gelang es in der Panik nicht, die Richtung zu ändern, er prallte mit Wucht gegen einen Zaun und brach sich das Genick. Zeugen hatten den Vorfall beobachtet und Schneider gerufen. Schon vor drei Jahren kam ein Jährlingsbock auf der panischen Flucht vor einem Hund im Bereich Weißer Rain auf dieselbe Weise ums Leben.

„Wir Jagdpächter weisen jedes Jahr aufs Neue darauf hin, dass Hundehalter in der Brut- und Setzzeit, die von 1. März bis 15. Juni dauert, dafür sorgen müssen, dass sie dem Wild in Wald und Flur nicht zu nahe kommen, ihre Hunde anleinen und beaufsichtigen.“ Schneider erinnert daran, das gerade jetzt trächtige Rehe unterwegs sind. Der Jagdtrieb eines Hundes könne für diese Tiere, die durch ihren Zustand nicht mehr so beweglich sind und deren Fluchtmöglichkeit eingeschränkt ist, zur tödlichen Falle werden. Vor einigen Jahren wurde eine Ricke , die mit ihrem Kitz im Sodener Wald unterwegs war, von einem Hund gehetzt und dann totgebissen. Für das zurückgebliebene Kitz das Todesurteil, denn ohne Mutter verendet es elend.

Doch es sind nicht nur Rehe die durch jagende Hunde in Gefahr sind, sondern auch viele Vögel. Zahlreiche Arten brüten auf dem Boden, auf der Wiese, an Wegrändern, in Hecken oder Gebüschen. „Vertreibt ein freilaufender Hund beispielsweise die brütenden Elternvögel von einem Nest, können die Eier im Gelege auskühlen.“ Auch Hunde, die nicht wildern, können die Wildtiere stören oder gefährden: „Allein durch die Berührung eines Jungtieres kann sich der Geruch so verändern, dass die erwachsenen Tiere den Nachwuchs verstoßen.“ Hinzu kommt, dass Jungtiere, deren Eltern häufig das Nest verlassen müssen, ganz schnell Opfer von natürlichen Feinden werden oder einfach verhungern.

Immer wieder macht Robert Schneider bei Gängen durch sein Jagdgebiet uneinsichtige Hundehalter auf das Problem aufmerksam. „Nicht jeder reagiert freundlich“ ist eine Erfahrung, die er im Lauf der Jahre machen musste. So schlimm wie einem Jagdgenossen aus dem Nordhessischen, der nach einem freundlichen Hinweis von einem Hundehalter krankenhausreif geschlagen wurde, erging es ihm zwar bisher nicht, dennoch hat Schneider beobachtet, dass „die Leute teilweise immer rabiater werden“.

Selbstverständlich weiß Schneider als bekennender Hundefreund selbst, dass Auslauf zu einer artgerechten Haltung gehört. „Dennoch darf man nicht vergessen, dass man dafür den Lebensraum anderer betritt und muss darauf achten, dass die Hunde auf den Wegen bleiben.“ Dass häufig fehlende Erziehung der Tiere daran schuld ist, weiß er aus Erfahrung: „Wer unsicher ist, ob er einen Hund hält, der ein ausgeprägtes Jagdverhalten hat, sollte eine Hundeschule besuchen. Dort kann das Verhalten des Hundes im Freilauf überprüft werden.“

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