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Carneval Verein: Vor dem Finale verlässt ein Narr das FCV-Schiff und ein neuer Offizier geht an Deck

Von Urlauber, Matrosen, und sogar einige Meerjungfrauen bevölkerten die Stadthalle, als der Flörsheimer Carneval Verein (FCV) die Anker lichtete. Das närrische Kreuzfahrtschiff entführte seine Passagiere auf eine fünfstündige Rundreise zu Küsten der guten Laune. Dabei überquerte der FCV eine See stürmischer Gefühle.
Mit Musik und Konfetti wurde beim Flörsheimer Carneval Verein das Finale der „Schiff ahoi“-Sitzung in der Stadthalle eingeläutet. Foto: Hans Nietner Mit Musik und Konfetti wurde beim Flörsheimer Carneval Verein das Finale der „Schiff ahoi“-Sitzung in der Stadthalle eingeläutet.
Flörsheim. 

Auf dem Kreuzfahrtschiff des Flörsheimer Carneval Vereins, das in der Stadthalle ankerte, wurde herzhaft gelacht. Neben Freude und Ausgelassenheit erlebten die Gäste zugleich nachdenkliche Momente. So ging etwa ein langjähriger Aktiver für immer von Bord. Ein anderer Fassenachter, den mancher Briefeschreiber im Vorjahr über die Planke schicken wollte, wurde vom FCV zum Co-Moderator befördert.

„Ich bin in diesem Verein zuständig für das politische und kulturelle Niveau“, erklärte Dr. Marcel Biegler im Eröffnungsspiel der Sitzung. Für diese verantwortungsvolle Aufgabe wird sich der FCV künftig andere Aktive suchen. Denn Biegler verabschiedete sich mit seinem diesjährigen Programmpunkt von der Bühne, auf der er seit einem halben Jahrhundert steht. Ein letztes Mal arbeitete er als Programmdirektor humorvoll das Zeitgeschehen auf.

Der gescheiterten Jamaika-Koalition widmete Biegler den Filmtitel „Flucht aus der Karibik – Am Ende der Blamierung“. Die bayerische Union machte er zur CSSU – „Chaotische Seehofer Söder Umtriebe“. Auch US-Präsident Donald Trump bekam sein Fett weg: „In drei Jahren ist die Demenz so weit fortgeschritten, dass man ihm erzählen kann: Das waren acht Jahre – deine Zeit ist um.“

Marcel Biegler beendete seine Fastnachts-Laufbahn mit einer persönlichen Botschaft: Er sei nun 69 Jahre alt und habe seit 1969 jedes Jahr beim FCV auf der Bühne gestanden, erklärte der Fassenachter, bevor er sich mit dem Lied „Time To Say Goodbye“ verabschiedete. Auf dem Empfang in der Sitzungspause gab Präsident Hans Joachim Kunz zu, dass er eine Träne im Auge habe.

Ein anderer Aktiver weitete seine Präsenz auf der FCV-Bühne aus: Der Flörsheimer Pfarrer Sascha Jung spielte den Chef-Stuart und wechselte sich mit Hans Joachim Kunz bei der Moderation ab. Der Geistliche sorgte in der vergangenen Kampagne für Schlagzeilen und aufgebrachte Leserbriefe, weil einige Zuhörer die sexuellen Anspielungen in einem seiner Vorträge ärgerten. Jung zog die Konsequenz und stellte seine Solo-Auftritte ein.

Problem Zweideutigkeit

Beim FCV waren aber sowohl der Pfarrer als auch die Geschehnisse aus dem Vorjahr fester Bestandsteil des Programms. Anspielungen gab es gleich zu Beginn der Sitzung: Ein FCV-Aktiver trat als Restaurator für Heiligenfiguren auf, der „dem Nepomuk den Ständer polieren“ sollte. „Ich hab das schon in Eigenregie versucht“, warnte Sascha Jung. „Aber ich sage Ihnen: Sie kriegen nur Ärger.“

Später am Abend ließ der FCV das Klavier aufbauen und das närrische Kostüm des Pfarrers auf der Bühne präsentieren. Doch Jung spielte und sang nicht, sondern wandte sich an das Publikum: „Es tut mir leid, was letztes Jahr war“, erklärte Sascha Jung. Er habe schon als Kind Probleme mit Zweideutigkeiten gehabt, scherzte der Pfarrer. Wer bei seinen Vorträgen laut schreie, der solle aber auch mal die Stimme erheben, wenn die Menschlichkeit in der katholischen Kirche mit Füßen getreten werde, forderte Jung.

Rückhalt für den Pfarrer gab es im Protokoll von Gregor Stark: „Einige verunglimpfen und schennen und sind doch zu feige ihren Namen zu nennen“, reimte er. Stark konnte zudem die Politik des amerikanischen Präsidenten erklären: „Für Trump hat die Erderwärmung ihren Charme, denn ältere Herren haben es gerne warm“, verkündete der Protokoller.

Andy Ost hatte das Scherzen über den Mann im Weißen Haus hingegen aufgegeben: „Über Donald Trump macht man keine Witze mehr – da lacht man direkt.“ Die Jamaika-Koalition kommentierte er mit dem abgewandelten Bob-Marley-Song „No Lindner, no Cry“.

Jutta Schlosser verriet als russische Oligarchin ihre Regeln für eine Ehe: „Machst du einen Fehler, entschuldigst du dich, mache ich einen Fehler, entschuldigst du dich.“ Eheprobleme standen auch bei der „Gruppe Ohne Namen“ (GON) im Fokus. Angelika Kaus erläuterte, dass sie alleinstehend sei, weil sie sich zwischen Mann und Hund entscheiden musste. „Lasse ich mir das ganze Leben versauen oder nur den Teppich?“ Ein Mittel gegen Seekrankheit kannte Johannes Bersch, der den Passagieren Pfefferminzbonbons empfahl: „Die helfen zwar nicht, aber es schmeckt besser, wenn’s hoch kommt.“

Kokolores in der Bütt

Alltagssituationen überspitzt darzustellen, ist die Stärke von Jürgen Wiesmann und Hans Joachim Greb. Wiesmann klagte in der Rolle des Ernst Lustig darüber, Opa zu werden. Der FCV-Vorsitzende Greb berichtete in seinem Alter-Ego als „Hoppes“ von einer Italienfahrt und animierte das Publikum zum Mitsprechen. „Eins hat der Mann der Frau voraus – Schmerzen hält er besser aus“, reimte das Fastnachtsstar mit der roten Knollennase. Was Männer alles aushalten müssen, wusste der Begge Peder. „Wenn Männer erkältet sind, dann ist das schlimmer als eine Schwangerschaft“, tönte Peter Beck, der die Aida als „Plattenbau auf dem Meer“ bezeichnete. Sein Auftritt leitete das große Finale einer gelungenen Sitzung ein.

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