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Wallauer kontra Verwaltung

Von Die Bürger wehren sich massiv gegen den Bau günstiger Wohnungen am Festplatz. Auch der Ortsbeirat ist einmütig dagegen.
Wallau. 

Ganz am Ende, in der Bürgerfragestunde, lehnte sich Stadtrat Wolfgang Exner (CDU) recht weit aus dem Fenster. „Der Standort ist tot“, erklärte er, nach seiner persönlichen Meinung zu der Angelegenheit gefragt. Die meisten der mehr als 100 Zuschauer – so viele waren lange nicht bei einer Ortsbeiratssitzung gewesen – hatten zu diesem Zeitpunkt das ehemalige Rathaus zwar schon verlassen, die verbliebenen Wallauer aber bedachten Wolfgang Exners Äußerung um so heftiger mit Beifall.

Was der Magistrat insgesamt und die Stadtverordnetenversammlung dazu sagen, muss sich erst noch zeigen. Die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) und Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) hatten schließlich erst ein paar Stunden zuvor die Vorschläge präsentiert, an welchen Standorten relativ schnell gebaut werden könnte, (das Kreisblatt berichtete).

Zweierlei wird gebraucht: Erstens Unterkünfte für Flüchtlinge, denn es ist nicht abzusehen, wann der Zustrom von Asylsuchenden nachlässt. Und zweitens preiswerte Wohnungen, denn wer anerkannter Asylant ist, muss die vom Kreis betriebenen Unterkünfte verlassen und braucht eine Wohnung. Unabhängig von den Asylanten gibt es viele weitere Wohnungssuchende – die HWB hat mehr als 300 Namen auf ihrer Warteliste. Günstiger Wohnraum soll deshalb nicht nur für Flüchtlinge geschaffen werden.

Geplant ist, Flüchtlingsunterkünfte zu bauen, die zu gewöhnlichen Wohnungen umfunktioniert werden können, wenn sie für den ursprünglichen Zweck nicht mehr gebraucht werden. In Wallau sollen an der Weinbergstraße auf einem 1500 Quadratmeter großen Grundstück 1000 Quadratmeter Wohnfläche in zwei- bis dreigeschossiger Gebäuden entstehen. Dort wäre Platz für etwas mehr als 150 Asylsuchende, später könnten in dem Haus etwa ein Dutzend Wohnungen untergebracht werden.

„Wir stehen erst ganz am Anfang der Überlegungen“, erklärte Josef Mayr, Geschäftsführer der HWB, vor dem Ortsbeirat. „Es gibt noch überhaupt keine Entscheidungen“, erläuterte Erster Stadtrat Exner den Stand der Dinge. Der Festplatz solle weder in seiner Nutzung noch in seiner Größe eingeschränkt werden, betonte er.

Genau das glauben die Wallauer nicht. So fürchtet CDU-Mann Rudolf Görgen, dass eine Wohnbebauung direkt am Festplatz irgendwann Probleme für die dortigen Veranstaltungen bringen könnte. „Ich sehe nicht, wie der Festplatz unberührt bleiben kann“, so ganz ähnlich Harald Piazzi (SPD). Es handele sich um einen gesellschaftlich wichtigen Platz für Wallau, so Ortsvorsteher Benjamin Hauzel (CDU). Der Eingemeindungsvertrag besage, dass der frühere Sportplatz als öffentliches Gelände zu erhalten sei, so der Freie Wähler Oliver Vogt.

Jährlich gebe es dort mehr Veranstaltungen als die Kerb, gab Jonas Tresbach (SPD) zu bedenken. Er betonte, wie auch andere Ortsbeiratsmitglieder, diese Position richte sich nicht gegen die Flüchtlinge. Auch der Erste Stadtrat hatte das Engagement vieler Wallauer Bürger für die Betreuung der Flüchtlinge in der als Notunterkunft hergerichteten Ländcheshalle ausdrücklich gelobt.

Die Verwaltung hatte stadtweit mehr als 20 Standorte geprüft und vier davon herausgesucht, die mit Priorität verfolgt werden sollen. Das Gelände in Wallau hat – und das dürfte die weitere Debatte ebenfalls beeinflussen – den Vorteil, dass dort kein Bebauungsplan geändert werden müsste, sondern schnell ein Bauantrag gestellt werden könnte. Bei der Eilbedürftigkeit des Themas sicher ein Argument.

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