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Eschborn: Was in einem illegalen Container landet, ist weg

Wenn die neue Winterjacke versehentlich im Altkleidercontainer gelandet ist, ist die Wiederbeschaffung normalerweise gut möglich. Schlecht sieht es jedoch aus, wenn der Container unrechtmäßig aufgestellt wurde und kein Verantwortlicher zu erreichen ist.
Dieser illegal abgestellte Kleidercontainer wurde inzwischen umgestoßen. Mit dem roten Aufkleber droht die Stadt Eschborn nun ein Bußgeld und die Verschrottung an. Mit dem weißen Zettel an der Einwurfklappe bittet eine Frau um die Rückgabe ihrer versehentlich eingeworfenen Winterjacke. Foto: Stephanie Kreuzer Dieser illegal abgestellte Kleidercontainer wurde inzwischen umgestoßen. Mit dem roten Aufkleber droht die Stadt Eschborn nun ein Bußgeld und die Verschrottung an. Mit dem weißen Zettel an der Einwurfklappe bittet eine Frau um die Rückgabe ihrer versehentlich eingeworfenen Winterjacke.
Eschborn. 

Handy, Geldbörse, Ehering, Auto- oder Haustürschlüssel – das sind wichtige Dinge, die man keinesfalls verlieren möchte. Doch ab und zu landet so etwas versehentlich in einem Altkleidercontainer. Dies passierte einer Frau im November in Eschborn: Sie „entsorgte“ ihre neue Winterjacke in einem silbernen Container mit der Aufschrift „Altkleider & Schuhe“, aufgestellt an der Ecke Nordstraße / An den Krautgärten. Da sie keinen Hinweis auf den Betreiber am Container fand, klebte sie einen Zettel mit der Bitte um Rückruf daran, um ihre Jacke nach der Leerung zurückzubekommen.

Solche „Fehlwürfe“ sind keine Seltenheit, so registriert beispielsweise der Malteser Hilfsdienst bei seinen Containern etwa alle zwei Monate Bitten um Rückgabe von Kleidungsstücken. Josef Dorfner, Referent für Altkleider bei den Maltesern, berichtet: „Große Aufregung gab es einmal um einen Pelzmantel. Manche Menschen verwechseln eben auch einmal die aussortierten Klamotten mit jenen, die eigentlich in die Reinigung gehen sollen.“ In der Regel könne man in solchen Fällen innerhalb von 24 Stunden helfen; in Einzelfällen geht es auch schneller.

Geldbörse eingeworfen

Das bestätigt auch Stephan Racky, Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Main-Taunus: „Auf jedem unserer Container steht eine Telefonnummer von uns. Wenn man dort anruft, fährt ein Mitarbeiter sofort los, schließt auf und holt das Gesuchte heraus. Abends oder am Wochenende kann es natürlich ein bisschen länger dauern.“ Etwa alle sechs bis acht Wochen komme das vor.

„Einmal hat eine Frau aus Hochheim an einem Samstag aus Versehen ihre Geldbörse mit allen Papieren und Karten eingeworfen, wollte aber am nächsten Tag in Urlaub fliegen. Innerhalb von nur einer Stunde konnten wir ihr da helfen“, erzählt Racky. Etwa 80 DRK-Container, rot lackiert, stehen im Main-Taunus-Kreis. Sie werden mindestens einmal wöchentlich geleert, bei Bedarf öfter. Für Menschen, denen der Gang zu einem Container zu beschwerlich ist, bietet das DRK zudem einen Kleider-Abholservice an.

Wichtig findet Racky, dass auf jedem Container die Selbstverpflichtung notiert ist, die informiert, was mit den Spenden passiert. Denn während Unternehmen, die Container illegal aufstellen, die Kleidungsstücke und Schuhe gewinnbringend verkaufen, gehe es anerkannten sozialen Hilfsdiensten wie dem DRK darum, Altkleider als wertvolle Ressource und damit möglichst umweltgerecht zu behandeln. Noch brauchbare Spenden werden notfalls geflickt. Sie landen zusammen mit gut erhaltener Kleidung in der DRK-Kleiderkammer (Schmelzweg 5) in Hofheim oder in den Second-Hand-Läden in Eppstein (Burgstraße 27) und Hattersheim-Okriftel (Neugasse 19a).

Nur wenig ist echter Abfall

Beim Recycling und der Verwertung werden nicht mehr tragbare Textilien aufbereitet, beziehungsweise zu Dämm- und Polsterstoffen oder Putzlappen verarbeitet. Nur maximal ein Prozent wird wirklich beseitigt. Ein Schicksal, welches der Winterjacke der Eschborner Dame vermutlich nicht blühen wird. Allerdings ist es mehr als unwahrscheinlich, dass sie den Weg zurück zu ihrer Besitzerin finden wird, denn der Container, in den sie den falschen Sack gesteckt hat, ist nicht gekennzeichnet und ohne die erforderliche Genehmigung aufgestellt worden. Davon zeugte der am 2. November von der Stadt Eschborn aufgeklebte rote Zettel. Darauf wird der (unbekannte) Eigentümer aufgefordert, bis 1. Dezember den Container zu entfernen. Ansonsten würde dieser abgeholt, drei Monate verwahrt und dann verschrottet, außerdem drohe ein Bußgeld von bis zu 100 000 Euro – theoretisch zumindest. Denn dass sich der Aufsteller ermitteln lässt, ist kaum anzunehmen. Mittlerweile steht der Container unbeeindruckt aller bürokratischen Maßnahmen und Ankündigungen immer noch an Ort und Stelle, die Aufkleber sind entfernt worden – und vermutlich werden weiterhin Kleiderspenden eingeworfen.

Die Dame nimmt es sportlich: „Das war mein Fehler. Wenn die Jacke weg ist, kann ich nichts machen, aber einen Versuch war es auf jeden Fall wert. Vielleicht meldet sich ja jemand freundlicherweise, darauf hoffe ich. Ansonsten habe ich halt Pech gehabt.“

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