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Was kassiert Vogler?

Nicht nur einige Politiker wollen wissen, wie lukrativ das Geschäft ist, das der Rosenberg-Hotel-Besitzer mit dem Bauinvestor Wilma abgeschlossen hat.
Hofheim. 

Der Akteneinsichtsausschuss zum Thema Hotel am Rosenberg bewegt sich zurzeit mit angezogener Handbremse. Grund ist der Kaufvertrag zwischen der Firma des Hotelbesitzers Hans-Josef Vogler und der Firma Wilma. Der niederländische Baukonzern mit Sitz in Kriftel will im kommenden Sommer auf dem Hotelgrundstück mehrere große Wohnhäuser bauen. Dieser Vertrag habe nichts bei der Stadt Hofheim und schon gar nicht im Akteneinsichtsausschuss der Stadtverordneten verloren, meint Vogler, scheiterte aber, wie berichtet, mit dieser Ansicht vor Gericht. Der Kaufvertrag gehöre mit zu dem Themenkomplex „Hotel am Rosenberg“ und sei demnach dem Haupt-, Finanz- und Beteiligungsausschuss vorzulegen, verkündete das Verwaltungsgericht Frankfurt, denn der Kaufvertrag zähle mit zu den Verwaltungsvorgängen, die das Hotelgrundstück betreffen und dürfe daher von den Stadtverordneten eingesehen werden. Wie alle Vorgänge, die die Zeit bis Ende 2012 betreffen. Anders, so das Gericht, könne der Ausschuss seiner Kontrollfunktion nicht gerecht werden.

 

Beschwerde eingelegt

 

Vogler hat verständlicherweise wenig Interesse daran, dass sich die Stadtverordneten in seine Geschäfte mischen. Zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Deshalb ließ Vogler auch flugs über seine Adlaten streuen, dass man überlege, gegen das Urteil vorzugehen. 14 Tage hat er dazu Zeit, seine Beschwerde gegen den Beschluss ist aber schon vorgestern beim Gericht eingegangen. Aufschiebende Wirkung hat das nicht. Gabriele Förster, Sprecherin des Verwaltungsgerichts, stellt klar: „Der Spruch des Verwaltungsgerichts gilt, bis der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel etwas anderes entscheidet.“ Das wird, nach allen Erfahrungen mit dem VGH, dauern. Mindestens zwei bis drei Monate, wahrscheinlich aber noch länger, sagen Experten. Bis dahin ist der Kaufvertrag Bestandteil des Akteneinsichtsausschusses.

Vogler trägt derweil auf seine Art zur Aufklärung bei und lässt verbreiten, der einst vereinbarte Kaufpreis von rund 700 000 Euro sei nicht zu niedrig gewesen, denn für das Grundstück habe es ja noch das Erbbaurecht gegeben und die eine Million „Ablöse“, die er zahlen sollte, wenn er das Hotelgrundstück für Wohnbebauung veräußere, sei hinfällig, weil er wie vereinbart alles getan habe, um das Hotel zu erweitern, diese Pläne aber von Naturschutz- und Forstbehörden verhindert worden seien. 2010 hatte der Kreis die weitere Nutzung - also Rodung - von Wald untersagt. In der Folge wurde das Hotel dann für unrettbar erklärt und das Grundstück an Wilma verkauft. Um Druck zu machen, wird aus Voglers Umgebung bisweilen genüsslich verkündet, man könne das Hotel auch anders nutzen. In einer Bürgerversammlung der Linken am Rosenberg wurde auch noch klarer erklärt wie: nämlich als Großbordell oder als Flüchtlingsunterkunft.

 

Nachbarn hoffen

 

Aufgabe des von den Grünen beantragten Akteneinsichtsausschuss ist es herauszufinden, wie es dazu kommen konnte, dass das Grundstück so billig an Vogler fiel, der es dann so teuer weiterverkaufen konnte. Wobei der genaue Verkaufspreis noch nicht bekannt ist, sondern von Parlamentariern nur geschätzt wird - auf 6 bis 8 Millionen Euro. Der Verkaufsvertrag, der hierüber Aufschluss geben könnte, lag dem Ausschuss am Dienstag noch nicht vor. Es gibt, so Verwaltungsgerichts-Sprecherin Förster, aber keinen juristischen Grund, ihn zurückzuhalten.

Darauf, dass das alles ganz langsam geht, hoffen etliche Nachbarn des Hotels. Sie würden dort gern weiterhin ein Hotel sehen. Und wenn doch Wohnhäuser gebaut werden müssen, dann bitte möglichst kleine. Ihnen könnte die Zeit tatsächlich in die Hände spielen, denn unter den jetzigen Voraussetzungen ist niemand bereit, dort einen Bebauungsplan aufzustellen. Desto länger das Verfahren dauert, desto mehr Einfluss können sie auf das Ergebnis nehmen, hoffen die Anlieger. Oder sie finden doch noch jemanden, der das Hotel erhält und daraus eine Goldgrube macht.

(Hanspeter Otto)
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