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Feuerwehrleute beklagen mangelnden Dank: Wenig Respekt vor dem Ehrenamt

Von Wer sich ehrenamtlich engagiert und sogar seine Gesundheit aufs Spiel setzt, um anderen zu helfen, bekommt nicht immer den Respekt, den er verdient hätte. Das ist für die Sodener Feuerwehr eine aktuelle, aber keine neue Erfahrung.
Am 26. Februar war Feuerwehr wegen eines Schwelbrands im Augustinum im Großeinsatz. Foto: Maik Reuß Am 26. Februar war Feuerwehr wegen eines Schwelbrands im Augustinum im Großeinsatz.
Bad Soden. 

Stadtbrandinspektor Nick-Oliver Kromer erinnert sich noch gut an die Nachricht aus der Silvesternacht, dass im benachbarten Kelkheim Unbekannte sogenannte Dixi-Toiletten auf die Straße warfen, als sich Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr näherten. Das ist aber nur die Spitze des Eisberges, wie er aus eigener Erfahrung weiß. Feuerwehrleute werden bei Einsätzen beschimpft und bespuckt. Gaffer stehen im Weg, um mit dem Mobiltelefon Filmchen aufzunehmen. Und es ist Kromer auch schon passiert, dass sich Autofahrer absichtlich Feuerwehrfahrzeuge auf dem Weg zum Einsatzort blockierten.

Empörung im Netz

Und als wäre dies nicht längst schon mehr als genug, musste sich die Sodener Feuerwehr in der vergangenen Woche im örtlichen Wochenblatt auch noch den Vorwurf gefallen lassen, viel zu viel Aufwand wegen eines Brandes im Augustinum getrieben zu haben. Die Berichterstattung, wenn man sie so nennen will, hat zu erheblichen Protesten vieler Feuerwehrleute nicht nur aus Bad Soden geführt. Kromer hat den Kameraden zwar geraten, nicht noch Öl ins Feuer zu gießen, aber an den vielen empörten Äußerungen in den sozialen Netzwerken hat das nichts geändert.

Das „Hessische Brand- und Katastrophernschutzrecht“ ist die Grundlage für das Handeln der Feuerwehren – auch in Bad Soden,  stellen Stadtbrandinspektor Nick-Oliver Kromer (rechts ) und Bürgermeister Norbert Altenkamp klar. Bild-Zoom Foto: Knapp
Das „Hessische Brand- und Katastrophernschutzrecht“ ist die Grundlage für das Handeln der Feuerwehren – auch in Bad Soden, stellen Stadtbrandinspektor Nick-Oliver Kromer (rechts ) und Bürgermeister Norbert Altenkamp klar.

Dass manche Feuerwehrleute und Angehörige anderer Rettungsorganisationen im Tonfall etwas über das Ziel hinausgeschossen sind, ist verständlich – gerade vor dem Hintergrund der Erfahrungen, über die Kromer berichtet. Auch Sodens Bürgermeister Norbert Altenkamp beklagt, dass das Verständnis für die Arbeit der Rettungskräfte nicht ausreicht – sonst gebe es nicht Beschwerden darüber, dass die Feuerwehr mit Sondersignal zum Einsatz braust. Altenkamps Fazit: „Es fehlt der Respekt für Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren.“

Genaue Vorschriften

Es fehlen aber auch Kenntnisse darüber, wie solche Feuerwehreinsätze organisiert sind. Dafür gibt es genaue Vorschriften. Bei einem Brand in einem Gebäude, bei dem Menschenleben nicht Gefahr sind, rückt ein Löschzug aus – das sind drei Fahrzeuge mit einer Besatzung von 22 bis 24 Mann – Frauen sind auch dabei. Sind Menschen gefährdet, kommt ein zweiter Löschzug dazu. Bei einem Verkehrsunfall mit zwei Autos und mutmaßlich zwei Verletzten kommt ein sogenannter Rüstzug. Das sind ebenfalls drei Fahrzeuge, darunter ein Rüstwagen, der alle Werkzeuge dabei hat, mit denen man Personen aus Fahrzeugen befreien kann.

Das Augustinum ist als Seniorenwohnheim ein sogenannter Sonderbau. Dort wurde am vorvergangenen Sonntag ein Brand gemeldet, eventuell mit vielen gefährdeten Bewohnern. Da müssen nach dem geltenen Erlass drei Löschzüge kommen – mindestens. Genau so ist die Alarmierung ausgefallen. Dass sich die Situation dann weniger dramatisch entwickelte als befürchtet, das ließ sich bei der Alarmierung nicht absehen.

„Der Disponent in der Leitstelle muss doch vom schlimmsten Fall ausgehen“, sagt Kromer. Er wusste von einem bestätigten Brand im sechsten Stock eines Seniorenheimes. Er habe nicht ausschließen können, dass Menschen in größerer Zahl hätten evakuiert werden müssen. Wäre aus dem Schwelbrand ein richtiges Feuer geworden, das auf benachbarte Appartements übergriff, hätte eine Evakuierung schnell notwendig werden können. Müssen dann Einsatzkräfte nachalarmiert werden, kann es bis zu deren Eintreffen so lange dauern, dass die Evakuierung schief geht. Und nicht nur der Umfang einer eventuellen Evakuierung sei nicht absehbar gewesen, sondern man habe auch überhaupt nicht einschätzen können, wie mobil die betroffenen Bewohner sind. Im Augustinum wohnen auch Menschen mit Demenzerkrankungen, weiß Bürgermeister Altenkamp.

Keine Aufrechnung

Überhaupt nichts übrig hat Kromer für den Vorwurf, es seien Steuergelder verschwendet worden. Menschenleben gegen Kosten für Feuerwehreinsätze aufzurechnen, das geht aus seiner Sicht gar nicht. Viel ausgegeben haben die Rettungskräfte an diesem Tag ohnehin nicht – es war ein Sonntag, die meisten hatten frei, bekommen also keinen Verdienstausfall. Kromer erinnert daran, dass einige Kameraden am Vormittag schon bei einem Einsatz in Liederbach teilnahmen, viele Aktive auch bei den Fastnachtszügen waren – es handelte sich insgesamt um eine angespannte Situation. Da sei man schon froh, wenn genügend Einsatzkräfte verfügbar waren.

Natürlich werde immer nach solchen Einsätzen Bilanz gezogen, Verbesserungsmöglichkeiten gebe es immer, so Kromer. Aber an den bestehenden Vorschriften komme er nicht vorbei, an der Stelle könne es keine Diskussionen geben. Und wenn es um die Rettung von Menschenleben geht, treibt man sicherheitshalber lieber zu viel Aufwand als zu wenig.

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