Wenn ein "Nashorn" ins Auto knallt

An den Landstraßen bei Ruppertshain und Fischbach haben die "Streckenposten" jetzt die Fahrer informiert. Viele waren zu schnell unterwegs.
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Ruppertshain. 

Sie schlängeln sich durch die idyllische Landschaft und laden eigentlich zum genussvollen Fahren ein. Eigentlich. Die Realität sieht anders aus: Das Risiko, auf Landstraßen tödlich zu verunglücken, ist fast fünf Mal so hoch wie auf anderen Straßen. Deshalb stehen sie im Fokus des hessenweiten Verkehrssicherheitsprogramms "Sichere Landstraße 2012".

Eine der größten Unwägbarkeiten für Autofahrer, die auf Landstraßen fahren, sind Tiere. Die Zahl der Wildunfälle ist in Hessen den vergangenen Jahren wieder angestiegen. Vor allem in waldreichen Gegenden ist die Gefahr, dass ein Wildschwein oder Reh die Straße kreuzen, hoch. Kein Wunder also, dass die Polizei im Main-Taunus-Kreis das Thema in den Blickpunkt rückt – und zwar mit einer Aktionswoche, mit der sie Autofahrer sensibilisieren möchte. Und das taten sie am Zauberberg an der L 3369.

Nicht mehr als 60

Mehrere Stunden lang kontrollierten die Beamten Autofahrer an der vielbefahrenen Verbindungsstraße zwischen Ruppertshain und Königstein und machten sie auf die Gefahren von Wildunfällen aufmerksam. 60 Kilometer pro Stunde sind auf der kurvenreichen Strecke erlaubt. Dort hat sich einer Beamten mit einer Laserpistole postiert, um die Geschwindigkeit zu messen. Die Verkehrsschilder sind kaum zu übersehen. Einige hundert Meter weiter, kurz vor dem Zauberberg, stehen seine Kollegen. Per Funk kommunizieren sie mit ihrem "Streckenposten" und erfahren so, welches Fahrzeug zu schnell unterwegs ist und gestoppt werden muss.

Und das sind viele – wenngleich nicht jeder mit 95 Sachen unterwegs ist, wie der Autofahrer, der an diesem Nachmittag den traurigen Tagesrekord aufstellt. Drei Punkte in Flensburg werden da fällig, und teuer wird es auch. Wohlgemerkt: "Es geht bei dieser Aktion um Prävention und Aufklärung, wir wollen hier nicht abkassieren", betont Thorsten Nordholt, Leiter des Regionalen Verkehrsdienstes in Hattersheim. Aus diesem Grund stoppen die Beamten nicht nur Wagen, die zu schnell unterwegs sind.

Die meisten Verkehrsteilnehmer reagieren verständnisvoll und begrüßen die Aktion. Eine Pendlerin aus Königstein, die täglich hier fährt, gesteht: "Da gerät man in Routine und schaut nicht ständig auf den Tacho." Genau dies möchte die Polizei ins Bewusstsein rücken. Allein im MTK verzeichnete sie im Vorjahr 130 Unfälle, die im Zusammenhang mit Wild standen. "Bei der täglichen Fahrt durch ein gewohntes Umfeld schleicht sich Routine ein und dadurch auch eine gewisse Unaufmerksamkeit", weiß Polizeihauptkommissar Nordholt. Das hat fatale Folgen: Das Aufprallgewicht eines Wildschweins entspricht mit 3 Tonnen dem eines Nashorns. Schon der Zusammenstoß mit einem wesentlichen leichteren Rehbock beträgt das Aufprallgewicht knapp eine Tonne. "Man kann einen Wildunfall nur verhindern, wenn man seine Geschwindigkeit anpasst", macht Nordholt deutlich.

Je schneller man fährt, desto länger ist der Anhalteweg. Wer mit Tempo 80 unterwegs ist, wenn ein Wildtier auf die Straße springt, hat kaum eine Chance, den Zusammenprall zu verhindern. "Taucht in rund 40 Metern Entfernung ein Wildtier auf, reicht eine Vollbremsung nicht. Nach nicht mal zwei Sekunden kommt es mit einer Restgeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde zum Zusammenstoß. Wer sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 hält, kann indes noch rechtzeitig halten."

Am gefährlichsten ist es auf Landstraßen übrigens in den früheren Morgenstunden. "Zwischen 4 und 7 Uhr, wenn es dämmert, sind die meisten Wildtiere unterwegs", sagt Nordholt. Wer denkt, dass tagsüber keine Gefahr besteht – so wie einer der angehaltenen Autofahrer – irrt gewaltig. Vor allem nach der langen Kälteperiode wagen sich Rehe derzeit tagsüber aus dem Wald, um auf Futtersuche zu gehen. Äsendes Rotwild ist auf den Wiesen um Fischbach und Ruppertshain herum keine Seltenheit. Hinzu kommt, dass die Wildschweine sich immer näher an die Ortschaften wagen als früher.

CDs und Duftzäune

Die Polizei sowie die Kommunen und Straßenämter haben bereits viel unternommen, um die Strecken sicherer zu machen. Es wurden beispielsweise Blanko-CDs an Bäumen befestigt, um die Tiere durch die Lichteffekte vom Überqueren abzuhalten. An den Autobahnen wurden spezielle Wildzäune errichtet. "Entlang der L 3369 sowie entlang der L 3016 von Fischbach nach Ruppertshain haben wir blaue Reflektoren an den Leitpfosten installiert. Als wirkungsvoll haben sich außerdem Duftzäune erwiesen, die an prägnanten Stellen im MTK eingerichtet wurden", sagt Andreas Beese, Pressesprecher der Polizeidirektion Main-Taunus. Am heutigen Freitag werden die Beamten die Aktion an der L 3266 bei Bad Soden wiederholen.

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