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„Wenn es eine Möglichkeit gibt, werden wir weitermachen“

Musterkläger Johannes Mohr (links) verfolgt die Verhandlung geschockt. Bilder > Foto: Hans Nietner Musterkläger Johannes Mohr (links) verfolgt die Verhandlung geschockt.

Mit gemischten Gefühlen hat einer der Musterkläger aus der Mainstadt, Michael Keß (48), den Urteilsspruch des 9. Senats des Verwaltungsgerichtshofs entgegengenommen: „Auf der einen Seite bin ich davon enttäuscht, auf der anderen Seite haben wir nicht damit gerechnet, dass es eine andere Entscheidung als bisher geben wird.“ Wie berichtet, war die Stadt Flörsheim bereits vor einigen Wochen mit ihrer Klage gescheitert, den schweren Flugzeugen der Heavy-Klasse die Anflüge zur Nordwestlandebahn zu untersagen. Von den ursprünglich mehr als ein Dutzend Musterklägern blieben nur noch drei Ehepaare übrig. Die einst Klagewilligen waren aus Flörsheim weggezogen oder wollten nicht mehr gegen den Planfeststellungsbeschluss klagen, weil sie keine Chance mehr auf eine Änderung sahen.

Der Flörsheimer Michael Keß hat dazu eine andere Meinung. „Es geht um den Grundsatz, dass herabfallende Dachziegel eine Gefahr für Passanten sind. Davon bin ich als Fußgänger ja auch betroffen.“ Gemeinsam mit seiner Ehefrau Nicole (42) nahm Michael Keß an der mündlichen Verhandlung im Gerichtsgebäude am Gebrüder Grimm-Platz teil.

Die Ziegel auf dem Dach des Wohnhauses der Familie Keß an der Weilbacher Straße sind bereits geklammert. Die Maßnahme sei „unkompliziert“ realisiert worden, die Arbeitsabläufe hätten gut funktioniert. Unter anderem auch deshalb, weil sich die Nachbarin, deren Doppelhaus-Dach ebenfalls gesichert worden sei, mit darum gekümmert habe. Natürlich sei sie bereit gewesen, das Risiko zu minimieren, dass Ziegel durch eine Wirbelschleppe vom Dach gerissen werden. Doch es gebe ja schon einen indirekten Zwang, diese Maßnahme durchführen zu lassen, weil ja sonst die Hauseigentümer bei einem Schadensfall, bei dem ein Mensch verletzt werde, haften müssten.

Auffällig sei es, so Michael Keß, dass das Gericht fallende Dachziegel als ein Risiko bezeichne, aber anscheinend nicht als derart große Gefahr einschätze, dass den großen Maschinen der Überflug von Dächern in Flörsheim untersagt werde. Dessen ungeachtet werde aber von den Flörsheimern „die Bereitwilligkeit erwartet, das Dachklammerprogramm zu nutzen“, stellt Michael Keß fest. Für ihn wäre es überzeugender gewesen, wenn die Richter nach Flörsheim gekommen wären und sich die Verhältnisse angesehen hätten. So habe er das Gefühl, dass das Gericht die Angelegenheit nur nach der Aktenlage beurteile und sich hauptsächlich an Formalien gehalten habe. Dennoch: Aufgeben wollen Michael und Nicole Keß nicht. „Wenn es eine Möglichkeit gibt und wenn unser Anwalt eine entsprechende Auskunft gibt, werden wir weitermachen.“

Die Musterkläger Renate (53) und Johannes Mohr (56) sind ebenfalls enttäuscht von dem Urteilsspruch. Obwohl dem selbstständigen Steuerberater vorweg klar war, dass die Klage keinen Erfolg haben wird: „Es konnte eigentlich nur dieses Urteil rauskommen.“

„Geschockt“ habe ihn allerdings die Aussage des juristischen Vertreters des Hessischen Wirtschaftsministeriums, der einen vor Gericht zitierten Wirbelschleppen-Vorfall angezweifelt habe. Gleichfalls geschockt habe ihn die Ansicht dieses Anwalts, dass die Flughafenanwohner ja den Betrieb der Nordwestlandebahn „störten“.

Renate und Johannes Mohr haben ebenfalls die Ziegel auf dem Dach ihres Wohnhauses an der Eisenbahnstraße klammern lassen. Sie wählten die von der Fraport ebenfalls angebotene Kostenerstattungsvariante aus. Damit kamen auf sie aber umfangreicher Schriftverkehr und viel Ärger zu, wie sie vor Gericht erläuterten. Dies hatte das Ehepaar vorher so nicht im mindesten geahnt, trotz der „komplexen Materie“, wie Johannes Mohr sagt. Die Mohrs wollen weiterkämpfen. Sie setzen auf eine höchstrichterliche Entscheidung zum Eigentumsrecht, in das durch das Dachsicherungsprogramm massiv eingegriffen werde.

( meh)
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