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Wenn sich die Karotte über den „Veggie-Day“ beschwert

Ute Hiemann feierte Premiere bei der Lesung „Frisch aus der Schublade“. Auch für andere Autoren ist es ein prima Forum.
Ute Hiemann aus Bremthal feiert Premiere bei der Lesung »Frisch aus der Schublade«.	Foto: Nietner Ute Hiemann aus Bremthal feiert Premiere bei der Lesung »Frisch aus der Schublade«. Foto: Nietner
Eppstein. 

Was würde wohl eine Karotte zur Diskussion um den „Veggie-Day“ sagen? Begeistert, da ist sich Ute Hiemann sicher, wäre sie bestimmt nicht. In einer amüsanten Kurzgeschichte schildert die Bremthalerin fantasievoll die Gedanken einer erstaunlich selbstreflektierten Rübe. Sie befürchtet, dem Schicksal ihrer Artgenossen zu verfallen und kurzerhand im Kochtopf zu landen. Dass viele Menschen plötzlich meinen, eine Lebensmittelgruppe - das Fleisch - von ihrem Speiseplan streichen zu müssen, findet diese schmackhafte Wurzel einfach unfair.

Mit ihrem witzigen Einfall brachte Hiemann ihre Zuhörer bei „Frisch aus der Schublade“ zum Schmunzeln und erntete einen warmen Applaus. In kürzester Zeit habe sie die Geschichte geschrieben, erzählt die 56-Jährige. Die Kreativität zum Schreiben setzt Ute Hiemann quasi täglich in ihrer Arbeit um. Als Tagesmutter denkt sie sich für ihre Schützlinge schön mal Geschichten aus und gestalte Märchen aus der ganzen Welt zu Mitmach-Erzählungen um, an denen die Kinder ihre Freunde haben.

Bei dem Leseabend von (Hobby)-Autoren nahm Ute Hiemann das erste Mal teil. Dass sie, wie sie dem Kreisblatt vorher gestand, aufgeregt war, war ihr gar nicht anzumerken. Vielmehr stand sie selbstbewusst vor den rund 30 Gästen und las sehr pointiert.

 

14 Wagemutige

 

Silvia Planz-von Hein ist mit dem Abend in der Kemenate vollends zufrieden. Gemeinsam mit Sabine Schabicki organisierte sie „Frisch aus der Schublade“ bereits zum achten Mal. „Es war eine sehr gute Atmosphäre“, erklärte sie. Unter den 14 Autoren, die sich an das Stehpult wagten, waren sowohl Neulinge wie Ute Hiemann, als auch routiniertere Schreiber. Besonders freute sie sich darüber, dass das Niveau so hoch gewesen sei und es von Text zu Text eine Steigerung gegeben habe, erklärt Silvia Planz-von Hein. Berechnen lasse sich dies im voraus jedoch nicht, betont sie. Die Organisatoren wissen vorher ebenso wenig, wer zum Lesen kommt und welche Texte vorgetragen werden. In diesen Unwägbarkeiten läge allerdings auch der Reiz - für Autoren und Zuhörer.

Aus Sicht von Silvia Planz-von Hein hat sich gerade an jenem Abend gezeigt, wie wertvoll die Veranstaltung für die Autoren ist: Sie können sich hier austauschen und die Wirkung ihrer eigenen Texte beim wohlgesonnen, aber durchaus konstruktiv kritischen Publikum testen. Der Grund, dass „Frisch aus der Schublade“ sich stets großer Beliebtheit erfreut, liegt, so vermutet sie, darin, dass die Hemmschwelle so gering ist.

Tatsächlich: Da die Mehrheit mit der Aufregung zu kämpfen hat und weiß, welche Überwindung es kostet, die eigenen Texte zu präsentieren, wird nicht nur das Gelesene, sondern auch der Mut des Einzelnen von den Zuhörern mit Aufmerksamkeit und gebührendem Applaus honoriert.

Gerade die Tatsache, dass meist noch nicht jedes Wort perfekt gewählt oder die Textidee nicht immer ausgereift ist, könne inspirierend und ermutigend auf andere wirken, ihre eigenen Geschichten und Gedanken zu notieren, ist Silvia Planz-von Hein überzeugt.

(Melanie Taylor)
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