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Tierheim am Bauhof Kelkheim: Wer spendet für Sally und Co.?

Derzeit werden die Pläne noch einmal nachgebessert. Wann die Arbeiten beginnen können, steht aber in den Sternen. Der Verein sucht nach Sponsoren.
Sally schleicht über den Gang im engen Katzenhaus. Auf mehr Platz hofft das Tierheim dann am Kelkheimer Bauhof (kleines Bild).	Fotos: mkn/wein Sally schleicht über den Gang im engen Katzenhaus. Auf mehr Platz hofft das Tierheim dann am Kelkheimer Bauhof (kleines Bild). Fotos: mkn/wein
Kelkheim. 

Die Helfer aus dem Tierheim müssen nicht nur ihre Vierbeiner im alten Domizil am Zeilsheimer Weg betreuen – sie schieben auch so manche Sonderschicht. So legten sich einige Mitglieder des Tierschutzvereins auf dem Gelände der Entsorgungsfirma Kilb drei Nächte lang auf die Lauer, um dort streunende Katzen einzufangen. Nicht etwa, um sie ins Heim zu bringen: Die Vierbeiner wurden „nur“ sterilisiert und dann wieder in die Freiheit entlassen. Sechs oder sieben Katzen seien das gewesen, berichtet der Zweite Vorsitzende Roland Knab. Auch mit einem abgegebenen Hund gab es einige Arbeit.

Fertigbauweise

Vorstandsmitglied Knab fährt derzeit ebenfalls Sonderschichten fürs Tierheim. Allerdings mehr am Schreibtisch: Knab kümmert sich um die Planungen für den von der Politik genehmigten Neubau auf dem Gelände des Bauhofs in Münster. Wie berichtet, hat sich das Parlament nach langem Hin und Her für die Fläche mit knapp 1800 Quadratmetern entschieden. Sie ist aber vollkommen zugewuchert und grenzt an ein Areal, das der Reitverein Kelkheim nutzt. Der Verein habe sich für eine Firma entschieden, die dort in Fertigbauweise ein neues Tierheim errichten soll. Dieses Unternehmen sei den Kelkheimern vom Hessischen Tierschutzbund empfohlen worden und habe bereits ähnliche Projekte vorzuweisen, berichtet Knab zufrieden. Deutlich größer als die bisherigen Gebäude wird der Neubau allerdings nicht, bedauert Knab. Dabei bräuchte der Verein dringend mehr Platz, vor allem für eine zeitgemäße Quarantänestation.

Bausteine erwerben

Ganz billig wird das Vorhaben ohnehin nicht: Der Zweite Vorsitzende rechnet mit Kosten zwischen 240 000 und 280 000 Euro. Das sei aus dem Geldbeutel des Tierschutzvereins nicht zu stemmen. Daher geht die Gruppe um die Vorsitzende Rosemarie Hippel auf Sponsorensuche. Ziel ist es, die Firmen in der Umgebung anzuschreiben. Zudem soll es auf der Internetseite ein stilisiertes neues Haus geben, für das Interessenten Bausteine erwerben können. Auch sei es zum Beispiel möglich, dass ein ganzer Zwinger finanziert und dort eine Plakette des Spenders angebracht werden kann, kündigt Knab an. Beim Weihnachtsmarkt in Münster am Sonntag war der Verein wieder dabei, laut dem Club-Vize ist es zudem denkbar, sich regelmäßig auf dem Kelkheimer Wochenmarkt mit dem Projekt zu präsentieren. Schließlich sucht die Gruppe Helfer beim Ausbau des neuen Domizils – seien es Fliesenleger, Maler oder andere Handwerker.

Doch bis der erste Pinsel angesetzt werden kann, wird noch etwas Zeit vergehen. So ganz zufrieden ist der Tierschutzverein nämlich mit dem Tempo nicht. Da es sich bei der Fläche um eine ehemalige Mülldeponie handelt, seien sicher Untersuchungen und Auflagen nötig, fürchtet Knab.

Info: Viel Arbeit, wenig Unterstützung

Mit welchen Nöten die Helfer des Tierheims zu kämpfen haben, davon kann Vorsitzende Rosemarie Hippel ein Lied singen. Ein Fundhund, „ein Dauerkläffer“, saß zwei Tage im Zwinger, die Besitzer wurden längst benachrichtigt.

clearing

Ungeklärt sei die Frage eines Rückbaus des alten Tierheims. Zudem werde sich oberhalb des alten Standorts die Reifenfirma Nexen Tire ansiedeln, eine neue Erschließungsstraße soll kommen. „Die geht durch unser Katzenhaus“, weiß Knab und fragt mit Blick auf den Baubeginn der Firma: „Sind wir dann im Weg?“ Der Zweite Vorsitzende macht deutlich: „Uns drängt es schon.“

Dennoch rechnet Knab noch mit einem Start im Frühjahr 2015 – sofern die Finanzierung steht. Dafür die Gebühren der rund 220 Mitglieder zu erhöhen, davon hält das Vorstandsmitglied wenig. Das Gelände würde der Verein von der Stadt pachten. Und Knab sieht auch die Nachbargemeinde Liederbach beim Neubau in der Pflicht, schließlich landen die Tiere von dort ebenfalls in Kelkheim. „Da tut sich nichts“, bedauert er.

Liederbach wartet ab

Liederbachs Bürgermeisterin Eva Söllner bestätigt, dass in der Sache derzeit Funkstille herrsche. Der Tierschutzverein sei einmal mit seinem Anliegen im Rathaus vorstellig, weitere Entscheidungen seien aber nicht getroffen worden. Einen Beitrag zu einem Neubau zu leisten, sei aufgrund der finanziellen Situation der Gemeinde „ganz schwierig“, fürchtet Eva Söllner. Zu den laufenden Kosten leiste die Kommune aber auf Anforderung ihren Beitrag. Die Bürgermeisterin ist sich einer Verpflichtung der Gemeinde aber durchaus bewusst, schließlich sei Kelkheim als Tierheim die Anlaufstelle für Liederbach. Und darüber hinaus habe sie selbst zwei Katzen aus dem Heim. Somit dürfte hier das letzte Wort längst nicht gesprochen sein. Wie Kelkheims Bürgermeister Thomas Horn betont, würden die Pläne für den Neubau noch einmal nachgearbeitet. „Sie waren noch nicht genehmigungsfähig“, sagt er. Noch gibt es keine Baugenehmigung, hier der Verein in der Pflicht, sagt Horn. Einen städtischen Zuschuss zum Neubau habe er aber bereits in den Haushaltsentwurf 2015 aufgenommen. Das sei nun ein Thema für die Haushaltsberatungen und steht ob des vergrößerten Defizits „unter Vorbehalt“, wie Horn betont. Zudem müsse der Main-Taunus-Kreis den Bau dann erst einmal genehmigen, wenn die Pläne vorliegen. Wann denn der Startschuss für den Bau fallen könne, ist daher noch offen.

Wer helfen will, erreicht Knab unter roland.knab@gmx.de, (0 61 98) 57 71 00.

 

(wein)
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