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Wildtier: Wer zahlt fürs Einschläfern? Fuchs sorgt für Irritationen

Die Hofheimer Tierklinik gerät in die Kritik, nachdem die Hattersheimer Feuerwehr dort einen verletzten Fuchs von seinen Leiden befreien lassen wollte. Zunächst vergebens.
Foto: SYMBOLBILD Unbekannt (MA 68 LICHTBILDSTELLE/APA)
Hattersheim / Hofheim. 

Es war Fronleichnam, kurz nach 23 Uhr, als beim Okrifteler Jagdpächter Kai Wagner das Telefon klingelte. Am anderen Ende der Leitung meldete sich ein Polizist. Der Beamte berichtete dem Jäger, dass die Feuerwehr einen angefahrenen Fuchs in Hattersheim gefunden hat. Ein Feuerwehrmann stehe mit dem Tier vor der Hofheimer Tierklinik, wo man den Fuchs nicht behandeln wolle. Wagner solle das Tier deshalb zurück nach Hattersheim holen und erschießen.

Feuerwehr macht Druck

Das wollte der Jagdpächter jedoch überhaupt nicht einsehen. Er forderte die Feuerwehr am Telefon auf, weiter Druck bei der Klinik zu machen. Daraufhin sei das Tier dann doch noch von den Hofheimer Ärzten eingeschläfert worden, berichtet Wagner.

Die Hattersheimer Tierärztin Kirsten Tönnies kennt das Problem und ärgert sich über das Verhalten der großen Klinik. „Wenn ein Tierarzt ein Tier nicht einschläfern kann, sollte er seine Zulassung abgeben“, so die Veterinärin. Sie habe den Eindruck, dass bei Tierkliniken oft nur „Luxustiere“ gewünscht seien. Der Rest lande dann bei ihr.

Angst vor Tollwut unbegründet

Erst vor kurzem habe ein Mann mit einer verletzten Amsel vor ihrer Tür gestanden, weil die Klinik eine Behandlung verweigerte. Dass die Klinikärzte im Falle des Fuchses Angst vor Krankheiten wie der Tollwut gehabt haben könnten, weist Kirsten Tönnies als „absurd“ zurück. In Hessen gebe es schon lange keine Tollwut mehr.

Jagdpächter Kai Wagner erzählt, dass er sich anfänglich sehr über das Zögern der Klinik geärgert habe. Nachdem der Fuchs eingeschläfert wurde, habe sich ein Vertreter der Klinikleitung gemeldet und versichert, dass auch Wildtiere behandelt werden.

Es geht ums Geld

Wagner weiß allerdings von Problemen. Unter Jägern höre man öfter, dass Kollegen zu Kliniken gerufen werden, weil eine Hilfeleistung abgelehnt wurde. Dabei geht es auch um finanzielle Fragen: Der Jagdpächter berichtet, dass manche Tierärzte klagen, sie würden für Wildtiere kein Geld bekommen.

Dr. Kai Bessmann von der Hofheimer Klinikleitung bestätigt, dass die Feuerwehr an Fronleichnam gegen 23 Uhr einen Fuchs vorbei brachte, der im Hattersheimer Stadtgebiet gefunden wurde. Die diensthabende Kollegin sei davon ausgegangen, dass sie das Tier nur behandeln dürfe, wenn der zuständige Jagdpächter zustimmt, erläutert Bessmann. Die Kollegin habe Angst gehabt, sich strafbar zu machen.
Hinzu komme das Risiko, dass Füchse Krankheiten übertragen könnten. „Es kommt immer darauf an, wie hoch die Gefahr für uns ist“, erläutert Bessmann. Wenn es keine Anzeichen für eine Erkrankung gebe, werde das Tier jedoch behandelt. Die Tierärzte seien dazu verpflichtet, ein verletztes Tier zu erlösen.

Der Finder muss zahlen

Die Antwort auf die Frage, wer den medizinischen Eingriff bezahlt, ist kompliziert: Grundsätzlich gelte, dass derjenige, der eine Behandlung bestellt, auch dafür zahlt, erläutert Kai Bessmann. Dabei gebe es jedoch einen Unterschied zwischen Fund- und Wildtieren zu beachten: Haustiere, die ein Halsband tragen, gelten als Fundsache und müssen beim städtischen Fundbüro gemeldet werden. Dann müsse die Kommune entscheiden, ob sie die Behandlung bezahle.

Für Wildtiere müsse hingegen der Finder aufkommen, der das Tier an sich nimmt. In der Praxis gehe die Klinik lockerer mit diesen Vorgaben um. „Wir helfen dem Tier und lassen die Finder dann wieder gehen“, sagt Bessmann. Wenn ein Wildtier eingeschläfert werde, zahle die Klinik für die Entsorgung des toten Tieres. Die derzeitige Gesetzeslage sei nicht praxisnah. Nach Ansicht des Klinikleiters sollten die Behandlungskosten von den Kommunen übernommen werden.

(sas)

 
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