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Begehung mit Bürgerinitiative: Widerstand gegen Burgberg-Bebauung wird immer lauter

Von Die Initiative „Zum Erhalt des Bad Sodener Burgbergs“ hatte zu einem Rundgang über das Gelände eingeladen. Danach sollten die Fraktionen Farbe bekennen. Die Mehrheit von CDU und SPD steht in diesem Fall noch.
BI-Chef Lothar Höcker (blaues Hemd) zeigt bei der Begehung, wie die Bebauung aussehen könnte. Foto: Knapp BI-Chef Lothar Höcker (blaues Hemd) zeigt bei der Begehung, wie die Bebauung aussehen könnte.
Bad Soden. 

Das ist eine klare Ansage. 90 Prozent der Bürger, die zum Ortstermin am Burgberg neben dem Medico Palais gekommen waren, lehnen die geplante Wohnbebauung auf dem Wiesengrundstück zwischen Waldstraße und Schillerstraße ab. Fünf Einfamilien- oder Zweifamilienhäuser sind entlang der Schillerstraße vorgesehen sowie drei Blöcke mit Geschosswohnungen an der Waldstraße gegenüber dem Thermalhochhaus (wir berichteten). Lothar Höcker, Sprecher der Initiative „Zum Erhalt des Bad Sodener Burgbergs“, hatte eingeladen. Und die Resonanz war groß. Rund 50 Leute waren der Einladung gefolgt, dazu hatte die Initiative die Fraktionschefs gebeten, auch Parlamentschef Helmut Witt war dabei.

Schnell wurden bei der Führung entlang des Bebauungsplan-Geländes die Kritikpunkte der Teilnehmer deutlich. „Genau hier, wo wir stehen“, werde in Zukunft die grüne Lunge der Stadt enden, begann Höcker den Rundgang mit Blick auf die Hainbuchenhecke an der Waldstraße. Man müsse davon ausgehen, dass der gesamte Hang mit seinen 40 Bäumen für das Bauvorhaben gerodet werde. Wo sollen die geschätzten 80 Autos bleiben bei 40 Wohneinheiten? Dazu müssten Tiefgaragen in den Hang gebaut werden, mutmaßte Höcker.

Risse im Gebäude

Welche Folgen das für die Nachbarhäuser haben könne, hätten Bauschäden beim Bau des „Platanenhofes“ an der Kronberger Straße gezeigt. Das Grundwasser habe abgepumpt werden müssen, berichtete Dr. Peter Frank, der über Jahrzehnte seine Arztpraxis an der Waldstraße führte. Im Nebengebäude seines Grundstücks habe es Risse gegeben. Das wieder zu befestigen, habe ihn 82 000 Euro gekostet. „Die Alten wussten“, so Frank, dass sich in dem Gebiet sechs Quellen befänden. „Hier darf gar nichts hin gebaut werden“, forderte Ex-Landrat Bernward Löwenberg unter dem Beifall der Teilnehmer. „Lassen wir Andere bauen.“ Wem nutze das Ganze? Es werde Grundwasser- und Lärmprobleme geben, Kitas und Schulen müssten erweitert werden. Die Stadt und die hier wohnenden Bürger hätten nichts davon. Auch dafür erhielt Löwenberg Beifall.

„Nur Lamentieren“ führe zu nichts, meinte Heiner Kappel (BSB). Die Stadt sollte den Bebauungsplan so abändern, dass ein Investor kein Interesse an dem Grundstück habe. Denn der Eigentümer, behauptete Kappel, habe das Areal längst verkauft. Einige Stimmen plädierten dafür, die Stadt sollte das Medico Palais nicht wie vorgesehen verkaufen, sondern als Rathaus und zentralen Sitz der Verwaltung nutzen. Dazu könnte sie auch das Nachbargrundstück erwerben und als Grünfläche erhalten. Als ein Teilnehmer beklagte, dass die Entscheidungen in der Stadt seit Jahren wenig weitblickend und schlüssig getroffen würden, rief Höcker auf, zur „sachorientierten Diskussion“ zurückzukehren.

Modell zeigt Ausmaße

Bei der anschließenden Debatte im Medico Palais wurden die Fraktionsvorsitzenden aufgefordert, ihren Standpunkt zum Burgberg zu erklären. Die Grünen, sagte Annelie Koschella, hätten der Bebauung anfangs zugestimmt. Doch das Verkehrsproblem und die Bebauung dicht am geschützten Kurpark bereite ihnen Bauchschmerzen. Am besten sollte die Stadt das Grundstück nicht bebauen, meinte Sven Hahnel (FDP). Das 3 D-Modell mache deutlich, wie massiv die Bebauung aussehen werde. Gegen Bebauung und für den Erhalt des Grüns sprach sich Jonas Pradt (AfD) aus. Kappel schlug vor, den Bebauungsplan-Vorentwurf im Papierkorb zu entsorgen. Die CDU/SPD-Koalitionäre treten beide für die Wohnbebauung auf dem Burgberg ein. Für ihre Fraktion bedeute der jetzige Vorentwurf die „Obergrenze“, erklärte Birgit Czinkota. Die CDU könne sich vorstellen, reduzierter zu bauen. Doch dem Grundstückseigentümer könne die Stadt nicht verbieten zu bauen, das käme einer „Enteignung“ gleich. Dass die Kommune die Bebauung noch auflockern könne, dem stimmte SPD-Mann Jan Willemsen zu. Seine Fraktion unterstütze „Wohnen für alle“: sowohl Luxuswohnungen wie hier am Burgberg als auch sozial verträglichen Wohnraum, wie auf dem ehemaligen Reitplatzgelände vorgesehen. Eins haben die Initiatoren der Veranstaltung am Mittwochabend erreicht: Alle Beteiligten wollen im Gespräch miteinander bleiben und das weitere B-Planverfahren transparent begleiten.

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