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Hanna Bekker vom Rath: Wie Hofheim zur Kunststadt wurde

Von Heute vor 125 Jahren wurde die Künstlerin, Sammlerin und Mäzenin Hanna Bekker vom Rath geboren. Für die Hofheimer Kunstszene des 20. Jahrhunderts war sie die zentrale Figur. Ebenfalls heute erscheint eine Biografie, die Marian Stein-Steinfeld geschrieben hat.
Autorin Marian Stein-Steinfeld neben einem Gemälde ihrer Großmutter Hanna Bekker vom Rath im Hofheimer Stadtmuseum. Archivfoto: Maik Reuß Autorin Marian Stein-Steinfeld neben einem Gemälde ihrer Großmutter Hanna Bekker vom Rath im Hofheimer Stadtmuseum. Archivfoto: Maik Reuß
Hofheim. 

Ihr Buch basiere vor allem auf dem Material aus ihrem eigenen Archiv, sagt Marian Stein-Steinfeld. Da kann man schon davon ausgehen, dass sie über sehr persönliche Unterlagen aus der Familie verfügt, denn sie ist die Enkelin der Hanna Bekker vom Rath. In dem Punkt ist sie anderen, die über die Künstlerin und Kunstförderin geschrieben haben, ein Stück voraus.

Da ist zum Beispiel der Briefwechsel mit ihrem Ehemann, dem Kunstkritiker und späteren Theaterintendanten Paul Bekker. Die beiden heirateten 1920, hatten drei gemeinsame Kinder, trennten sich nach sieben Jahren aber wieder. In den Briefen tauschen sich die beiden vor allem über Kunst aus, über Ausstellungen und Konzerte, über Künstler, mit denen sie Kontakt hatten. Es wird deutlich, welche Rolle die Kunst für die Beziehung spielte, aber es gibt auch Einblicke in die Vernetzungen der Kunstszene in den 1920er Jahren.

So malte Hanna Bekker vom Rath die Lederfabrik im Lorsbacher Tal. Bild-Zoom Foto: Herbert Fischer
So malte Hanna Bekker vom Rath die Lederfabrik im Lorsbacher Tal.

Das ist nicht unbedingt alles neu, auch nicht alle anderen Teile des heute erscheinenden Buches. Aber sie habe viel mehr in die Tiefe gehen können, viel mehr Details aufgenommen, sagt Marian Stein-Steinfeld. Dass diese neue Biografie über ihre Großmutter bereits alle Facetten erfasst, glaubt sie nicht. Sie habe sich auch deshalb auf ihr Archiv konzentriert, weil sonst niemand ohne weiteres Zugang dazu hat. Umgekehrt würde sie sich aber freuen, wenn andere in anderen Archiven neue Erkenntnisse gewinnen könnten. Seit 20 Jahren trage sie die Idee einer Biografie mit sich herum, konkret daran gearbeitet habe sie seit 2010.

Hanna Bekker wurde 1893 geboren, in ein großbürgerliches Milieu hinein – ihr Vater gehörte dem Aufsichtsrat der Farbwerke an, ihre Mutter hatte enge Verbindungen zur Kunstszene. So kam der Kontakt zu der in Hofheim lebenden Künstlerin Ottilie Roederstein zustande, und damit der Kontakt nach Hofheim. Sie wurde Schülerin der Roederstein, ließ sich dann in Stuttgart bei Ida Kerkovius und Adolf Hoelzl weiter bilden. 1920 kaufte sie das sogenannte Blaue Haus am Kapellenberg. Was zur Folge hatte, dass Hofheim bis zu ihrem Tod, ungeachtet einiger auswärtiger Aufenthalte, zum örtlichen Lebensmittelpunkt wurde. Ausschlaggebend war sicher auch die enge Freundschaft zu Roederstein – noch 1937 unternahmen die beiden zusammen eine Reise nach Paris.

Hanna Bekker vom Rath im Jahr 1946, fotografiert von Marta Hoepffner,
Info: Das Buch und die Ausstellung

„Hanna Bekker vom Rath. Handelnde für Kunst und Künstler“, heißt das Buch über die lange in Hofheim lebende Künstlerin und Sammlerin Hanna Bekker vom Rath, das von heute an im Buchhandel, aber auch im Stadtmuseum verkauft wird.

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Wer sehr an der Person Hanna Bekker von Raths interessiert ist, der wird viel Neues lesen können über die heimlichen Kunstausstellungen, die sie im Berlin der 1940er Jahre von ihrer dortigen Atelierwohnung aus organisierte. Aus Hofheimer Perspektive ist natürlich interessanter, welchen der von den Nationalsozialisten verfemten Künstlern sie in Hofheim Unterschlupf bot und welche Künstler sie dort auch danach zusammenführte. 1947 gründete sie das Frankfurter Kunstkabinett, und viele Künstler, die diese Galerie besuchten, lud sie nach Hofheim ein. Karl Schmidt-Rottluff gehörte dazu, Ernst Nay, Ida Kerkovius, Alexej von Jawlensky und andere.

Natürlich hat sie auch die einheimische Kunstszene inspiriert. Und es hat auch mit ihr zu tun, dass sich andere bekannte Künstler in Hofheim niederließen. Zu nennen ist etwa der Expressionist Ludwig Meider, der in Marxheim lebte. Es dürfte auch kein Zufall sein, dass die Fotografin Marta Höpfner ihre Fotoschule in einer Villa eröffnete, die praktisch gegenüber dem Blauen Haus lag.

Türen für alle geöffnet

Hanna Bekker vom Rath hat auf diese Weise Hofheim zu einer Kunststadt gemacht. Ohne sie wäre es kaum dazu gekommen, dass in dem vor 25 Jahren eröffneten Stadtmuseum die bildende Kunst eines von drei Schwerpunktthemen wurde.

Erlebt hat sie das nicht mehr. Hanna Bekker vom Rath starb wenige Wochen vor ihrem 90. Geburtstag am 8. August 1983. Der Kunstverein unterstrich aus diesem Anlass noch einmal ihre Bedeutung für die Stadt. „Nach dem Krieg wurden die Türen auch für die Hofheimer Bevölkerung geöffnet; Musik- und Theatervorstellungen, Literatur- und Diskussionsabende brachten in den damals kulturell wenig belebten Ort einen Hauch von Urbanität.“ Das wirkte lange nach – möglicherweise bis heute?

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