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Neues Tierheim in Kelkheim: Wie Zweibeiner Vierbeiner retten

UKW und FDP waren in Bauausschuss und Parlament am Montag mit ihrem Favoriten gescheitert: dem „Plaul“-Grundstück am Toom-Markt.
Heike Brandt mit Hund "Peggy" und Dieter Friedrich mit Odysseus gehen "gassi". Bilder > Foto: Knapp Heike Brandt mit Hund "Peggy" und Dieter Friedrich mit Odysseus gehen "gassi".
Kelkheim. 

Es wurde noch einmal hin und her diskutiert – in gleich zwei Gremien in einem Abstand von nur zwei Stunden, dabei mehrmals in die rhetorische Kiste gegriffen und politisch ausgeteilt. Schließlich ist ja bald Bürgermeister- und 2016 dann Kommunalwahl. Doch mit Blick auf diese beiden Ereignisse wurde das Thema „Tierheim“ zum Glück abgeräumt: Das neue Domizil für die Vierbeiner soll auf dem Parkplatz direkt vor dem bisherigen, erheblich in die Jahre gekommenen Haus am Zeilsheimer Weg entstehen („Nullvariante“) – und von bisher 800 nun eine Fläche von 1400 Quadratmetern erhalten. Das haben zuerst der Bauausschuss und später das Stadtparlament mit den Stimmen von CDU und SPD entschieden.

UKW und FDP hatten sich für eine andere Variante, das sogenannte „Plaul“-Grundstück an der Paul-Ehrlich-Straße gegenüber vom Toom-Markt, ausgesprochen. Die Liberalen hatten zudem vergeblich beantragt, es erst mit der „Plaul“-Version zu versuchen. Sollte es nach sechs Monaten dann noch keine Baugenehmigung geben, könnte immer noch auf die „Nullvariante“ umgeschwenkt werden, regten sie an. Die „große Koalition“ spielte da allerdings auch nicht mit.

Die Eckpunkte des Projektes wurden dann meist einstimmig beschlossen: Demnach wurde der Beschluss vor einem Jahr, das Tierheim am Bauhof zu errichten, wegen verschiedener Hürden (wir berichteten) wieder aufgehoben. Die Stadt wird dem Tierschutzverein für das Vorhaben einen Zuschuss von maximal 100 000 Euro zur Verfügung stellen. Mehr sei für die Erschließung nicht notwendig, betonte Bürgermeister Thomas Horn (CDU). Zudem soll es einen sogenannten Gestattungsvertrag über 20 Jahre geben. So lange bekommt der Tierschutzverein an der Stelle Planungssicherheit. Die Gremien beschlossen, dass mit den Nachbarorten über eine finanzielle Beteiligung zu verhandeln ist. Eppstein und Liederbach wurden vor einigen Wochen bereits angeschrieben. „Die Euphorie hält sich in Grenzen“, sagte Horn ob der bisher fehlenden Reaktionen darauf. Zudem soll nun Hofheim kontaktiert werden. Schließlich haben Ausschuss und Parlament den Sperrvermerk für den Tierheim-Bau aufgehoben.

Info: Anwohner schalten Anwalt ein – Verein bietet ...

Sollte es zu einer positiven Abstimmung des Geländes (Parkplatz Tierheim) kommen, werden wir Einspruch erheben.“ Das schreiben die Anwohner des Tierheims am Zeilsheimer Weg, Rosemarie Demmer sowie

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Doch trotz aller Einigkeit über die Rahmenbedingungen: Um den Standort wurde noch einmal kräftig gerungen. „Wir schießen hier das Geld zum Fenster raus. Das ist unbegreiflich. Ich weiß gar nicht, wie wir das den Bürgern erklären sollen“, wetterte Patrick Sonnentag (FDP) mit Blick auf die „Nullvariante“, die im zweiten Bauabschnitt des Gewerbegebiets liegt und ohne deren Vermarktung der Stadt gut 250 000 Euro durch die Lappen gehen. „300 Meter weiter oben haben wir den ,Plaul’, der uns nix kostet. Das ist Arrondierungsgebiet. Aber das wird alles vom Tisch gewischt“, schob er im Parlament hinterher. Laut FDP ist für „Plaul“ im Außenbereich binnen maximal vier Monaten eine Baugenehmigung zu bekommen, sagte Sonnentag. FDP-Fraktionschef Heinz Kunz erklärte später, dass ja eigentlich der Bauhof der Favorit der Liberalen sei.

UKW-Frau Doris Salmon wies auf die Gewerbesteuer hin, die der Stadt ohne gewerbliche Nutzung entgehe. Auch sieht sie im Falle einer Klage der Nachbarn (siehe „Info“) eine erhebliche Verzögerung des Projektes an diesem Standort. Und sie ärgerte sich, dass seit dem letzten Beschluss ein Jahr vergangen sei: „Das haben wir alles der CDU zu verdanken, die wollte unbedingt an den Bauhof.“ Schließlich kritisierte sie den Gestattungsvertrag: Der Verein investiere eine Menge Geld in das neue Haus – und müsse mit der Ungewissheit leben, vielleicht nach 20 Jahren wieder umziehen zu müssen. „Sie versuchen da, den Leuten Sand in die Augen zu streuen“, monierte die UKW-Vertreterin vor den Stadtverordneten. Der Vorschlag der FDP hingegen, erst auf „Plaul“, dann auf die „Nullvariante“ zu setzen, habe „einen gewissen Charme“.

Mit CDU und SPD war da aber nichts zu machen. Da das „Plaul“-Grundstück im Außenbereich liege, sei es „hasadeurhaft und unseriös, sich auf eine Zeitachse festzulegen“, sagte Baufachmann Peter Größlein (CDU). Der Zustand des Tierheims sei noch schlechter als „grenzwertig“, daher müsse jetzt schnell gehandelt werden. Katrin Wagner von der SPD ließ auch die Union und die Verwaltung nicht verschont, sprach von einem „absurden Entscheidungsprozess“ mit fehlender Wertschätzung für die Tierschützer. „Beim Bauhof-Grundstück war jedem bekannt, dass es sich um eine Altdeponie handelt und dort keine Leitungen liegen.“ Die Verzögerung sei „völlig überflüssig“, schimpfte Wagner: „Die Bürger müssen sich doch vorkommen wie in einem Kasperletheater.“ Das ging in der Sitzung mit einigen Redebeiträgen munter weiter. Schon im Ausschuss hatte sich Thomas Horn gewundert: „Dass die Grünen jetzt den Außenbereich entdecken, ist eine neue Erfahrung.“

 

Zwölf Standorte geprüft

 

Er warnte davor, ein Bauen in solchen Regionen allzu euphorisch zu beurteilen. Nach der Prüfung von insgesamt zwölf Standorten habe sich keiner als unfehlbar herausgestellt. Eine Entscheidung bis zum St. Nimmerleinstag könne er nicht verantworten: „Es ist schwierig, wenn solche Projekte in einen Wahlkampf kommen.“ Und schob hinterher: „Wir haben da auch nix getrickst.“

Frank
Umsonst herumgeeiert

Wie lange der Tierschutzverein schon für ein neues Haus kämpft, das weiß wohl nicht einmal der amtierende Vorstand genau. Doch wer das Domizil am Zeilsheimer Weg schon mal besucht hat, der wird

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