Wie viel Arbeit braucht das Dach?

Viele Hauseigentümer sind verärgert darüber, dass sie ihre Dächer eventuell überarbeiten lassen müssen. Dies ist dann der Fall, wenn eine Klammerung ansonsten nicht möglich wäre.
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Flörsheim. 

Die Stadt Flörsheim hat das hessische Wirtschafts- und Verkehrsministerium aufgefordert sicherzustellen, dass die Fraport AG die Bestimmungen der kürzlich erlassenen Planergänzung einhält. Der Flughafenbetreiber will der in der Planergänzung verfügten Finanzierungspflicht für die Sicherung von Dächern gegen Wirbelschleppen nur unter bestimmten Bedingungen nachkommen. Dies erachtet die Stadt Flörsheim als nicht vereinbar mit dem Inhalt der Planergänzung.

So fordert Fraport beispielsweise von Hauseigentümern, dass diese auf eigene Kosten ihre Dächer in einen Zustand versetzen müssten, der eine Klammerung der Ziegel überhaupt erst erlaube. Darüber hinaus will die Fraport AG in Fällen, bei denen aus technischen Gründen eine Neueindeckung des Daches unvermeidlich ist - etwa bei mit Schiefer gedeckten Dächern - die Kosten für das neue Deckmaterial nicht übernehmen.

Weiter macht der Flughafenbetreiber zur Bedingung, dass die Gebäude und deren Dächer nach den bauplanungs- und bauordnungsrechtlichen Bestimmungen errichtet worden sind. Schließlich sollen die Antragsteller auch eine Baugenehmigung vorlegen. All diese Einschränkungen sind nach Auffassung des Magistrates der Stadt Flörsheim durch den Inhalt des Planergänzungsbeschlusses nicht begründbar. „Die Fraport schränkt mit den von ihr aufgestellten Bedingungen die Rechte vieler Anspruchsberechtigten ein. Im Interesse der Sicherheit ihrer Bürger fordert die Stadt Flörsheim deshalb das Verkehrsministerium auf, diese Vorgehensweise der Fraport zu unterbinden“, erklärt Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD).

Darüber hinaus fordert der Rathauschef das Ministerium auf, öffentlich zu erklären, dass alle Bürger, die Ansprüche auf Dachsicherung geltend machen können, von einer später möglicherweise gegenüber der Planergänzung verbesserten Rechtslage profitieren können. Also unabhängig davon, ob sie gegen die Planergänzung geklagt haben oder nicht. Die Planergänzung erlangt am 17. Juli Rechtskraft für alle, die sich nicht gerichtlich dagegen gewehrt haben.

„Ortsübliche“ Sicherung

Rechtsanwältin Ursula Philipp Gerlach hatte am Montagabend beim Infoabend des Vereins „Für Flörsheim“ auf die „gesetzlich vorgeschriebene Sorgfaltspflicht für Hausbesitzer“ hingewiesen. Außerhalb der Anflugschneise genüge in Flörsheim eine Dachdeckung, die den Anforderungen der Windlastzone 1 entspreche. Durch den Planergänzungsbeschluss könne jedoch nun die Frage aufkommen, was in der betroffenen Zone als „ortsübliche“ Sicherung gelte, erläuterte die Juristin. Eine zivilrechtliche Schadensregulierung wollte sie deshalb im schlimmsten Falle - wenn also Wirbelschleppen den Sturz von Dachziegeln verursachen und diese dann Menschen verletzen - nicht ausschließen. Für die betroffenen Hauseigentümer innerhalb der „Dachsicherungs-Zone“ ist damit eine kuriose Situation eingetreten. Niemand weiß so recht, was derzeit juristische absolut korrekt und richtig ist. Auch in bautechnischer Hinsicht gibt es viele unbeantwortete Fragen. Denn die Dachdeckermeister erklärten beispielsweise, dass keine gesetzlich definierte Vorgabe vorhanden ist, die zum Beispiel genau die Stärke der Klammerung vorschreibt. Und ob bei sehr starken Wirbelschleppen immer eine Klammerung der Dachziegel hilft, ist ebenfalls noch unklar. In diesem Zusammenhang mutet es fast wie ein Witz an, das offiziell noch immer untersucht wird, ob es Wirbelschleppen waren, die in der Flörsheimer Innenstadt die Dachziegel von den Häusern hat fallen lassen. Das Phänomen Wirbelschleppen ist in der Luftfahrt unbestritten, im Ausland genau so wenig wie in Deutschland. Nur einige Ministerien haben mit dem Verständnis für diese Folgen von Luftverwirbelungen offensichtlich noch Probleme. Der von der Stadt Flörsheim beauftragte Dr. Martin Schröder, der ebenfalls beim Infoabend des Vereins „Für Flörsheim“ auf Podium saß, hatte auch die Voraussetzungen kritisiert, die in der Planergänzung für den Anspruch auf Dachklammerungen festgelegt werden. Das festgelegte Anspruchsgebiet sei nämlich viel zu eng gesteckt. Schröder wies darauf hin, dass die Grenze der Anspruchszone direkt entlang der Plattstraße verlaufe, die sich mit bisher zwei Fällen als besonders stark betroffenes Gebiet erwiesen habe. Eine weitere Vorgabe die Schröder als „abwegig“ bezeichnete, sei die Festlegung, dass nur Kosten für Dächer übernommen werden, die vor dem 23. März 2007 errichtet wurden.

Falsche Theorie

Das hessische Wirtschaftsministerium berufe sich darauf, dass die Unterlagen zur Planfeststellung an diesem Tag erneut ausgelegt worden seien und Hauseigentümer ihre Dächer daraufhin ja gegen Überflüge sichern konnten. Martin Schröder betonte, dass die damaligen Unterlagen den Eindruck erweckt hätten, es sei keine Gefahr für Gebäude zu erwarten. Das Wirbelschleppengutachten war zu dem - offensichtlich falschen - Ergebnis gekommen, dass eine Wirbelschleppe in einem Wohngebiet statistisch nur einmal in zehn Millionen Jahren vorkommen werde. In Flörsheim wurde diese Theorie widerlegt.

(meh,sas)
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06.07.2013
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