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Fallende Ziegel bei Landeanflug: Wirbelschleppe beschädigt Dach

Es gehört fast schon zum Alltag in Flörsheim, dass im Norden und Nordosten der Stadt reihenweise Ziegel von den Dächern purzeln, wenn in niedriger Höhe Flugzeuge diese Bereiche überfliegen.
Die Dachziegeln zerbrachen nach dem Sturz auf dem Hof. Bilder > Die Dachziegeln zerbrachen nach dem Sturz auf dem Hof.
Flörsheim. 

Das Haus in der Riedstraße 75 ist eines der letzten Gebäude vor dem Feldrand im Flörsheimer Nordosten. In unmittelbarer Nähe zum Neuen Friedhof ist dies eigentlich eine besonders ruhige Wohngegend. Seit der Eröffnung der Nordwest-Landebahn im Jahr 2011 düsen die im Landeanflug befindlichen Flugzeuge jedoch in niedriger Höhe über das Wohngebiet hinweg.

Der Lärm der Turbinen ist dabei nicht die einzige Belastung für die Anwohner unter der Einflugschneise. Am Donnerstagnachmittag kam es in der Riedstraße zu einem Wirbelschleppen-Schaden. Luftwirbel, die durch einen Überflug ausgelöst wurden, rissen ein Loch in das Dach der Hausnummer 75 und hinterließen zudem im Hof ein Bild der Zerstörung. „Das ganze Haus hat gewackelt“, berichtet die 14 Jahre alte Alina Weindorf, die zum Zeitpunkt des Vorfalls zu Hause war. „Es klang so, als würde in weiter Ferne eine Bombe runterkommen“, erzählt das Mädchen.

28 Vorfälle seit Eröffnung der Nordwest-Landebahn

Der jüngste Wirbelschleppen-Schaden in der Riedstraße 75 sei der 28. Vorfall dieser Art in Flörsheim seit Eröffnung der Nordwest-Landebahn im Oktober 2011, erklärte Bürgermeister Michael

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Nachdem sie gegen 14 Uhr den lauten Knall gehört hatte, lief sie sofort an die Tür. Was sie im Hof vorfand, wirkte äußerst beunruhigend: Ziegel waren vom Dach gerutscht und hatte eine Überdachung im Hof komplett durchschlagen. Scharfkantige Teile des Plastiks hingen in Fetzen herab, während Trümmer von Ziegeln sowie weiteren Dachteilen mehrere Meter weit über den Hof verstreut lagen. Ein kleiner Osterhase aus Holz, der von den Stufen vor der Haustür geweht wurde, hatte es ebenfalls erwischt. Die Familie hatte großes Glück, dass sich zum Zeitpunkt des Vorfalls niemand vor dem Haus aufhielt. An der Stelle, an der die Tonscherben das Dach des Carports zerschlugen, stehe normalerweise das Auto der Familie, sagt Alina Weindorf.

Wie eine Sturmböe

Helga Reisz, Mitarbeiterin eines Flörsheimer Bestattungsunternehmens, bemerkte die Wirbelschleppe während einer Trauerfeier. Vom angrenzenden Friedhof aus beobachtete sie zufällig, wie sich der Vorfall ereignete. Zunächst sei ihr aufgefallen, dass sich ein Flugzeug in besonders tiefem Anflug der Riedstraße nähert, sagt die Augenzeugin. „Ich habe mich noch gewundert, ob der schon hinter der Kapelle auf dem Friedhof landen will“, erzählt Helga Reisz. Dies sei gegen 13.58 Uhr gewesen. Als sich die Flörsheimerin einen Moment später in Richtung der Glocke vor der Trauerhalle umdrehte, traute sie ihren Augen nicht. Sie sah, dass sich die Bäume am Rande des Friedhof bewegten, als sei eine heftige Sturmböe aufgekommen. Dann beobachtete sie, wie sich die Ziegel auf dem Dach des Wohngebäudes in der Riedstraße anhoben und klappernd vom Dach rutschten.
 

Realität widerlegt Gutachten

Wirbelschleppen spielen bei der Klage der Stadt Flörsheim gegen den Planfeststellungsbeschluss zum Flughafenausbau eine wichtige Rolle.

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„So etwas habe ich noch nie gesehen“, wunderte sich Helga Reisz auch am Tag nach dem Vorfall noch. Vorfälle wie diese sind in der Zwischenzeit die stärksten Argumente der Stadt sowie des Vereins „Für Flörsheim“, die immer noch juristisch gegen den Planfeststellungbeschluss zum Flughafenausbau vorgehen. „Für Flörsheim“-Vorsitzender Hans-Jakob Gall war, sofort nachdem er von der Wirbelschleppe in der Riedstraße erfuhr, gemeinsam mit Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) an den Unglücksort geeilt. Der erneute Schaden stärke die Argumente vor Gericht, weil die Klagen der Stadt und des Vereins unter anderem auf den Wirbelschleppen beruhen, erläutert Gall. Es werde dabei das Ziel verfolgt, dass besonders schwere Flugzeuge – sogenannte „Heavys“ – trotz des Programms zur Dachsicherung nicht fliegen dürfen. Doch dieses Ansinnen wurde von den Richtern in Kassel bereits zurückgewiesen. Warum die Juristen vor einigen Monaten so entschieden haben, ist nicht nur für die Ausbaugegner aus der Mainstadt rätselhaft. Ebenso schwierig ist für die Ausbaugegner aus Flörsheim zu verstehen, warum die Richter die fast schon regelmäßig vorkommenden Wirbelschleppenvorfälle anscheinend als nicht so negativ relevant halten, dass sie mit einem entsprechenden Urteil darauf reagierten (siehe Info-Box unten). Das Land Hessen hat den Frankfurter Flughafenbetreiber, die Fraport AG, aufgrund der zahlreichen Wirbelschleppen verpflichtet, fast in der gesamten Kernstadt von Flörsheim die Klammerung von Dachziegeln zu bezahlen. Dies reiche als Sicherheit jedoch nicht aus, meint Hans-Jakob Gall. „Es hätte am Donnerstag ja auch ein Radfahrer in die Wirbelschleppe geraten können“, meint der Ausbaugegner. Während in diesem Fall nur spekuliert werden kann, welche Folgen dies für den Radler hätte, geht es beim Thema Dach-Klammerung um harte Fakten. Und die sind für die Hauseigentümer von älteren Häusern nicht gerade positiv. Denn eine Klammerung der Dachziegeln ist nur möglich, wenn es sich bei den Dächern um neuere Ausführungen handelt. Bei älteren Gebäuden müssen deshalb die Dächer modernisiert werden, bevor eine Dachklammerung in Auftrag gegeben werden kann. Die Eigentümer müssen in diesem Fall fünfstellige Beträge investieren. Wohlgemerkt: Dies gilt für Häuser, deren Dächer in Ordnung und nicht reparaturbedürftig sind. Dass die Fraport die Klammerung der Dachziegeln finanziert, ist da nur ein schwacher Trost für diese Hauseigentümer.
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