E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 30°C
3 Kommentare

Leerstand droht: Wird das Höchster Schloss bald zugesperrt?

Von Nach zehn Jahren hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Betreibern von Schlosscafé und Gewölbekeller gekündigt und fordert Umlagen in Höhe von fast 50 000 Euro nach.
Wie geht es weiter mit Café und Keller im Alten Schloss? Wie geht es weiter mit Café und Keller im Alten Schloss?
Höchst. 

Seit heute liegen im Schlosscafé und im „Schwan“ auf dem Höchster Schlossplatz Unterschriftenlisten aus. Holger Häußer, Wirt des „Schwan“ und des Schlosscafés, kämpft um seine Zukunft: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz als Eigentümer des Alten und des Neuen Schlosses, hat ihm vor etwa zwei Wochen zum 31. Juli gekündigt. Angeblich fehlten Genehmigungen zum Betrieb des Cafés, angeblich sei er mit Umlagekosten im Rückstand. Kurios: Man sei bereit, ihn bis 30. April 2019 weitermachen zu lassen, wenn er sich schriftlich verpflichte, rund 47 000 Euro an Umlagen nachzuzahlen. Die Stiftung Denkmalschutz teilt dazu mit, die fristlose Kündigung sei ausgesprochen worden, weil Häußler trotz mehrfacher Nachfrage nicht die zum Betrieb des Weinkellers und der Remise erforderlichen Genehmigungen vorlegte. Erst nach dem Erhalt der fristlosen Kündigungen habe Häußler die erforderlichen Unterlagen nachgericht.

Mit Herzblut betrieben

Holger Häußer hatte Tränen in den Augen, als er dies seinen Angestellten mitteilen musste. „Ich habe zehn Jahre mein Herzblut ’reingesteckt. Das ist, wie wenn man dir ein Stück aus dem Körper reißt.“ Noch führt er die Bewirtschaftung bis auf Weiteres fort. Die Familie Häußer hatte den Schlosskeller im Dezember 2008 übernommen; im September 2009 folgte das Schlosscafé. Initiator war Holger Häußers Vater Norbert, Mitglied der Jazzfreunde Höchst, der den Keller wieder in die Tradition von „Jazz am Burggraben“ holen wollte, als Höchst noch ein bedeutender Jazz-Standort war.

„Schlossgeist“ Holger Häußer hat von seinem Vermieter, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, ein Kündigungsschreiben erhalten. Bild-Zoom Foto: Maik Reuß
„Schlossgeist“ Holger Häußer hat von seinem Vermieter, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, ein Kündigungsschreiben erhalten.

Die Stiftung hatte beide Höchster Schlösser 2002 für einen symbolischen Preis von der Infraserv Höchst übernommen. Der damalige Vorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Gottfried Kiesow, der bis zu seinem Tod in Wiesbaden lebte, hatte quasi Freude am Schloss vor der eigenen Haustür. Aber Kiesow starb 2011. Von 2008 bis 2014 galt das, was er und Norbert Häußer vereinbart hatten. „Vor drei, vier Jahren hat sich die Stiftung dann das erste Mal gerührt wegen Kosten für Wasser und Strom“, erinnert sich Holger Häußer.

Es sei jedoch mit Kiesow vereinbart gewesen, dass die Umlagen von der Stiftung getragen werden – in Gegenleistung dafür, dass die Häußers quasi im Schlossareal Hausmeistertätigkeiten verrichten, auf- und zuschließen und nach dem Rechten sehen. Was sie durchaus tun: Immer wieder bitten sie Menschen, die das Gelände vermüllen oder Drogen konsumieren, das Schlossareal zu verlassen. Damit tragen sie dazu bei, dass das Gelände nicht verwahrlost.

Nach und nach kulturell ausgeblutet

2002 hatte der damalige Infraserv-Geschäftsführer Dieter Kreuziger symbolisch den Schlüssel zu den beiden Höchster Schlössern an Gottfried Kiesow übergeben.

clearing

Jetzt hat die Stiftung den Häußers fristlos gekündigt. Als Grund wird angegeben, dass notwendige Unterlagen zum Betrieb eines Lokals fehlten. Holger Häußer, der vor drei Jahren auch den „Schwan“ am Höchster Schlossplatz übernommen hat, war angesichts des Schreibens perplex: „Alle Genehmigungen, die von mir beizubringen sind, liegen der Stiftung vor.“ Das einzige, was fehlen könnte, sei eine bauamtliche Genehmigung – die sei allerdings vom Eigentümer des Geländes beizubringen.

Die von der Stiftung reklamierten Umlagen von 47 000 Euro seien, so Häußer, dadurch abgegolten, dass sie Hausmeistertätigkeiten im Schlossgelände übernommen hätten. So sei es mit dem Gottfried Kiesow vereinbart gewesen. Nur: Der ist tot. Häußer wird daher nun seinen Anwalt einschalten. Die Stiftung Denkmalschutz widerspricht dieser Darstellung. Laut dem schriftlich geschlossenen Mietvertrag aus dem Jahr 2008 habe Häußler die Betriebskosten zu tragen.

Noch etwas bringt die Stiftung vor: Die Häußers hätten die Ölheizung des Gewölbekellers ohne Genehmigung betrieben, dabei sei durch „Überfüllung“ Öl ins Erdreich geraten, und sie müssten sich verpflichten, die Entsorgung des kontaminierten Erdreichs zu bezahlen. „Die Heizung gehört zum Mietobjekt“, sagt Holger Häußer. Er gehe eher davon aus, dass die Tanks undicht seien und die Kosten auf ihn abgewälzt werden sollen. Der Stiftung zufolge sind die Tanks dicht. Das ergebe sich aus einem Gutachten vom April 2018. In diesem Gutachten würden zahlreiche technische Mängel an der Anlage festgestellt. Für die Wartung der Anlage sei laut Mietvertrag der Mieter zuständig.

Kultur auf der Kippe

Im Schlosskeller und im Café gab es all die Jahre immer auch Kultur: Konzerte, Matinees und Mundart-Abende. Holger Häußer erhofft sich die Unterstützung der Öffentlichkeit. Wenn das Schlosscafé schließt, so argwöhnt er, schließt die Stiftung auch das Schloss spätestens nach einem Vierteljahr, denn wenn ein Schließdienst auf- und zuschließe, gebe es keine Kontrolle mehr auf dem Gelände.

In einer Vorversion dieses Beitrags hatte es geheißen, die Stiftung Denkmalschutz habe auf die schriftliche Anfrage zur Zukunft des Schlosses nicht reagiert. Das ist so nicht richtig: Die Antwort der Stiftung konnte bis Redaktionsschluss nicht mehr berücksichtigt werden. In der aktuellen Version wurde die Stellungnahme inzwischen ergänzt. Die in der Vorversion dieses Beitrages dem Vorsitzenden der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Dr. Steffen Skudelny, zugeschriebenen Zitate waren aus dem Zusammenhang gerissen und daher irreführend.

Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen