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Leerstand droht: Wird das Höchster Schloss bald zugesperrt?

Von Nach zehn Jahren hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Betreibern von Schlosscafé und Gewölbekeller gekündigt und fordert Umlagen in Höhe von fast 50 000 Euro nach. Das Problem: Der Mietvertrag wurde nur mündlich geschlossen.
Bald ausgesperrt aus dem Alten Schloss? Dr. Steffen Skudelny, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, sagt: „Wir müssen prüfen, wie viel Öffentlichkeit ein Denkmal verträgt.“ Bald ausgesperrt aus dem Alten Schloss? Dr. Steffen Skudelny, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, sagt: „Wir müssen prüfen, wie viel Öffentlichkeit ein Denkmal verträgt.“
Höchst. 

Seit heute liegen im Schlosscafé und im „Schwan“ auf dem Höchster Schlossplatz Unterschriftenlisten aus. Holger Häußer, Wirt des „Schwan“ und des Schlosscafés, kämpft um seine Zukunft: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz als Eigentümer des Alten und des Neuen Schlosses, hat ihm vor etwa zwei Wochen zum 31. Juli gekündigt. Angeblich fehlten Genehmigungen zum Betrieb des Cafés, angeblich sei er mit Umlagekosten im Rückstand. Kurios: Man sei bereit, ihn bis 30. April 2019 weitermachen zu lassen, wenn er sich schriftlich verpflichte, rund 47 000 Euro an Umlagen nachzuzahlen.

Mit Herzblut betrieben

Holger Häußer hatte Tränen in den Augen, als er dies seinen Angestellten mitteilen musste. „Ich habe zehn Jahre mein Herzblut ’reingesteckt. Das ist, wie wenn man dir ein Stück aus dem Körper reißt.“ Noch führt er die Bewirtschaftung bis auf Weiteres fort. Die Familie Häußer hatte den Schlosskeller im Dezember 2008 übernommen; im September 2009 folgte das Schlosscafé. Initiator war Holger Häußers Vater Norbert, Mitglied der Jazzfreunde Höchst, der den Keller wieder in die Tradition von „Jazz am Burggraben“ holen wollte, als Höchst noch ein bedeutender Jazz-Standort war.

„Schlossgeist“ Holger Häußer hat von seinem Vermieter, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, ein Kündigungsschreiben erhalten. Bild-Zoom Foto: Maik Reuß
„Schlossgeist“ Holger Häußer hat von seinem Vermieter, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, ein Kündigungsschreiben erhalten.

Norbert Häußer handelte den Mietvertrag mit dem damaligen Vorsitzenden der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Professor Gottfried Kiesow, aus. Die Stiftung hatte beide Höchster Schlösser 2002 für einen symbolischen Preis von der Infraserv Höchst übernommen. Kiesow, der bis zu seinem Tod in Wiesbaden lebte, hatte quasi Freude am Schloss vor der eigenen Haustür und brachte seinen Sohn in der Verwaltung unter.

Wasser und Strom zahlen

Aber der frühere hessische Landeskonservator, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege und Gründer der Deutschen Stiftung Denkmalschutz starb 2011. Von 2008 bis 2014 galt das, was er und Norbert Häußer vereinbart hatten. „Vor drei, vier Jahren hat sich die Stiftung dann das erste Mal gerührt wegen Kosten für Wasser und Strom“, erinnert sich Holger Häußer.

Es sei jedoch mit Kiesow vereinbart gewesen, dass die Umlagen von der Stiftung getragen werden – in Gegenleistung dafür, dass die Häußers quasi im Schlossareal Hausmeistertätigkeiten verrichten, auf- und zuschließen und nach dem Rechten sehen. Was sie durchaus tun: Immer wieder bitten sie Menschen, die das Gelände vermüllen oder Drogen konsumieren, das Schlossareal zu verlassen. Damit tragen sie dazu bei, dass das Gelände nicht verwahrlost.

Nach und nach kulturell ausgeblutet

2002 hatte der damalige Infraserv-Geschäftsführer Dieter Kreuziger symbolisch den Schlüssel zu den beiden Höchster Schlössern an Gottfried Kiesow übergeben.

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Jetzt hat die Stiftung den Häußers fristlos gekündigt. Als Grund wird angegeben, dass notwendige Unterlagen zum Betrieb eines Lokals fehlten. Holger Häußer, der vor drei Jahren auch den „Schwan“ am Höchster Schlossplatz übernommen hat, war angesichts des Schreibens perplex: „Alle Genehmigungen, die von mir beizubringen sind, liegen der Stiftung vor.“ Das einzige, was fehlen könnte, sei eine bauamtliche Genehmigung – die sei allerdings vom Eigentümer des Geländes beizubringen.

Die von der Stiftung reklamierten Umlagen von 47 000 Euro seien, so Häußer, dadurch abgegolten, dass sie Hausmeistertätigkeiten im Schlossgelände übernommen hätten. So sei es mit dem Gottfried Kiesow vereinbart gewesen. Nur: Der ist tot, und der Mietvertrag existiert nur mündlich. Schriftlich ist nichts fixiert. Häußer wird daher nun seinen Anwalt einschalten.

Noch etwas bringt die Stiftung vor: Die Häußers hätten die Ölheizung des Gewölbekellers ohne Genehmigung betrieben, dabei sei durch „Überfüllung“ Öl ins Erdreich geraten, und sie müssten sich verpflichten, die Entsorgung des kontaminierten Erdreichs zu bezahlen. „Die Heizung gehört zum Mietobjekt“, sagt Holger Häußer. Er gehe eher davon aus, dass die Tanks undicht seien und die Kosten auf ihn abgewälzt werden sollen.

Kultur auf der Kippe

Im Schlosskeller und im Café gab es all die Jahre immer auch Kultur: Konzerte, Matinees und Mundart-Abende. Holger Häußer erhofft sich die Unterstützung der Öffentlichkeit. Wenn das Schlosscafé schließt, so argwöhnt er, schließt die Stiftung auch das Schloss spätestens nach einem Vierteljahr, denn wenn ein Schließdienst auf- und zuschließe, gebe es keine Kontrolle mehr auf dem Gelände.

Dr. Steffen Skudelny, heute Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, sieht das nicht so tragisch. Er sagte unlängst: „Man muss immer sehen, wie viel Öffentlichkeit ein Denkmal verträgt.“ Für ihn ist es auch kein Problem, dass das Neue Schloss bereits zugesperrt ist: Es sei Aufgabe der Stiftung, das Denkmal zu bewahren, nicht es zu bewirtschaften. Zwar sei vorgeschrieben, dass Denkmale öffentlich zugänglich sein müssen, „aber das geht auch über den Tag des Offenen Denkmals einmal im Jahr“. Die Stiftung Denkmalschutz hat auf unsere gestrige schriftliche Anfrage zur Zukunft des Schlosses nicht reagiert.

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