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Wo in Nied die Mauer überwunden wird

Der Ansturm war groß, um die symbolische Berliner Mauer zur Sonderausstellung im Nieder Heimatmuseum zu überwinden.
Die Mauer ist offen: Eine Sonderausstellung erinnert ab die ehemalige Teilung Deutschlands. Die Mauer ist offen: Eine Sonderausstellung erinnert ab die ehemalige Teilung Deutschlands.

"Make love, not wall." Ein Graffiti-Spruch, der auf Liebe, Frieden und "war" (Krieg) anspielt, ziert die Mauer-Kulisse vor dem Eingang des Heimatmuseums in der Beunestraße 9. Doch diese Mauer öffnete der Heimat- und Geschichtsverein am Ende für den ersten Besucherandrang. Zeitzeugen erkennen sofort, dass sich das Graffito auf der westlichen Mauerseite befand. "Bei uns war die Mauer grau. Sie war hässlich, aber sie gehörte zum Leben mit dazu", erinnert sich Juliane Schätze, die in Ostberlin aufwuchs.

Erinnerungen und Emotionen prägen den Eröffnungstag der Sonderausstellung "Die Mauer – Eine Grenze durch Deutschland der Stiftung zur Aufarbeitung des SED-Regimes". Vor der Kulisse, die der Heimatverein mit Liebe zum Detail aus Umzugskartons und Tapeten gebaut hat, erzählen Zeitzeugen wie der Vorsitzende Wolfgang Lampe und Bernhard Reichel ihre sehr persönlichen und oft auch abenteuerlichen Mauergeschichten.

Interessant für Schüler

Die Eindrücke steigern sich bei der Filmvorführung "Die Mauer – eine Grenze durch Deutschland". "Man sieht Mauerflüchtlinge, die ihren zurückgebliebenen Angehörigen zuwinken", betont Lampe. Die Ausstellung zeigt 20 Plakattafeln mit der Vorgeschichte der DDR und des Mauerbaus bis zur politisch-juristischen Aufarbeitung der deutsch-deutschen Grenzfälle. Die Tafeln werden ergänzt durch Mauerfundstücke, Zeitungsartikel sowie ostdeutschen Fach- und Protokollbücher zu den Parteikonferenzen der SED. "Wir hoffen, vor allem Schüler, die mit der deutschen Teilung nicht mehr viel verbinden, für unsere Ausstellung zu interessieren", erklärt Lampe. Zumal die Ausstellung mit authentischen Bildern, Zahlen und Fakten die Möglichkeit bietet, sich ein objektives Bild von der Teilung in Berlin und Deutschland zu machen.

Es werden aber auch menschlichen Empfindungen angesprochen, etwa mit dem thüringisch-bayerischen Ort Mödlareuth, dem geteilten "Klein-Berlin", und mit Ostberlinern, die sich an der Station "Maueralltag" auf Liegestühlen im Schatten der Demarkationslinie sonnen. "Mancher Berliner war wohl einfach pragmatisch und fand sich mit der Mauer ab, weil es nicht zu ändern war", vermutet Lampe. Zu den Pragmatikern gehörte die Familie von Juliane Schätze. "Wir erfuhren durch den Mauerbau in unserem Fernsehen und machten uns klar, dass mein Bruder nun Arbeit in Ostberlin finden musste", erinnert sie sich. Sehr bald wurde die "geschlossene Grenze" in ihrer sozialistisch geprägten Familie akzeptiert.

Hoffnung erstarb

"Wir waren eingespannt, glaubten trotz an den Aufbau einer besseren Gesellschaft und erkannten erst spät, dass Mauer und Schießbefehl schlimme Fehler waren." Nach der Wende gelangte sie nach Frankfurt, wo sie sich bei der "Linken" ebenso engagiert wie im Nieder Heimatverein – nun überzeugt, dass ein vereintes Deutschland der richtige Weg in einem vereinten Europa ist.got

Die Ausstellung ist bis 25. August samstags von 11 bis 13 Uhr, sonntags von 14 bis 17 Uhr und montags bis freitags von 17 bis 19 Uhr zu sehen.

(Gernot Gottwals)
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