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Prozess: Wollte Mediziner Pensionär abzocken?

Von Wer privat krankenversichert ist, muss erst in Vorleistung treten. Das kann zum Eigentor werden, wie ein 75-jähriger Pensionär feststellen musste.
Symbolbild Foto: Britta Pedersen Symbolbild
Hofheim. 

Richtig sauer ist der Pensionär auf seinen Arzt. Als ehemaliger Beamter muss er Rechnungen erst einmal privat begleichen, bevor er sie an die Krankenkasse weiterreicht und hat dabei festgestellt, dass Leistungen abgerechnet wurden, die – wie er sagt – nie erfolgt sind.

„Drei Überweisungen sollte ich an Labore wegen Blutanalysen tätigen, dabei hat man mir gar kein Blut abgenommen“, schimpft der 75-jährige ehemalige Hofheimer. Dazu teure Ultraschalluntersuchungen, die gar nicht so lange gewesen seien, wie beschrieben. „So etwas möchte ich meiner Krankenkasse nicht antun.“

Um keinen Ärger zu bekommen, habe er die Beträge allerdings erst einmal überwiesen. „Ich dachte, das kann man hinterher noch klären.“ Ein Fehler, wie sich bei dem Zivilverfahren vor dem Höchster Amtsgericht herausstellt, das der Pensionär gegen den Facharzt angestrebt hatte. Denn durch das Begleichen der Rechnung liegt es nun an ihm nachzuweisen, dass die Leistung nicht erbracht wurde. „Hätten Sie nicht bezahlt, wäre die Nachweispflicht auf seiten des Arztes gewesen“, erklärt ihm die eigene Anwältin am Rande der Verhandlung. Ermittlungen vonseiten des Amtes gibt es im Rahmen eines Zivilprozesses nicht.

Licht ins Dunkle soll die als Zeugin geladene Ehefrau des Pensionärs bringen. „Ich habe meinen Mann bei allen vier Besuchen begleitet“, sagt die 70-Jährige. Von einer Blutabnahme habe er nichts berichtet, obwohl man sich nach Arztbesuchen immer über die Behandlung austausche. „Er hatte auch kein Pflaster auf dem Arm.“ Vom Wartezimmer aus habe sie allerdings nicht gesehen, in welchen Raum ihr Mann gegangen sei. Da sich die Sache schon vor zwei Jahren abgespielt hatte, könne sie auch nicht mehr sagen, wie lange er sich in den Behandlungsräumen aufgehalten habe. Die drei Laborrechnungen wiederum belegen eine Untersuchung des Blutes auf Viren wie Herpes oder FSME, lassen aber keinen Rückschluss auf die Identität des Untersuchten zu. „Leider ist keine Blutgruppe vermerkt“, bedauert die Anwältin des Klägers.

Der Richter schlägt einen Vergleich vor. Ob er dem Kläger denn ein Angebot machen könne, fragt er den Anwalt des Mediziners, der persönlich nicht vor Gericht erschienen ist. „Wir können höchstens anbieten, die Hälfte der Laborkosten zu erlassen“, sagt der Anwalt. Das seien 138,78 Euro. Ein Tropfen auf den heißen Stein, denn eigentlich stellt der Pensionär noch mehr Posten der 2200 Euro teueren Rechnungen für die vier Termine in Frage.

„Ich habe einem alten Schulfreund, der Arzt ist, die Abrechnungen mal gezeigt.“ Der habe vieles für absolut unnötig erklärt. Ein Orthopäde habe ihn damals zu dem Facharzt überwiesen. „Ich hatte Schmerzen neben der Wirbelsäule, dachte, das sei mit ein paar Spritzen getan.“ Dass ihn der Arzt als Privatpatienten habe abzocken wolle, steht für den Beamten im Ruhestand fest. Denn nach den vier Behandlungsterminen habe er ihm sogar noch Gymnastikstunden im Institut einer Verwandten aufs Auge drücken wollen. „Das war wirklich totaler Quatsch!“ Denn inzwischen wohne er in Bad Breisgau bei Waldorf und wäre dann mit Hin- und Rückweg immer drei Stunden unterwegs gewesen. „Die lange Fahrerei hätte meinem Rücken mit Sicherheit nicht gutgetan“, sagt er und so habe er die Termine sofort abgesagt.

Die Anwältin des Pensionäres entscheidet sich dennoch, den Vergleich erst einmal auf Widerruf anzunehmen. Dass er den Weg vors Gericht gewählt hat, bereut der 75-Jährige nicht, denn wie ihm ein Mitarbeiter seiner Krankenkasse im Vertrauen gesagt habe, habe man den Arzt schon seit längerem im Visier.

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