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Unbekannte setzen Katze aus: 14 Stunden in der Kiste

Eine Katze verbringt eine lange Nacht in einer engen Kiste. Sigrid Schömig hat das Tier vor ihrer Haustür gefunden und nun erst einmal aufgenommen. Selbst kann sie das Kätzchen aber nicht auf Dauer behalten.
Sigrid Schömig liebt Katzen über alles, aber dieses Kätzchen kann sie nicht behalte Foto: Rüdiger Koslowski Sigrid Schömig liebt Katzen über alles, aber dieses Kätzchen kann sie nicht behalte
Bauschheim. 

Am Sonntagmorgen erhielt Sigrid Schömig einen Anruf von einer Frau, die kurz zuvor mit ihrem Hund beim Gassigehen an ihrer Katzenpension vorbeigelaufen war. Vor ihrer Hoftür befinde sich eine Kiste mit einer Katze, sagte die Unbekannte.

Als die 71-Jährige nach draußen ging um nachzuschauen und die Hoftür öffnete, traute sie ihren Augen nicht. Denn dort stand tatsächlich die Kiste mit der Katze. Das Tier war völlig verängstigt, zitterte am ganzen Leib und riss die Augen auf, berichtet Sigrid Schömig.

 

In der Dunkelheit nicht gesehen

 

Die Hauskatze muss gut 14 Stunden lang vor dem Haus in der Kiste verbracht haben. Die Anruferin war nämlich bereits am Samstagabend dort vorbeigegangen und hatte zwar die Kiste gesehen, aber in der Dunkelheit die Katze nicht wahrnehmen können.

Sigrid Schömig hatte an jenem Abend noch Besuch. Später klingelte es bei ihr. Sie rief bei geöffnetem Fenster laut „Hallo“, bekam aber keine Antwort. Die Kiste konnte sie nicht sehen.

Das in der engen Kiste eingepferchte Kätzchen tut ihr freilich unglaublich leid. „Ich habe einen Hass auf Menschen, die so etwas machen“, sagt sie.

Das Weibchen mit dem hübschen Schildpatt-Fell – schwarz mit einer rötlichen Einfärbung – nahm Sigrid Schömig erst einmal auf. Sie führt seit 40 Jahren eine Katzenpension, sie liebt Katzen über alles.

 

Seit drei Tagen nichts gefressen

 

Ihre erste Scheu nach dem nächtlichen Schrecken hat die Katze offenbar überwunden. Beim Fototermin tippelt sie neugierig auf den Fotografen zu und lässt sich geduldig kraulen. „Ich glaube, dass sie lieb ist, sie lässt sich streicheln“, erzählt Sigrid Schömig. Aber die lange einsame Nacht in der engen Kiste scheint das Tier dennoch nicht ganz vergessen zu haben. Sie hat seit drei Tagen nichts gefressen und kein Geschäft gemacht. Aber zumindest lässt sie sich das Leckerli schmecken, mit dem Sigrid Schömig sie lockt, so dass sie auch schön in die Kamera schaut.

Sigrid Schömig hat den Fall der Polizei gemeldet. Wer setzt eine Katze einer solchen Tortur aus? Vielleicht braucht das Tier Medikamente, die jedoch teuer seien und nicht bezahlt werden können. Vielleicht ist jemand erkrankt oder verstorben. Vielleicht hat jemand einen neuen Lebenspartner, der nichts mit Katzen anfangen kann. Sigrid Schömig bleibt nur die Spekulation übrig.

Aber auch wenn sie Katzen leidenschaftlich liebt, „ich bin kein Tierheim“, stellt sie fest. Sie befürchtet, dass sonst andere Menschen ihre Tiere ebenfalls bei ihr abgeben möchten, aber dafür sei eben das Tierheim zuständig. Sie hält zudem selbst sechs Katzen, ihren Hund Benny, einen wuscheligen aber großen Landseer, und eben ihre Katzen, die sie in ihrer Pension betreut.

Es tut ihr in der Seele weh, aber sie kann das Kätzchen nicht selbst in ihre Obhut nehmen. Bald nimmt Sigrid Schömig wieder Katzen in Pflege, im Sommer sind es bis zu 20 Exemplare. Sie muss schauen, ob sich das Tier mit den anderen Pensionskatzen verträgt. Sie weiß nicht einmal, ob es sterilisiert ist. Vermutlich ja, aber sicher konnte das auch der Tierarzt nicht sagen. Schömig kann die Katze jedenfalls nicht auf Dauer halten und müsste sie notfalls im Tierheim geben.

Eigentlich wäre sie jetzt schon ein Fall für das Tierheim. Aber in Schömigs weitläufigen Katzengehegen hat sie viel Auslauf. Deswegen hat sie das Tier nun erst einmal aufgenommen, hofft aber gleichwohl, dass jemand die Katze in seine Obhut nehmen möchte oder zumindest wiedererkennt.

Sie vermutet nicht, dass die Katze eine Krankheit hat. Das würde sie mit ihrer Erfahrung erkennen, versichert sie. Das Alter schätzt sie auf fünf bis acht Jahre. Das Kätzchen macht zudem einen gepflegten Eindruck. „Sie war anscheinend in guten Händen“, meint sie.

Die Liebe zu Katzen und Hunden wurde Sigrid Schömig wohl in die Wiege gelegt. Ihre Mutter hatte ihr Herz ebenfalls an Katzen verloren, ihr Vater mochte Hunde. „Und ich liebe beide“, sagt sie lachend.

 

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