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Flughafen: Bombenspuren zwischen den Bäumen des Oberwalds

Von Damit der Flughafen wachsen kann, soll ein Wald weichen. Vorher muss er von Kampfmitteln aus dem Krieg befreit werden.
Liegt vor dem Krater eine alte Mine oder nur ein rostiger Zylinder? Liegt vor dem Krater eine alte Mine oder nur ein rostiger Zylinder?
TREBUR. 

Früher Morgen im Treburer Oberwald: Eine handvoll Männer in orange-leuchtenden Jacken laufen über die Lichtung. Rechts von ihnen rattern die Züge übers Gleis, links donnert ein Wagen nach dem anderen über den Asphalt. Dahinter beginnt bereits der Frankfurter Flughafen, an dem bald ein drittes Terminal entsteht. Damit es einen Anschluss an die Autobahn erhält, soll der Wald weichen.

Aber zuvor muss noch sichergestellt werden, dass sich im Waldboden keine Kampfmittel mehr befinden, etwa im Zweiten Weltkrieg von Alliierten-Flugzeugen abgeworfene Bomben.

Arbeiter suchen den Wald nach Kampfmitteln ab. Bild-Zoom
Arbeiter suchen den Wald nach Kampfmitteln ab.

Das ist die Mission der Männer an diesem Morgen. Beauftragt wurden sie von Flughafen-Betreiber Fraport. Große Blindgänger haben sie zwar noch nicht gefunden, dafür aber jede Menge Munition und auch etwas C4-Sprengstoff.

Damit die Männer wissen, wo sie schon gesucht haben, rammen sie alle paar Meter einen Pfahl in den Boden. Dabei gibt es allerdings Ärger. „Wir könnten schon viel weiter sein“, moniert sich einer. Denn immer wieder würden die Markierungen aus dem Boden entfernt. Wer die Schuld dafür trägt, sei für ihn klar: die Umweltaktivisten, die gegen die Rodung des Waldes demonstrieren. Ihr Camp befindet sich keine hundert Meter entfernt.

Krater mitten im Lager

Dort will von den Vorwürfen niemand etwas wissen. „Mir ist davon nichts bekannt“, sagt eine junge Frau. Allerdings seien die Waldbesetzer „Individuen, von denen jeder tun und lassen kann, was er will“. In jedem Fall sind auch den Aktivisten die Spuren der Kriegsbomben nicht verborgen geblieben. Das große Loch, das mitten in ihrem Lager klafft, ist deutlich als Bombenkrater erkennbar. Ob es sich bei dem kleinen rostigen Gegenstand, der davor auf dem Boden liegt – wie von einem der Protestler vermutet – wirklich um eine alte Granate handelt, ist dagegen ungewiss. „Von der Form her könnte es eine Sprengmine sein“, sagt René Bennert, Feuerwerker beim Kampfmittelräumdienst des Regierungspräsidiums Darmstadt, als man ihm ein Bild davon zeigt. Allerdings sehe das Blech dafür deutlich zu dünn aus. Deshalb wolle er sich nicht festlegen. Gefahr geht von dem Gegenstand jedenfalls nicht mehr aus.

Ganz anders sieht das bei vielen Bomben aus, die sich nach Jahrzehnten noch immer im Boden befinden. Sie sind womöglich noch gefährlicher als bei ihrem Abwurf, da die Zünder durchgerostet sind, es also keine Sicherung mehr gibt. Möglich ist auch, dass der in der Bombe befindliche Sprengstoff mittlerweile mit Stoffen aus der Umwelt chemisch reagiert hat, was ebenfalls ein Risiko darstellen könnte.

Polizei rufen

Menschen, die auf einer Baustelle, beim Umgraben des eigenen Gartens oder dem Spazierengehen im Wald auf einen Blindgänger stoßen, denen rät Bennert, sofort die Polizei zu rufen. Die Dienststellen verfügten über direkte Kontakte zum Kampfmittelräumdienst, sodass dieser innerhalb einer Stunde anrücken könne. Auf keinen Fall sollte der Sprengsatz angefasst werden. „Rühren Sie den bloß nicht an“, mahnt René Bennert.

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