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Interview: Bürgermeister Carsten Sittmann: „Parteipolitik hat hier nichts zu suchen“

Kurz vor Ostern gab Bürgermeister Carsten Sittmann (CDU) bekannt, bei der Wahl am 27. Januar 2019 nicht mehr antreten zu wollen. Unser Mitarbeiter Ralph Keim sprach mit dem scheidenden Rathauschef über seine Art der Amtsführung und die Frage, wie weit ein Bürgermeister sich von Parteipolitik leiten lassen sollte.
Im Juni kommenden Jahres endet die Amtszeit von Treburs Bürgermeister Carsten Sittmann (CDU). Im Juni kommenden Jahres endet die Amtszeit von Treburs Bürgermeister Carsten Sittmann (CDU).
TREBUR. 

Herr Bürgermeister, wann genau haben Sie den Entschluss gefasst, bei der Bürgermeisterwahl im Januar 2019 nicht anzutreten?

CARSTEN SITTMANN: Es gab keinen Zeitpunkt. Mein Entschluss war das Ergebnis eines Entscheidungsprozesses, der bereits im vergangenen Jahr begonnen hat und in den selbstverständlich meine Familie eingebunden war.

Warum haben Sie die Tage vor Ostern auserkoren, um Ihren Entschluss der Öffentlichkeit mitzuteilen?

SITTMANN: Ich wollte zunächst den Beschluss der Gemeindevertretung über den Termin der Bürgermeisterwahl abwarten. In der darauffolgenden Sitzung des Gemeindevorstandes habe ich die Mitglieder über meine Entscheidung informiert, am Tag zuvor den Vorstand des CDU-Gemeindeverbandes. Dass dies unmittelbar vor Ostern war, hatte keine Bedeutung.

Damit haben Sie aber dem Bürgermeisterwahlkampf einen ersten, frühen Schwung verliehen.

SITTMANN: Mir war es als Amtsinhaber wichtig, der Öffentlichkeit meinen Entschluss mitzuteilen, noch bevor sich der erste Kandidat erklärt. Wenn dem Wahlkampf dadurch früher Schwung verliehen wird, freut mich das umso mehr.

Wie kam es eigentlich, dass sie damals Kandidat der CDU wurden?

SITTMANN: Ich war seinerzeit Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Trebur und seit 2006 Mitglied der Gemeindevertretung. Als der bisherige Bürgermeister Jürgen Arnold (parteilos, Anmerkung der Redaktion ) 2012 seinen Verzicht auf eine weitere Amtszeit als Bürgermeister erklärte, stellte sich die Frage nach einem eigenen Kandidaten. Aufgrund meiner Verwaltungserfahrung, die meiner Meinung nach als Leiter einer Behörde wichtig ist, sowie meiner politischen Erfahrung in kommunalen Parlamenten, erfüllte ich die notwendige Qualifikation für das Amt des Bürgermeisters.

Wie waren Sie bis dahin politisch aktiv?

SITTMANN: Von 1997 bis 2003 war ich stellvertretender Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Raunheim und von 2000 bis 2003 Stadtverordneter im Raunheimer Parlament, wo ich 2001 auch CDU-Fraktionsvorsitzender wurde. 2003 zog ich nach Trebur und wurde 2006 Gemeindevertreter, 2009 dann Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Trebur. 2013 wurde ich schließlich zum Bürgermeister gewählt.

Nach fünf Jahren im Amt: Glauben Sie, dass es gut ist, wenn ein Bürgermeister die Parteipolitik weitgehend ausblendet?

SITTMANN: Im Wahlkampf habe ich damit geworben, Bürgermeister für alle sein zu wollen. Das war nicht nur ein Wahlkampfslogan, sondern auch mein eigener Anspruch an das Amt des Bürgermeisters. Ich vertrete nach wie vor die Auffassung, dass Parteipolitik im Amt des Bürgermeisters nichts zu suchen hat. Es ist es mir zumindest weitgehend gelungen, die Parteipolitik in den politischen Diskussionen der Gremien auf ein sachbezogeneres Maß herunterzufahren. Das werte ich als Erfolg.

Kann man Ihnen tatsächlich unterstellen, dass Sie mit dem Amt wenig oder kaum warm geworden sind?

SITTMANN: Trotz meiner nach außen hin wenig gezeigten Emotionalität konnte ich mich mit dem Amt des Bürgermeisters immer identifizieren. Mein Ziel war, dadurch Ruhe und Sachlichkeit zu vermitteln. Denn politische Entscheidungen dürfen sich nicht an Gefühlslagen und Stimmungen orientieren. Gleiches gilt im direkten Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern. Nicht Lautstärke darf entscheidend sein, sondern ausschließlich die Qualität der Argumente. Auch wenn dies nach kühler und nüchterner Sachpolitik klingt, was in der Politik unüblich sein mag, so ist es ein Anspruch, den ich vertrete und der mir wichtig ist.

Dann sind Sie also kein politischer Bürgermeister.

SITTMANN: So ist es. Ich bin als Bürgermeister auch Behördenleiter. Und als solcher muss ich politische Neutralität wahren. Ich ziehe es vor, mit belegbaren Fakten zu arbeiten. Da ich politische Beschlüsse der Gremien auf rein sachlicher und fachlicher Ebene umsetze und damit Politik verarbeite, sehe ich mich selbst nicht als Politiker, sondern als „politischer Arbeiter“. Diesen Begriff habe ich übrigens schon vor meiner Zeit als Bürgermeister gebraucht, als ich Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Trebur war.

Wie weit klaffen der Anspruch, den Sie bei Amtsantritt hatten, und die aktuelle Realität des Amtes auseinander?

SITTMANN: Mein Anspruch zwischen meinem Amtsantritt und der aktuellen Realität des Amtes klaffen nicht weit auseinander, da mir die Aufgabenstellungen und Herausforderungen vorher bewusst waren. Allerdings bin ich mir auch darüber bewusst, dass mein Anspruch an eine zweite Amtszeit mit der aktuellen Realität des Amtes durchaus auseinanderklaffen würde, da ich davon ausgehe, dass der fehlende finanzielle und personelle Spielraum in den kommenden fünf bis zehn Jahren noch weniger Gestaltungsspielraum zulassen wird. Aus „gestalten statt verwalten“ würde ein „verwalten statt gestalten“ werden.

Hand auf’s Herz: Bereuen Sie irgendetwas, wenn Sie auf die vergangenen fünf Jahre zurückblicken?

SITTMANN: Dazu gibt es eine klare Antwort: Nein.

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