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Banken-Flair: Das Gotteshaus im früheren Kreissparkassen-Gebäude

Von Die Ecclesia-Gemeinde hat in der früheren Kreissparkassen-Filiale ein neues Zuhause gefunden. Vor eineinhalb Jahren stand sie noch vor dem Nichts; ihre Räume waren bei einem Brand zerstört worden.
Hereinspaziert: Gemeindeleiter Ruben Lago und Pastor Tobias Roth öffnen die schwere Tresortür. Foto: (Dorothea Ittmann) Hereinspaziert: Gemeindeleiter Ruben Lago und Pastor Tobias Roth öffnen die schwere Tresortür.
Rüsselsheim. 

„Das ist unser Reich“, sagt Pastor Tobias Roth, als er und Gemeindeleiter Ruben Lago den Saal im Erdgeschoss des ehemaligen Kreisparkassen-Gebäudes in der Gutenbergstraße betreten. Bankschalter und Pausenraum gehören der Vergangenheit an. Dort, wo noch vor ein paar Jahren die Bankangestellten Geldtransaktionen tätigten, entsteht eine Bar mit Bistro. Die runden Tische stehen vor einer Fensterwand mit Blick auf den Kirchturm der benachbarten Luthergemeinde.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Raums haben die Mitglieder der Freien Christgemeinde Ecclesia Rüsselsheim 80 Stühle für Gottesdienstbesucher aufgestellt. Wer sich dort niederlässt, schaut auf eine kleine Bühne ausgestattet mit Rednerpult, Keyboard und Schlagzeug für die Lobpreis-Band. Der Teppich ist neu, die Deckenplatten sind frisch gestrichen und die Teeküche betriebsbereit. Schließlich bräuchten die Helfer einen Ort, an dem sie ihren Kaffee kochen können, erklärt Roth schmunzelnd.

Jeder packt mit an

Seit acht Monaten treffen sich die Freiwilligen jeden Samstag, um gemeinsam die Räume auf Vordermann zu bringen. Dabei ist es praktisch, dass sich unter den Gemeindemitgliedern Fliesenleger und Elektriker befinden. Wer kein Handwerk gelernt hat, der streicht die Wände oder richtet die Räume ein. Rund 90 Prozent der Renovierungsarbeiten habe die Kirchengemeinde so selbst geleistet, schätzt Roth.

Die Stuhlreihen sind gut gefüllt, wenn Pastor Tobias Roth am Sonntagmorgen predigt. Bild-Zoom Foto: (Ecclesia-Gemeinde Rüsselsheim)
Die Stuhlreihen sind gut gefüllt, wenn Pastor Tobias Roth am Sonntagmorgen predigt.

Neben dem weitläufigen Gottesdienstraum gibt es auf der Etage einen Eltern-Kind-Raum mit Wickelecke und Spiellandschaft. Wie viel Arbeit die Gemeinde in den letzten Monaten geleistet hat, fällt beim Betreten des Untergeschosses auf. Dort ist es nicht nur ein paar Grad kühler. Gelbe Wände und gestreifter Teppichboden erinnern an die guten Alten 90er Jahre. Schienenabdrücke auf dem Boden des Mehrzweckraums lassen vermuten, wofür er eins genutzt wurde. „Hier standen verschiebbare Archivregale“, sagt Roth. „Wir haben fast einen Monat gebraucht, bis wir die Regale abmontiert hatten.“

Eröffnungsfeier geplant

Auf die Helfer warteten noch weitere Herausforderungen: Sie mussten die Eisengitter im Nachttresor absägen. „Es sah hier aus wie im Gefängnis“, erinnert sich Lago. In der Zimmerecke hängt ein Rohr von der Decke. Durch das rutschten sogenannte Geldbomben – genormte zylindrische Kartuschen gefüllt mir Geldscheinen –, die Kunden wie in einen Briefkasten einwarfen, damit der Verdienst im Nachttresor sicher aufbewahrt wurde, informiert Roth. Gesichert ist der Raum zudem mit einer 80 Zentimeter dicken und 3,5 Tonnen schweren Stahltür, die die beiden Männer nur mit Mühe öffnen und schließen können. Trotz des noch renovierungsbedürftigen Untergeschosses will die Ecclesia-Gemeinde endlich ihre neuen Räume der Öffentlichkeit vorstellen. Das passiert am Samstag, 22. September, ab 15.30 Uhr am Gabelsberger Platz. „Jeder, der sich die Gemeinde anschauen will, ist willkommen“, betont der Pastor. Es wird Essen, Musik und Führungen durch die Räumlichkeiten geben, kündigt er an.

Noch vor eineinhalb Jahren war den Gemeindemitgliedern nicht zum Feiern zumute. Die ursprünglichen Räume in der Grabenstraße brannten in der Nacht zum 13. März 2017 ab – womöglich ein technischer Defekt, heißt es. „Es war schon irgendwie merkwürdig“, überlegt Roth. „Den Sonntag darauf hatten wir einen Pastor eingeladen, der zum Thema ,Gott holt dich aus der Komfortzone’ predigen wollte. Das es so schnell und auf diese Weise passieren würde, hätte niemand gedacht. Zeitweise hielt die Kirchengemeinde ihre Gottesdienste in der Internationalen Gemeinde im Rex-Kino ab, später dann in der katholischen Kirche Königstädten. „Wir haben sehr viel Unterstützung erhalten“, resümiert Lago sichtlich dankbar .

Jetzt endlich hat die Ecclesia-Gemeinde ein neues Zuhause gefunden, und das sei mehr als doppelt so groß wie die Räumlichkeiten in der Grabenstraße, so Roth. Nun gelte es, diese Räume auch zu füllen. „Wir sind schon von Leuten angesprochen worden, ob sie uns besuchen können“, sagt Roth. Pastor und Gemeindeleiter blicken hoffnungsfroh in die Zukunft.

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