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Interview: Das empfiehlt eine Neurologin und Schmerztherapeutin gegen Kopfschmerzen

Der Kopfschmerz gehört mit Sicherheit zu den unangenehmsten körperlichen Beeinträchtigungen. Unser Mitarbeiter Ralph Keim sprach zum heutigen Tag des Kopfschmerzes mit Inge Alice Kelm-Kahl, Neurologin und Schmerztherapeutin am GPR-Klinikum, über Möglichkeiten, das Übel wirkungsvoll zu bekämpfen und gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Inge Alice Kelm-Kahl ist Neurologin und Schmerztherapeutin. Gegen Kopfschmerzen hilft oft eine Massage der Gesichts- und Halsmuskulatur. Inge Alice Kelm-Kahl ist Neurologin und Schmerztherapeutin. Gegen Kopfschmerzen hilft oft eine Massage der Gesichts- und Halsmuskulatur.

Frau Dr. Kelm-Kahl, wie viele Menschen in Deutschland leiden an Kopfschmerzen?

INGE ALICE KELM-KAHL: Schätzungen zufolge leiden 70 Prozent der Deutschen an gelegentlichen oder chronischen Kopfschmerzen, also rund 54 Millionen Menschen. Etwa fünf Prozent von ihnen sogar täglich. Insbesondere der Anteil der Betroffenen zwischen 18 und 27 Jahren hat zwischen 2005 und 2015 um 42 Prozent zugenommen. Kopfschmerz kann man als echte Volkskrankheit betrachten.

Wie viele haben regelmäßig Migräne?

KELM-KAHL: Generell leiden in Industrieländern 12 bis 14 Prozent der Frauen und sechs bis acht Prozent der Männer unter Migräne. Bereits fünf Prozent der Kinder sind Migränepatienten. Die Hälfte davon wird auch im Erwachsenenalter unter Migräne leiden. An zumindest gelegentlicher Migräne leiden in Deutschland etwa 13 Millionen Menschen. Jeden Tag werden etwa 900 000 Menschen Opfer einer Migräne-Attacke. 100 000 sind so sehr beeinträchtigt, dass sie arbeitsunfähig sind. Spannungskopfschmerzen sind noch häufiger. Daran leiden zumindest gelegentlich etwa 29 Millionen Menschen. Jeder 13. hat chronische Schmerzen, also dauerhaft über 15 Kopfschmerztage pro Monat.

Worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen Migräne und Spannungskopfschmerz?

KELM-KAHL: Migräne ist zumeist einseitiger, mäßiger bis starker Kopfschmerz von stechendem oder pulsierenden Charakter, der ohne Medikamente bis zu 72 Stunden anhalten kann. Damit verbunden ist Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit, Übelkeit und Brechreiz. Zuvor können Gähnen, Heißhunger, Schwindel, Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen auftreten. Die Patienten möchten sich zurückziehen, hinlegen und schlafen. Spannungskopfschmerz äußert sich als drückender beidseitiger Kopfschmerz, wie eine enge Mütze oder Badehaube. Diesen Patienten verschafft frische Luft oder Spazierengehen oft Erleichterung. Auch können sie mit ihrer Arbeit fortfahren, während sich die Migränepatienten oft richtig schwer beeinträchtigt fühlen und sich krank melden müssen.

Prävention und Therapie

Die Behandlung von Migränekopfschmerzen ist eines der Spezialgebiete der Neurologin und Schmerztherapeutin Inge Alice Kelm-Kahl aus der Praxis für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie des

clearing

Gibt es wirksame Hausmittel?

KELM-KAHL: Inge Alice Kelm-Kahl: Das sind für alle Kopfschmerzformen eine Massage der Gesichts- und Halsmuskulatur, vor allem der Schläfen- und Kaumuskeln und der Halsmuskeln. Duftende Öle, beispielsweise japanisches Heilpflanzenöl, helfen besonders gut. Zu empfehlen sind auch Entspannungsübungen wie progressive Muskelrelaxation, Tai Shi oder auch Tanzen. Ein heißer Tee mit Honig wirkt oft Wunder. Bei Migräne hilft manchen ein Espresso mit einem Spritzer Zitrone.

Wann sind Schmerzmittel zu empfehlen?

KELM-KAHL: Wenn man sich nicht hinlegen und entspannen kann, muss man manchmal zu einem Schmerzmittel greifen. Dann eignen sich für die meisten Kopfschmerzformen 600 Milligramm Ibuprofen oder ASS 500 mg. Spezielle Schmerzmittel gegen Migräne oder zur Vorbeugung gegen Kopfschmerz sollte man nur einnehmen, wenn sie zuvor nach gründlicher Untersuchung vom Arzt oder Facharzt verschrieben wurden. Dann sollte man sie genau nach Vorschrift nehmen, um nicht von Schmerzmedikamenten abhängig zu werden.

Wie gehen Sie gegen Kopfschmerz vor?

KELM-KAHL: Ich bin seit über 35 Jahren Migränepatientin. Zur Vorbeugung betreibe ich regelmäßig Ausdauersport: Ich gehe schwimmen, fahre Rad, gehe mit Hunden spazieren. Auch nehme ich Betablocker als medikamentöse Migräneprophylaxe. Wenn die Arbeit zuviel wird, versuche ich, mir das Mantra „Es ist genug“ vorzugeben. Das fällt mir, wie vielen anderen Kopfschmerzpatienten, sehr schwer. Man muss es aber anwenden, um sich vor Überlastung zu schützen. Migräne wird inzwischen als Erkrankung ähnlich wie die Epilepsie angesehen: Die Nervenzellen neigen zu Übererregbarkeit. Zu wenig Schlaf, Überarbeitung, Stress, Hunger und Alkohol begünstigen die Symptome. Daher sind Entspannung und ein geregelter Lebensrhythmus wichtig.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

KELM-KAHL: Wenn die Kopfschmerzen neu aufgetreten sind und mehr als einen Monat anhalten, wenn sich der bekannte Kopfschmerz verändert, wenn der Kopfschmerz morgens mit Übelkeit auftritt. Dann sollte man einen Facharzt aufsuchen und die Symptome genau schildern. Kommen zum Kopfschmerz Lähmungen oder Sehstörungen, muss sofort ein Arzt aufgesucht werden, um eine entsprechende Diagnostik einzuleiten. Tritt aus dem Nichts stärkster Kopfschmerz auf, insbesondere nach einer Anstrengung, sollte sofort die Notaufnahme aufgesucht werden.

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