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Apfel-Ernte: Die Bäume knarzen unter der Last

Äste voller Früchte und so schwer, dass sie gestützt werden müssen: Der Obst- und Gartenbauverein (OGV) steckt mitten in einer Riesenernte. Zum Glück ist für eine pfiffige Verwertung gesorgt.
Kaum zu halten: Äpfel an einem Obstbaum im Seichböhl. Foto: RBEUTEL PRM Kaum zu halten: Äpfel an einem Obstbaum im Seichböhl.
Nauheim. 

Mindestens zwei Wochen früher als erwartet steht auf der Hochstammanlage im Seichböhl die Apfelernte an. Die Bäume knarzen unter der Last, die OGV-Mitglieder stöhnen ob der vielen Arbeit. Doch die Chance, das viele Obst unter die Menschen bringen zu können, motiviert den Verein.

Vorsitzender Herbert Vogel spricht von einer „Notreife“. Wegen des heißen Sommers sei das Obst auf den mehr als 60 Hochstämmen im westlichen Teil der Ortsgemarkung deutlich früher reif geworden als üblich. Das sei so schnell gegangen, dass sich die Natur selbst geholfen habe. Zu sehen sei das auf dem Boden: Tatsächlich liegen fast unter jedem Baum kleine Hügel mit Fallobst. Die ersten Bäume, die sich ihrer vielen Früchte entledigten, seien die Sorten „Jakob Lebel“ und Jakob Fischer“ gewesen.

Etliches aufgelesen

Das richtige Werkzeug ist für den Obstbaumschnitt wichtig. Vorsitzende Herbert Vogel (vorne links) zeigt, wie es geht. Bild-Zoom Foto: RBEUTEL PRM
Das richtige Werkzeug ist für den Obstbaumschnitt wichtig. Vorsitzende Herbert Vogel (vorne links) zeigt, wie es geht.

Etliches davon habe der Verein schon aufgelesen und zu einem Vermoster gebracht, berichtet Vogel. Das sei aber nur eine Notlösung, denn die Vergütung für Fallobst sei so gering, „dass es für uns eigentlich ein Verlustgeschäft ist“. Was also passiert mit all den Äpfeln, die noch an den Ästen hängen und jetzt gepflückt werden?

Der Verein greift auf bewährte Zusammenarbeit zurück, die vor drei Jahren für großes Aufsehen, viel Lob und einen kräftigen Zuschuss für die Vereinskasse sorgte. Gewerbevereinsvorsitzender Ludwig Boßler, Betreiber des Edeka-Markts, hat dem OGV wie 2015 zugesagt, dass er die Äpfel in seinem Markt verkaufe. Das Besondere daran: Die Kunden haben die Gelegenheit, Obst aus Nauheim zu bekommen, das normalerweise nicht im Handel zu finden ist: Äpfel, die schon Oma und Opa schmeckten, fruchtig und aromatisch, aber vielleicht nicht so hübsch wie ein aus Australien importierter und auf Hochglanz polierter Braeburn. Zum heimischen Angebot gehören stattdessen alte Sorten wie „gelber Edel“, „Kaiser Wilhelm“ oder „Schafsnase“.

Boßler übernehme die Werbung, erklärt Vogel und veräußere das „Naumer Obst“ zum Selbstkostenpreis. 1,49 Euro, so Vogel, koste das Kilogramm, wovon ein Euro der Verein erhalte und der Rest für die Steuer draufgehe.

2015, nach einer Rekordernte, waren die Früchte von 31 Apfelbäumen mit 15 verschiedenen Tafel- und Backobstsorten in den Verkauf gelangt. 2000 Kilogramm wurden damals an Frau und Mann gebracht.

2017 verdarb alles

Nach 2015 war nicht gleich damit zu rechnen, dass die nächste Ernte wieder so üppig ausfalle. Tatsächlich alternierte 2016 die Natur, wie es in der Fachsprache heißt. Die Bäume erholten sich, und die Ernte war winzig. 2017 verdarb eine Frostnacht alles: Wieder nichts, „weil alles erfroren ist“, erinnert sich Vogel. Dieses Jahr könnte es wieder einen Rekord geben.

Trotz der Schufterei versäumt es der Verein nicht, sein Wissen weiter zu geben. Am Samstag lud der OGV zum Schnittkurs ein, bei dem Vogel und die Fachwarte demonstrierten, wie zu dieser Jahreszeit Bäume behandelt werden sollten.

Alfons Zinkeisen aus Rüsselsheim ließ sich zum Beispiel erklären, welche Sägen und Baumschnittscheren er sinnvollerweise nutzen und welche überflüssigen Äste er entfernen sollte, damit im nächsten Frühjahr viel Luft und Licht an die Blüten gelangt.

Zinkeisen berichtete, dass er 13 Bäume pflegen müsse, diese aber noch nie zurückgeschnitten habe. „Wenn man nichts macht, vergreisen die schnell“, warnte ihn Vogel.

Einige wolle der Hobbygärtner nun nachpflanzen, um mit jungen Bäumen eines Tages auch eine große Ernte einzufahren.

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