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Wünschewagen: Dieses Auto erfüllt den letzten Wunsch

Am Sonntag veranstaltete der Lions-Club Bischofsheim seinen traditionellen Kuchen-Schmaus im Kaffeehaus in der TV-Turnhalle. Zu Gast war auch der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und sein Wünschewagen, mit dem todkranken Menschen ein letzter Wunsch erfüllt werden kann.
Rosen in der Vase und Sterne an den Wänden: Im Innern soll den Patienten so wenig wie möglich an einen Krankentransport erinnern. Carsten Faber, Fabian Deisenroth, Martina Roth und Mareike Weyand (von links) erfüllen sterbenskranken Menschen einen letzten Wunsch. Rosen in der Vase und Sterne an den Wänden: Im Innern soll den Patienten so wenig wie möglich an einen Krankentransport erinnern. Carsten Faber, Fabian Deisenroth, Martina Roth und Mareike Weyand (von links) erfüllen sterbenskranken Menschen einen letzten Wunsch.
BISCHOFSHEIM. 

Blaue und weiße LED-Lämpchen strahlen von der Decke im Innern des Wünschewagens. Blaue Sterne, die an den Wänden des Transporters aufgemalt sind, verstärken die Assoziation mit dem Himmel. Tatsächlich ist das so gewollt, wie Martina Roth vom Vorstand des Arbeiter-Samariter-Bunds Hessen (ASB) erzählt. „Vorbild für das Design unseres Wünschewagens ist das Sternbild des großen Wagens. Das findet sich auch auf dem Logo des Projekts wieder.“

Am Sonntag sind mehrere ehrenamtliche Mitarbeiter des ASB Hessen beim Kuchen-Schmaus des Lions-Clubs Bischofsheim in der TV-Halle zu Gast. Neben dem geselligen Beisammensein ist der Wünschewagen des ASB eines der wichtigsten Themen der Veranstaltung. Im Hof vor der TV-Halle aufgestellt, kann er von den Gästen begutachtet werden.

Medizin an Bord

Im Innern des Wagens weist auf den ersten Blick nichts auf eine medizinische Komponente hin – und auch das ist so gewollt, wie Martina Roth betont. Einzig die tragbare Liege ist ein Anzeichen dafür, dass in dem Gefährt schwerkranke Menschen transportiert werden. Neben der Liege sind auf den ersten Blick noch zwei Sitze mit Anschnallgurten zu sehen. Mit den Sitzmöglichkeiten in der Fahrerkabine können so fünf Personen mit dem Wünschewagen fahren.

„Der Wagen ist mit allem notwendigen medizinischen Gerät ausgestattet“, erklärt Roth. „Es ist allerdings in den Einbauschränken versteckt. Denn der Patient, der mit uns fährt, soll wenigstens ein paar Stunden nicht mit seiner Krankheit konfrontiert sein.“ Das Ziel des Wünschewagens sei es, so Roth, einem sterbenskranken Menschen einen allerletzten Lebenswunsch zu erfüllen und ihn damit so glücklich wie möglich zu machen.

Seit Februar 2017 steht der Wünschewagen im Dienst des ASB. „Wir hatten im vergangenen Jahr 150 Wunschanfragen. Davon konnten wir 40 Wünsche erfüllen“, berichtet das ASB Vorstandsmitglied. Es konnten lediglich knapp ein Drittel der Wunschanfragen umgesetzt werden, erklärt Martina Roth, da einige Patienten vor der Durchführung starben oder der Arzt in der letzten Sekunde doch nicht die nötige Transportfähigkeit des Kranken bestätigt hat. „Wir planen die Erfüllung des Wunsches nach der Anfrage so schnell wie möglich. Meistens vergehen weniger als zwei Wochen, bis die Reise beginnen kann“, erzählt Roth. Doch leider sei das manchmal eben auch schon zu lange.

Weitere Helfer gesucht

Der Wünschewagen bringe die schwerstkranken Patienten – dabei spielen weder Art der Erkrankung, noch Alter eine Rolle – an einen Ort ihrer Wahl. Das könne eine Fahrt ans Meer mit Übernachtung, der Besuch einer Sportveranstaltung oder eines Konzerts oder die Reise zu einem Lieblingsweinlokal sein. „Ich erinnere mich gut an einen jungen Mann, der mit uns eine Fahrt über das Rollfeld des Frankfurter Flughafens unternehmen durfte. Das war sein allergrößter Wunsch. Denn er wollte eigentlich Pilot werden, bevor er krank wurde“, berichtet Martina Roth.

Finanziert werde das Projekt rein durch Spenden und Sponsorenmittel. Die Anschaffung des speziell ausgestatteten Transporters habe rund 120 000 Euro gekostet. Die laufenden Kosten lägen bei etwa 100 000Euro pro Jahr. Dazu kämen weitere Ausgaben, wie für Tickets und Übernachtungen, informiert das ASB-Vorstandsmitglied. „Alle unsere Wünsche-Erfüller – das sind immer zwei Personen, die einen Patienten auf einer Fahrt begleiten – machen ihre Arbeit ehrenamtlich. Zum Teil haben sie eine rettungsdienstliche Ausbildung“, berichtet Martina Roth. Der ASB suche aktuell insbesondere nach weiteren Wünsche-Erfüllern aus dem rettungsdienstlichen Bereich. Insgesamt seien 100 ehrenamtliche Personen in Hessen in dem Projekt aktiv.

Bundesweit sei Anfang März der 16. Wünschewagen im 14. Bundesland in Betrieb genommen worden. „Das Projekt ist sehr wichtig“, betont Roth. „Wenn sich das Leben dem Ende zuneigt, bietet es die Chance, noch ein letztes Mal einen schönen und unvergesslichen Moment zu erleben.“

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