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Jahrestag: Drei Menschen starben vor zehn Jahren bei Schießerei in Rüsselsheim

Von Vor zehn Jahren sterben in der Innenstadt drei Menschen bei einer Schießerei. Bei vielen Rüsselsheimern ist die Tat nach wie vor unvergessen.
Schauplatz des Grauens: Im Eiscafé „De Rocco“ sterben am Abend des 12. August 2008 drei Menschen. Schauplatz des Grauens: Im Eiscafé „De Rocco“ sterben am Abend des 12. August 2008 drei Menschen.
Rüsselsheim. 

Zehn Jahre ist es her, dass die Innenstadt von Rüsselsheim im Ausnahmezustand war. Vielen ist das Bild der rotweißen Absperrbänder rund um die Kreuzung von Bahnhof- und Grabenstraße noch so präsent, als wäre es gestern gewesen.

Am 12. August 2008 fallen Schüsse vor dem Eiscafé „De Rocco“. Zwei verfeindete Gruppen treffen sich zur Aussprache in dem Café, alle sechs beteiligten Männer bringen Schuss- und Stichwaffen dazu mit. Es geht um Geld, um Wettschulden. Der Dialog eskaliert, letztlich sterben zwei der Männer und eine Café-Besucherin, die von einer verirrten Kugel getroffen wird. Viele werden verletzt.

Übers Radio erfahren

„Ich erinnere mich noch gut an den Abend“, erzählt eine Mitarbeiterin der damals gegenüberliegenden Bäckerei. Nach Ladenschluss sei sie im Bootshaus noch etwas essen gewesen. „Plötzlich sagte der Wirt, dass bei uns an der Bäckerei eine Schießerei im Gange sei – er habe es gerade im Radio gehört“, erzählt sie.

Das Eiscafé heute: Hier ist wieder Normalität eingekehrt. Bild-Zoom
Das Eiscafé heute: Hier ist wieder Normalität eingekehrt.

Sie und ihr Mann seien anschließend noch einmal vorbei gegangen, denn so richtig hätten sie das nicht glauben können. „Da war aber schon alles abgeriegelt“, so die Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte. Zahlreiche Krankenwagen hätten entlang der Bahnlinie an der Grabenstraße gestanden. „Wer weiß, was da noch kommt“, habe einer der Sanitäter gesagt. Die Täter waren nach der Eskalation kurze Zeit flüchtig, einer von ihnen konnte erst im Oktober 2008 festgenommen werden.

An den Tagen nach der Tat greift in Rüsselsheim eine Mischung aus Angst und Sensationsgelüsten um sich: Viele Schaulustige kommen, viele haben ein mulmiges Gefühl im Bauch.

„Wir haben am nächsten Morgen die Kreidekringel auf dem Boden vor unserem Laden gesehen. Dort sind Patronenhülsen gefunden worden“, erinnert sich die Mitarbeiterin der Bäckerei. Einer der draußen stehenden Stühle hätte einen Durchschuss im Bein abbekommen, erzählt sie. Den Stuhl habe sie heute noch. „Solange die Polizei ermittelt hat, saßen überall Reporter mit ihren Laptops im Laden“, so die Mitarbeiterin. „Ich würde sagen, das hing Rüsselsheim nicht so lange nach. Am Anfang sei noch häufig darüber gesprochen worden, aber mittlerweile sei das kein Thema mehr. „Trotzdem frage ich mich natürlich, was passiert wäre, wenn ich an dem Tag später den Laden verlassen hätte“, sagt sie.

Tat ist noch präsent

Der Besitzer ist längst ein anderer, mittlerweile heißt die Eisdiele „San Marco“. Einigen Kunden dort ist das Ereignis immer noch präsent. „Ich denke eigentlich jedes Mal, wenn ich mir ein Eis hole, daran“, erzählt eine Besucherin.

Der umstrittene Rapper „Haftbefehl“ hat das Geschehen sogar in seinem Song „Hungrig und stur“ verewigt: „Komm’ mit zweihundert Cousins aus Rüsselsheim, Schüsse fallen“, heißt es dort in einer Strophe.

„Wenn ich sage, wo meine Heimatstadt ist, heißt es schon manchmal ,Ach, da wo die Schießerei war‘“, erzählt ein Rüsselsheimer Besucher und zuckt mit den Schultern. Einfach vergessen können die Bluttat viele nicht.

Abgeschlossen ist indes der Prozess dazu, der vom 26. Mai 2009 bis zum 31. März 2010 dauerte. Wegen Mordes wurde der damals 29 Jahre alte Taylan K. zu lebenslanger Haft verurteilt, die mitangeklagten Brüder Serdal E. (damals 24) und Erdal E. (damals 33) erhielten jeweils eine zehnjährige Haftstrafe wegen versuchten Mordes. Die Revisionen der drei Angeklagten wurden im Juni 2011 zurückgewiesen.

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